Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2015

12:58 Uhr

Inflation

Verbraucherpreise sinken erstmals seit 2009

Der Einbruch beim Ölpreis hat die Inflationsrate in Deutschland ins Minus gedrückt. Verbraucher kommen günstiger als vor einem Jahr an Sprit und Heizöl, aber auch an Nahrungsmittel. Das stärkt ihre Kaufkraft.

In Deutschland sind die Preise im Januar stärker gesunken als von Experten ursprünglich erwartet. dpa

Inflation

In Deutschland sind die Preise im Januar stärker gesunken als von Experten ursprünglich erwartet.

WiesbadenDie Verbraucherpreise in Deutschland sind wegen rapide sinkender Energiekosten erstmals seit September 2009 wieder gesunken. Das Minus zu Jahresbeginn fiel sogar noch etwas stärker aus als bisher bekannt. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, sank die Inflationsrate im Januar auf minus 0,4 Prozent. Gut für Verbraucher: Sie können deutlich günstiger tanken und heizen als vor einem Jahr.

In einer ersten Schätzung Ende Januar hatten die Statistiker für den Jahresauftakt noch eine Rate von minus 0,3 Prozent ermittelt. Von Dezember auf Januar fielen die Preise deutlich um 1,1 Prozent. Bei anhaltend fallenden Preisen spricht man von Deflation, die ebenso wie sehr hohe Inflation als gefährlich gilt.

Inflation: Fragen und Antworten

Warum sinken die Preise?

Hauptgrund ist der Absturz der Rohölpreise. Der Schmierstoff der globalen Wirtschaft verbilligte sich an den Weltmärkten seit vergangenem Sommer um gut die Hälfte. Das drückt die Preise für Heizöl und Kraftstoffe. Und weil die Ausgaben für Energie nach Mieten der größte Einzelposten im Haushaltsbudget der Deutschen sind, lässt das die Inflationsrate insgesamt sinken. Wie groß der Einfluss ist, belegen aktuelle Berechnungen des Bundesamtes: Würden Nahrungsmittel und Energie nicht berücksichtigt, hätten die Verbraucherpreise im Januar um 1,1 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Einschließlich beider Posten ergab sich eine Rate von minus 0,4 Prozent.

Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

Aus Verbrauchersicht zunächst einmal gar nichts. Die Heizölpreise fielen von mehr als 83 Euro im Juni 2014 auf weniger als 60 Euro zum Jahresende (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer). Und an mancher Tankstelle in Deutschland bekamen Autofahrer Mitte Januar den Liter Diesel zeitweise für unter einen Euro – erstmals seit März 2009. Der Preisrückgang bei Heizöl und Kraftstoffen wäre hierzulande sogar noch deutlicher ausgefallen, wenn der Euro im Vergleich zum Dollar nicht so stark nachgegeben hätte. Wer beim Tanken und Heizen spart, kann tendenziell mehr Geld für andere Dinge ausgeben. Die Kauflust scheint groß: Die Konsumlaune der Deutschen ist nach Zahlen der Nürnberger GfK auf einem 13-Jahres-Hoch. Zusätzlicher Treiber ist das für Sparer extrem unattraktive Zinsumfeld: Geldanlegen lohnt kaum.

Warnung vor sinkenden Preisen?

Die Gefahr ist, dass Preise über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen fallen. Volkswirte nennen das Deflation. Kommt es zu einer solchen Entwicklung, kann das ganze Volkswirtschaften lähmen: Verbraucher und Unternehmen könnten angesichts sinkender Preise Anschaffungen und Investitionen aufschieben – schließlich könnte es ja bald noch billiger werden. Wer etwas verkaufen will, könnte sich zu Preissenkungen gezwungen sehen. Das lässt die Gewinne der Unternehmen sinken und verkleinert Spielräume für Investitionen. Einzelne Werke sind eventuell nicht mehr ausgelastet. Kurzarbeit, Entlassungen oder gar die Schließung ganzer Standorte können Folgen sein. Mehr Arbeitslose, weniger Konsum, weniger Steuereinnahmen – rutscht eine Volkswirtschaft in eine Deflation, verringert sich die gesamte Wirtschaftsleistung zunehmend. Es droht eine Abwärtsspirale.

Deflation im Euroraum?

Die meisten Ökonomen sehen aktuell keine Gefahr und verweisen auf das große Gewicht der sinkenden Energiepreise. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat wiederholt bekräftigt, er sehe keine Abwärtsspirale aus negativen Inflationsraten, Rückgängen der Wirtschaftsleistung und Lohnsenkungen. Vor einer Woche betonte Weidmann, das niedrige Niveau der Teuerung erkläre sich vor allem durch den kräftigen Rückgang der Energiepreise: „Das sollte nicht verwechselt werden mit einer sich selbst verstärkenden Deflation und ihren negativen Folgen. Das Risiko einer Deflation auf breiter Front ist weiterhin sehr begrenzt.“

Sind sinkende Ölpreise gut für die Konjunktur?

In der Tat. Weidmann betont: Die niedrigeren Ölpreise seien wie ein „kleines Konjunkturprogramm“ für den Euroraum, weil Verbraucher wie Unternehmen weniger für den wichtigen Rohstoff bezahlen müssen. Unter anderem wegen dieser Ölpreis-Effekte hat die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für Deutschland für das laufende Jahr gerade erst von 1,3 Prozent auf 1,5 Prozent angehoben. Auch die EU-Kommission ist überzeugt: Der Absturz der Ölpreise und der schwache Euro werden den Euroländern 2015 mehr Wachstum bescheren als zunächst erwartet. Brüssel rechnet für das laufende Jahr in der Eurozone mit einem Plus von 1,3 Prozent statt der zunächst vorhergesagten 1,1 Prozent.

Mehr Wachstum, mehr Inflation?

In der Regel ja. Außerdem sollte die Geldflut der Europäische Zentralbank (EZB) sich bemerkbar machen. Die Notenbank hat im Januar angekündigt, in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Von März 2015 bis mindestens September 2016 sollen auf diesem Weg mehr als 1,1 Billionen Euro in die Wirtschaft gepumpt werden. Ein Ziel: Die Teuerungsrate wieder in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2,0 Prozent zu treiben. Bei diesem Wert sieht die EZB Preisstabilität gewahrt. Das ist aus Sicht der Währungshüter ausreichend weit von Nullmarke und Deflation entfernt.

Wie geht es weiter?

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Inflation ab Mitte 2015 allmählich wieder steigen wird. Für die Europäische Union erwartet die Behörde für das laufende Jahr eine Rate von 0,2 Prozent, 2016 dann 1,4 Prozent. Für den Euroraum wird für 2015 eine negative Teuerungsrate von minus 0,1 Prozent vorhergesagt, für 2016 dann 1,3 Prozent. Von einer Deflation spricht Brüssel explizit nicht.

Der Preisrückgang im Januar ist der stärkste seit Juli 2009, als die Preise im Vergleich mit dem Vorjahresmonat um 0,5 Prozent zurückgingen. Damals war die deutsche Wirtschaft allerdings eingebrochen, während sie aktuell recht gut dasteht - und zwar auch wegen der günstigen Energie. Für Commerzbank-Ökonom Christoph Weil ist der Einbruch der Ölpreise gar ein Segen für die Konjunktur: „Die Verbraucher müssen weniger für Energie ausgeben und haben mehr Geld für andere Dinge.“

Insgesamt schwächte sich die jährliche Teuerungsrate den dritten Monat in Folge ab, wie die Statistiker sagten. Im Dezember waren die Verbraucherpreise noch leicht um 0,2 Prozent gestiegen, im November um 0,6 Prozent und im Oktober um 0,8 Prozent.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr wulff baer

12.02.2015, 11:25 Uhr

Na also, es geht doch.

Wir haben bald die Grenzen des Wachstums erreicht.
Also ist es an der Zeit, in einen limitierten Käuferstreik zu treten.
Ich habe damit angefangen, und mein Briefträger hat mich gefragt, ob ich krank gewesen wäre.
Also ab zum Discounter - Vorräte für mindestens eine Woche.
Ich kaufe jetzt sogar meine Braten-Sauce bei Amazon, weil ich mir auf dem Land die 16 km hin und zurück ersparen möchte und Amazon die Sauce innerhalb 24 Std. frei Haus liefert.

Gleichzeitig kann ich dem Frischgeld-Drucker Drucki-Draghi eins auswischen, denn der will uns eine Inflation anhängen.
Mir nicht, denn ich übe Konsum-Verzicht.

Wenn ich Geld übrig habe und ich habe jetzt Geld übrig, kaufe ich physische Edelmetalle, denn das Ende der inkompatiblen Gemeinschaftswährung ist nahe.

An dem wahren Geld kann Drucki-Draghi nichts herummanipulieren.
Hat sogar neulich Alan der Grünspanige in einem Interview mit dem Wallstreet-Journal empfohlen.

Und der Großdrucker muß es ja wissen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×