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30.10.2014

14:59 Uhr

Inflation

Preise steigen im Oktober nur um 0,8 Prozent

Die Teuerungsrate in Deutschland bleibt den vierten Monat in Folge auf demselben Niveau: Die Preise stiegen auch im Oktober nur leicht um 0,8 Prozent – entgegen der Prognose von Experten.

Nahrungsmittel verteuerten sich in Deutschland im Oktober um 0,7 Prozent. dpa

Nahrungsmittel verteuerten sich in Deutschland im Oktober um 0,7 Prozent.

BerlinSinkende Energiekosten halten die Inflationsrate in Deutschland weiter niedrig. Sie verharrte im Oktober bei 0,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Teuerungsrate blieb damit den vierten Monat in Folge konstant auf demselben Niveau. Experten hatten mit einem leichten Anstieg auf 0,9 Prozent gerechnet. Noch niedriger als im Oktober lag die Inflationsrate zuletzt im Februar 2010, als Deutschland mit den Folgen der globalen Finanzkrise zu kämpfen hatte.

Nun dämpfen insbesondere fallende Energiepreise die Inflation: Die Energiekosten sanken zum Vorjahr um 2,3 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich hingegen um 0,7 Prozent und Dienstleistungen sogar um 1,7 Prozent.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Die Verbraucherpreise sind damit auch in Deutschland weiterhin niedriger als es der Europäischen Zentralbank (EZB) lieb sein kann. Sie strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Um einen für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall im Euro-Raum zu verhindern, hat sie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Außerdem pumpt die Zentralbank Milliarden an billigem Geld in die Wirtschaft.

Bei einem Preisverfall auf breiter Front halten sich Verbraucher mit Käufen zurück, weil sie erwarten, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Auch Löhne sinken dann und Firmen stellen Investitionen zurück. Dadurch kann eine deflationäre Abwärtsspirale in Gang kommen, die eine Wirtschaft auf Jahre lähmt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

30.10.2014, 15:59 Uhr

Zitat: "Bei einem Preisverfall auf breiter Front halten sich Verbraucher mit Käufen zurück, weil sie erwarten, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Auch Löhne sinken dann und Firmen stellen Investitionen zurück. Dadurch kann eine deflationäre Abwärtsspirale in Gang kommen, die eine Wirtschaft auf Jahre lähmt."

Genau! Als ich das gehört habe, habe ich spontan entschlossen erst übernächstes Jahr wieder zu essen, tanken und heizen!

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