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29.04.2011

14:15 Uhr

Inflation

Reallöhne für Tarifangestellte sinken

Die Tariflöhne in Deutschland sind zum Jahresauftakt weniger stark gestiegen als die Lebenshaltungskosten. Damit sinken trotz Konjunkturaufschwung die Reallöhne.

Besonders im Gesundheitswesen sinken die Reallöhne. Quelle: dpa

Besonders im Gesundheitswesen sinken die Reallöhne.

BerlinHohe Energiepreise heizen europaweit die Teuerung an. In Deutschland hat die Inflation zuletzt das bescheidene Tarifplus der Arbeitnehmer aufgefressen, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Inzwischen kletterte die Jahresteuerung im April auf 2,4 Prozent - dem höchsten Stand seit Oktober 2008. Im Euro-Raum erreichte die Inflation nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat vom Freitag sogar 2,8 Prozent.

Volkswirte rechnen mit weiter steigenden Raten - und erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) spätestens im Juli die Zinsen weiter anheben wird, um den Inflationsdruck zu mindern.

Zwar stiegen in Deutschland die tariflichen Monatsverdienste von Januar 2010 bis Januar 2011 um 0,9 Prozent, wie das Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Der Zuwachs lag aber deutlich unter dem Anstieg der Verbraucherpreise von 2,0 Prozent im selben Zeitraum. Unter dem Strich waren die Tarifverdienste damit weniger wert als ein Jahr zuvor. Die Statistiker begründeten die „vergleichsweise schwache Entwicklung der Tarifverdienste“ mit den Folgen der Wirtschaftskrise, die die Tarifabschlüsse auch 2010 beeinflusst habe.

In den 17 Ländern mit der Euro-Gemeinschaftwährung, deren Wirtschaft zum Teil ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht, wird die Inflation zunehmend zum Problem. Die jährliche Teuerungsrate stieg nach einer ersten Schätzung von Eurostat im April im Vormonatsvergleich um 0,1 Punkte auf 2,8 Prozent.

Die Rate sei „entgegen den allgemeinen Erwartungen“ erneut gestiegen, kommentierte die Commerzbank. Dies liefere denjenigen im EZB-Rat zusätzliche Argumente, die auf eine schnellere Normalisierung der Geldpolitik dringen.

Fachbegriffe zum Thema Lohn

Inflation

Als Inflation bezeichnet man eine Geldentwertung (Sinken des Geldwertes), die sich durch Steigen des Preisniveaus für Endprodukte (Konsumgüter, Investitionsgüter) ausdrückt. Nach klassischer Theorie entsteht eine Inflation durch anhaltende überhöhte Güternachfrage über das gesamtwirtschaftliche Güterangebot hinaus. Erfahrungsgemäß geht sie mit einer Erhöhung der umlaufenden Geldmenge und/oder der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes einher. Die Höhe der Inflation wird durch die Inflationsrate ausgedrückt.

Phillipskurve

Graphische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Preissteigerungsrate und Beschäftigungsgrad in einer Volkswirtschaft. Sie behauptet, dass mit steigender Beschäftigung auch das Preisniveau steigt. Die ursprüngliche Phillipskurve führt auf den britischen Ökonometriker A.W. Phillips (1958) zurück, sie beschreibt den negativen Zusammenhang zwischen Unterbeschäftigung und der Änderungsrate des Nominallohnsatzes. Er bewies damit, dass bei geringerer Arbeitslosigkeit die Nominallöhne der Arbeiter steigen und umgekehrt (Großbritannien 1861 - 1957). Seine Überlegungen gingen dahin, dass die Arbeitnehmer bei einem hohen Beschäftigungsstand, eine höhere Verhandlungsmacht haben, und dadurch höhere Löhne durchsetzen könnten (keynesianische Erklärung), dies geschieht allerdings nur einseitig und kann nicht umgekehrt verstanden werden. Im Laufe der Zeit wurden mehrfach Modifikationen an der Phillipskurve vorgenommen.

Reallohn

In der Volkswirtschaftslehre ist der Reallohn ein Maß für die Kaufkraft. Er stellt die Höhe der Arbeitsentgelte unter Berücksichtigung der Geldwertentwicklung dar. Für einen Arbeitnehmer ist somit nicht unbedingt die absolute Höhe seines Lohns oder Gehalts bedeutsam. Entscheidend ist vielmehr die Kaufkraft, also die Güter- und Leistungsmenge, die er für sein Einkommen kaufen kann.

Reservationslohn

Dies ist die Bezeichnung für den Lohn für Arbeit, zu dem ein Arbeitnehmer gerade noch bereit ist, seine Arbeitskraft anzubieten. Wenn der angebotene Lohn unter dem Reservationslohn liegt, so wird der Arbeitnehmer keine Arbeitskraft mehr anbieten. Freizeit stellt für den Arbeitnehmer ein ökonomisches Gut dar und deshalb muss er abwägen zwischen denjenigen Gütern, die er für den Lohn erwerben könnte und der Freizeit, die er für die Lohnarbeit opfern muss. Wird ein Lohn in Höhe des Reservationslohns angeboten, so ist der Arbeitnehmer indifferent zwischen der Arbeitsaufnahme und der Freizeit. Eine Arbeitsaufnahme kann also nur bei einem Lohnangebot größer oder gleich dem Reservationslohn erwartet werden.

Rezession

Die Rezession ist eine Abschwungphase der Konjunktur. Dieser wirtschaftliche Abschwung ist oftmals auf anhaltende Kursverluste an der Börse (Baisse) zurückzuführen. Die Rezession ist eine abgeschwächte Form der wirtschaftlichen Depression, doch entwickelt sich im allgemeinen weniger dramatisch. Rückgang des saisonbereinigten realen BIP in mindesten zwei aufeinander folgenden Quartalen. Zur Messung werden die Werte mit dem jeweiligen Quartal des Vorjahres verglichen. Eine Rezession ist an der Abschwächung der Hochkonjunktur, der schlechten Beurteilung der Wirtschaftslage, der sinkenden Nachfrage, an überfüllten Lagern, den Abbauc von Überstunden und der beginnenden Kurzarbeit, sowie fehlenden Investitionen, der teilweisen Stilllegung von Produktionsanlagen und den stagnierenden bzw. sinkenden Preisen/ Löhne oder Zinsen zu erkennen.

Tarifvertrag

Arbeitgeber oder Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften schließen einen schriftlichen Tarifvertrag, um die Rechte und Pflichten der Vertragspartner zu regeln. Hinzu kommen rechtliche Vereinbarungen über den Inhalt, den Abschluss und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen (beispielsweise die Höhe von Lohn und Gehalt oder sonstige Arbeitsbedingungen). Außerdem enthalten Tarifverträge betriebsverfassungsrechtliche Regelungen. Tarifverträge sind auf der rechtlichen Grundlage der Tarifautonomie, die es den Tarifpartnern ermöglicht Verträge über Arbeitsbedingungen ohne staatliche Mitsprache auszuhandeln, abzuschließen und auch zu beenden. Rechtliche Grundlage ist das Tarifvertragsgesetz (TVG).

Warenkorb

Der Warenkorb ist eine statistische Größe. Es handelt sich um die Zusammenstellung von Waren und Dienstleistungen, die eine bestimmte Person oder eine Gruppe in einer gewissen Zeit typischerweise anbietet oder nachfragt. Der Inhalt eines Warenkorbes muss immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Preisstabilität ist nach den Regeln der EZB bei Inflationsraten von „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ gewährleistet. Im Kampf gegen die Inflation hatte die Notenbank im April den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent angehoben. Mit dem ersten Zinsschritt seit fast genau zwei Jahren beendete die EZB ihre Politik des extrem billigen Geldes - trotz anhaltender Schuldenkrise im Euro-Raum.

Dennoch sehen Fachleute weiterhin immensen Druck an der Preisfront. Die Postbank rechnet gar damit, dass die Teuerungsrate in Deutschland bald höher sein wird als in der Europäischen Währungsunion insgesamt. „Wir werden Opfer unseres eigenen Erfolgs“, erklärte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Weil die deutsche Wirtschaft so gut durch die Krise gekommen ist, droht ab 2012 ein zunehmender Preisdruck vom Arbeitsmarkt.“

Ab dem kommenden Jahr könnten die Tarifabschlüsse nach Bargels Einschätzung deutlich stärker steigen. Es sei nicht auszuschließen, „dass in Deutschland im Verlauf des Jahres 2012 die Preissteigerungsrate vorübergehend auch eine Vier vor dem Komma zeigt“.

Von

dpa

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