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01.02.2011

08:38 Uhr

Inflationsbekämpfung

Teuerungsdruck bringt EZB in Zugzwang

VonNorbert Häring

In Europa wird die Inflation immer bedrohlicher, doch die EZB hält still und tastet den Leitzins nicht an. Noch nicht. Dass sie den Preisdruck bislang nicht mit höheren Zinsen bekämpft liegt am immer noch labilen Finanzsystem in der Euro-Zone.

Mit halber Kraft voraus: Die EZB kann die Inflation nicht wirksam bekämpfen. dpa

Mit halber Kraft voraus: Die EZB kann die Inflation nicht wirksam bekämpfen.

FRANKFURT. Obwohl der Teuerungsdruck zunimmt, kann die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung führender europäischer Experten derzeit nicht mit der Zinspolitik gegensteuern. "Die Risiken für das Bankensystem und für die Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum sind noch viel zu groß, als dass die EZB eine Zinserhöhung riskieren könnte", sagte Marie Diron vom renommierten Forschungsinstitut Oxford Economics auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats. Dem vom Handelsblatt ins Leben gerufenen Schattenrat gehören 15 Geldpolitik-Experten aus Finanzinstituten, Unternehmen und Forschungsinstituten an. Demgegenüber hatte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi am Donnerstag erklärt, die zunehmenden Inflationsrisiken könnten nicht länger ignoriert werden. Damit hatte er Erwartungen geschürt, die EZB könnte doch schon in absehbarer Zeit den Leitzins erhöhen.

Zwischen Ende November und Ende Januar hat sich der kurzfristige Inflationsausblick deutlich verdüstert. Vor allem aufgrund steigender Öl- und Nahrungsmittelpreise schnellte die Inflationsrate im Dezember in der Euro-Zone auf 2,2 Prozent nach oben. "Das Risiko, dass sich steigende Inflationserwartungen breitmachen, ist ernst zu nehmen", mahnte jedoch Andrew Bosomworth, der für den weltgrößten Rentenfonds Pimco von London aus Fonds managt. Wenn dieser Effekt zu höheren Tarifabschlüssen führe, könnte es schon zu spät sein, dem entgegenzuwirken, warnt er.

Doch die EZB kann nicht die Banken mit Liquidität fluten und gleichzeitig eine Zinserhöhung vorbereiten. Da sind sich die meisten Volkswirte einig. Sie widersprechen damit der Sprachregelung der EZB-Vertreter, die betonen, bei Liquiditätsversorgung und Zinspolitik handele es sich um zwei strikt zu trennende Dinge. "Wenn es nur um einzelne Banken ginge, könnte die EZB diese den nationalen Behörden überlassen", meint Diron. Doch die EZB fürchte eine Systemkrise, wenn sie die Banken zu schnell der billigen und reichlichen Liquidität entwöhnte. "Man kann sich kaum eine Situation vorstellen , in der der Bankensektor noch sehr labil, aber die Konjunktur schon so robust ist, dass nachhaltiger Preisdruck aufkommt", stellt José Alzola vom Beratungsunternehmen The Observatory Group zudem fest.

Marco Annunziata, Chefvolkswirt von General Electric, macht folgende Rechnung auf: "Wenn die EZB den Leitzins auf zwei Prozent anhöbe, aber gleichzeitig unbegrenzt Liquidität bereitstellte, dann müssten die schwächeren Banken zwei Prozent bezahlen, die starken könnten sich am Geldmarkt für nahe null refinanzieren." Die niedrigen Geldmarktzinsen kommen zustande, weil schwache Banken ohne guten Zugang zum Interbankenmarkt sich überschüssige Liquidität bei der EZB besorgen, um jederzeit flüssig zu sein. Mittel, die sie dann doch nicht brauchen, geben sie am Geldmarkt an andere Banken weiter. Banken mit guter Bonität können sich daher günstiger refinanzieren. Denn meist sind die Geldmarktsätze im Interbankenhandel niedriger als der Leitzins.

Als Einziger unter den 15 Schattenräten tritt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, dafür ein, dass die EZB eine Zinserhöhung vorbereitet und diese aus jetziger Sicht in drei bis sechs Monaten vollzieht. Krämer sieht keine unüberwindlichen Probleme, wenn die EZB den Leitzins anhöbe und gleichzeitig den Banken weiter unbegrenzt Liquidität gäbe.

Kommentare (2)

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Ondoron

01.02.2011, 10:24 Uhr

Und wieder ein beweis dafür, dass der Euro als Kunstwährung nicht funktionieren kann. Er richtet nur Schaden an. Was diese Kunstwährung bislang gekostet hat... ein extrem teures Experiment, auf das man besser verzichtet hätte. So werden noch Milliarden in dieses Projekt gesteckt, weil die Politiker immer meinen, "gestalten" zu können, auch wider wirtschaftliche Vernunft und Regeln. Das Ergebnis wird in Deutschland der Staatsbankrott sein. Es wird noch ein bisschen dauern, und dann geht es sehr schnell. Dann werden die letzten Deppen der Euro-Apologeten wach und als erste in der Reihe stehen und mit betroffenheitsmine sagen: Das haben wir nicht gewußt, das konnte niemand voraussehen. Die "anderen" sind schuld. Wer der Staatspropaganda glaubt und sich nicht die Mühe macht, die Einzelmeldungen zu einem stimmigen Mosaik zusammenzulegen, wird verloren sein.

Morchel

01.02.2011, 11:03 Uhr

Nur Kaufmänisch betrachtet ist Deutschland bankrott und das mehrmals nicht nur einmal.
Was mich verwundert ist diese Starre in der bevölkerung zu sehen das man wirklich über den Tisch gezogen wurde und so ganz brav den Weg in den Abgrund weiter geht. Das Erschreckt nun wirklich. Ja was sollten wir den machen ? Ein ansonsten liebeswertes Volk ein schönes Land, das aber bereitet mir sorgen. Müssen den wirklich erst noch die Merkmale sich so verstärken das auch die letzte Hoffnung stirbt um zu begreifen ja es sollte gehandelt werden müssen,wenn schon nicht für euch so doch für eure Kinder. Es gehört mut dazu aber Amerikaner,Russen,andere Nationen haben ihre bürger opfern müssen damit der gedanke von Freiheit in dieses land getragen wurde. ihr selber müsst sie verteidigen, niemand kann euch das abnehmen. Wollt ihr wircklich ein EU - Diktatur ? Die Verfassung der USA wurde mit blut geschrieben und bezahlt das ergebnis ist Freiheit

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