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29.01.2015

14:05 Uhr

Inflation

Verbraucherpreise fallen erstmals seit 2009

Zum ersten Mal seit der Wirtschaftskrise 2009 sinken in Deutschland wieder die Preise. Waren und Dienstleistungen kosten 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Von einer Deflation wollen Experten aber noch nicht sprechen.

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland im Januar um 0,3 Prozent gegenüber 2014 zurückgegangen. Reuters

Preise sinken

Die Verbraucherpreise sind in Deutschland im Januar um 0,3 Prozent gegenüber 2014 zurückgegangen.

BerlinDas Leben in Deutschland wird dank fallender Ölpreise billiger - zum ersten Mal seit der schweren Wirtschaftskrise 2009. Waren und Dienstleistungen kosten im Januar durchschnittlich 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch plus 0,2 Prozent betragen.

„Der Rückgang ist den kräftig sinkenden Ölpreisen geschuldet“, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Diese sind seit dem Sommer um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was Tanken und Heizen erheblich billiger macht. Energie kostete im Schnitt 9,0 Prozent weniger als im Januar 2014. Günstiger wurden auch Nahrungsmittel, für die 1,3 Prozent weniger bezahlt werden mussten. Gestiegen sind dagegen die Wohnungsmieten, und zwar um 1,3 Prozent.

Von der Inflation zur Deflation

Was bedeutet Inflation?

Als Inflation wird die Preissteigerung binnen eines Jahres bezeichnet. Sie liegt in Deutschland im Januar nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bei minus 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen sind. Das liegt unter anderem am dramatisch gefallenen Ölpreis, der sich seit dem Sommer mehr als halbiert hat.

Wann spricht man von einer Deflation?

Hierzu reicht ein Preisrutsch von einem Monat auf den anderen nicht aus. Dazu muss sich die Inflationsrate klar ins Negative umkehren – und das für längere Zeit.

Was passiert bei einer Deflation?

Bei einer Deflation verschieben Verbraucher in der Regel ihre Anschaffungen in der Hoffnung auf niedrigere Preise. Unternehmen verringern ihre Produktion, um sich der sinkenden Nachfrage anzupassen, was Entlassungen und niedrigere Löhne zur Folge haben kann. Das bremst die Nachfrage dann noch mehr und die Preise sinken weiter – es droht ein Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen, aus dem schwierig herauszukommen ist.

Hat eine Deflationsphase zwangsläufig negative Folgen?

Nicht unbedingt. Ob die Verbraucher tatsächlich Einkäufe zurückstellen, muss sich in der jeweiligen Situation zeigen. Denn zunächst sind niedrigere Preise aus ihrer Sicht durchaus positiv. Wenn sie weiter konsumieren, profitiert auch die Wirtschaft. Erst mit sogenannten Zweitrundeneffekten – wenn also auch die Löhne fallen – kann es gefährlich werden.

Wie ist die Lage in Europa?

In der Eurozone sind die Lebenshaltungskosten im Dezember erstmals seit Oktober 2009 zurückgegangen. In Deutschland hatte die Inflationsrate im Dezember noch bei einem kleinen Plus von 0,2 Prozent gelegen. Allerdings hat die Europäische Zentralbank (EZB) als Zielwert eine Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent ausgegeben. Dieser scheint momentan in weiter Ferne.

Experten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise auch künftig sinken werden. "Niedrigere Energiekosten werden auch in den kommenden sechs Monaten für negative Inflationsraten sorgen", ist sich Ökonomin Jennifer McKeown von Capital Economics sicher. Von einer Deflation – einem lang anhaltenden Preisverfall auf breiter Front – sprechen die meisten Experten aber nicht.

„Zu den Merkmalen einer Deflation gehören auch sinkende Investitionen und ein schrumpfender privater Konsum“, sagte Postbank-Experte Bargel. „Das sehen wir in Deutschland und auch in Europa nicht. Im Gegenteil.“ Die kleinere Energierechnung entlaste Verbraucher wie Unternehmen um Milliarden. „Das ist gut für das Wachstum“, sagte auch Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. „Verbraucher sparen Geld, das sie für andere Dinge ausgeben können."

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Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Peter Noack

29.01.2015, 15:37 Uhr

Leider sinken die Preise in der Kerninflation nicht. Nur Energie und Nahrungsmittelpreise steigen negativ. Man kann auch sagen: Die sinken. Die Kerninflation bleibt über ein Prozent, nämlöichg 1,1 %

Herr Michael Träger

29.01.2015, 16:22 Uhr

Es wäre momentan wichtiger die Inflationsrate bereinigt um den Erdöleffekt auszuweisen. Das Öl, und auch der Dollar, werden steigen. Damit wird die Inflation rasant steigen, wie von Mr. Draghi gewünscht. Für Länder wie Deutschland, ist die Inflation die Enteignung des Mittelstandes. Siehe Argentinien.

Herr Ercole Domenico

30.01.2015, 09:41 Uhr

Herr Michael Träger,

Die Enteignung des Mittelstandes kann man vermeiden in dem man in Immobilien investiert.
Bei den niedrigen Zinsen sollte man bauen, dies schafft Wohnraum und drückt die Immobilienpreise, also die Inflation.
Die Zeiten wo "Kapital" mehr gebracht hat als "Arbeit" sind entgüldig vorbei, auch dank Draghi.

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