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29.04.2015

20:12 Uhr

Inflation

Preise sind im April leicht gestiegen

Auch wenn Sprit und Heizöl im April etwas teurer sind als noch im März: Energie ist noch immer deutlich billiger als vor einem Jahr. Insgesamt können sich Experten weiter über einen schwachen Preisauftrieb freuen.

Die Preise vor allem für Lebensmittel sind im April wieder leicht gestiegen. Reuters

Inflation legt zu

Die Preise vor allem für Lebensmittel sind im April wieder leicht gestiegen.

WiesbadenGetrieben von Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln ist die Inflation in Deutschland im April auf niedrigem Niveau erneut leicht gestiegen. Die jährliche Teuerungsrate erhöhte sich von 0,3 Prozent im März auf 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Vergleich zum März sind die Verbraucherpreise voraussichtlich um 0,1 Prozent gesunken.

Gebremst wird der Preisauftrieb weiter von Energieprodukten: Für Kraftstoffe und Haushaltsenergie mussten Verbraucher im April 5,9 Prozent weniger bezahlen als vor einem Jahr. Details zur Preisentwicklung auf Monatssicht gibt die Bundesbehörde erst am 13. Mai bekannt.

Daten etwa vom Statistischen Landesamt in Wiesbaden zeigen aber, dass die Kraftstoffpreise binnen Monatsfrist anzogen: Benzin war demnach im April 2,9 Prozent teurer als im März, auch für Diesel mussten Autofahrer etwas (plus 0,6 Prozent) mehr bezahlen als einen Monat zuvor. Nach ADAC-Angaben gehen die Spritpreise schon seit Jahresbeginn deutlich nach oben.

Hingegen verteuerten sich Nahrungsmittel auf Jahressicht um 1,1 Prozent - nachdem sie im März noch etwa günstiger (-0,1 Prozent) waren als zwölf Monate zuvor. „Wegen des recht frischen Frühjahrs mussten Verbraucher vor allem für frisches Obst und Gemüse tiefer in die Tasche greifen“, erklärte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

Wohnungsmieten, deren Gewicht im Verbraucherpreisindex gut ein Fünftel beträgt, lagen im April wie schon in den Vormonaten 1,3 Prozent über dem Niveau des jeweiligen Vorjahresmonats.

Noch im Januar war die Teuerungsrate erstmals seit 2009 wieder ins Minus gerutscht. Seither hat der Preisauftrieb zwar drei Monate in Folge jeweils leicht zugelegt: Trotzdem ist die Inflation immer noch weit entfernt vom Zielwert der Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt eine Jahresrate von knapp unter 2,0 Prozent an und versucht dies mit Hilfe von Nullzinsen und einer billionenschweren Geldflut zu erreichen.

Ökonomen sind allerdings überzeugt, dass die Inflationsrate in Deutschland weiter steigen wird. Dafür sprächen etwa der robuste Arbeitsmarkt und die guten Konjunkturaussichten, sagte Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg. Commerzbank-Experte Wagner rechnet damit, dass die Energiepreise ab der Jahresmitte stärker steigen dürften: „Zudem werden die unter anderem wegen des Mindestlohns stärker zulegenden Arbeitskosten auch den unterliegenden Preisdruck verstärken.“

Von der Inflation zur Deflation

Was bedeutet Inflation?

Als Inflation wird die Preissteigerung binnen eines Jahres bezeichnet. Sie liegt in Deutschland im Januar nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bei minus 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen sind. Das liegt unter anderem am dramatisch gefallenen Ölpreis, der sich seit dem Sommer mehr als halbiert hat.

Wann spricht man von einer Deflation?

Hierzu reicht ein Preisrutsch von einem Monat auf den anderen nicht aus. Dazu muss sich die Inflationsrate klar ins Negative umkehren – und das für längere Zeit.

Was passiert bei einer Deflation?

Bei einer Deflation verschieben Verbraucher in der Regel ihre Anschaffungen in der Hoffnung auf niedrigere Preise. Unternehmen verringern ihre Produktion, um sich der sinkenden Nachfrage anzupassen, was Entlassungen und niedrigere Löhne zur Folge haben kann. Das bremst die Nachfrage dann noch mehr und die Preise sinken weiter – es droht ein Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen, aus dem schwierig herauszukommen ist.

Hat eine Deflationsphase zwangsläufig negative Folgen?

Nicht unbedingt. Ob die Verbraucher tatsächlich Einkäufe zurückstellen, muss sich in der jeweiligen Situation zeigen. Denn zunächst sind niedrigere Preise aus ihrer Sicht durchaus positiv. Wenn sie weiter konsumieren, profitiert auch die Wirtschaft. Erst mit sogenannten Zweitrundeneffekten – wenn also auch die Löhne fallen – kann es gefährlich werden.

Wie ist die Lage in Europa?

In der Eurozone sind die Lebenshaltungskosten im Dezember erstmals seit Oktober 2009 zurückgegangen. In Deutschland hatte die Inflationsrate im Dezember noch bei einem kleinen Plus von 0,2 Prozent gelegen. Allerdings hat die Europäische Zentralbank (EZB) als Zielwert eine Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent ausgegeben. Dieser scheint momentan in weiter Ferne.

Nach Schätzungen des Instituts wird die Inflationsrate zum Jahresende wieder bei rund 2 Prozent liegen: „Für das Gesamtjahr 2015 rechnen wir mit einer Inflationsrate von 0,5 Prozent.“

Wegen der Gefahr einer Deflation in der Euro-Zone - einem für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall auf breiter Front - hat die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter gelockert. Seit März pumpt sie mit dem Kauf von Staatsanleihen zusätzliche Milliarden in die Wirtschaft - in der Hoffnung, dass das die Preise nach oben treibt. Die Währungshüter sprechen nur bei Inflationsraten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Von

dpa

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