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24.05.2013

06:36 Uhr

Inflationsgefahr

Konsumforscher warnt vor niedrigem EZB-Zins

Niedrige Zinsen sollen das Wachstum ankurbeln. Tatsächlich sitzt bei den deutschen Verbrauchern das Geld derzeit locker. Doch die Geldpolitik der EZB kann gravierende Folgen für die Altersvorsorge, warnen Konsumexperten.

Rolf Bürkl, Konsumexperte des Marktforschungsunternehmens Gfk (Gesellschaft für Konsumforschung). dpa

Rolf Bürkl, Konsumexperte des Marktforschungsunternehmens Gfk (Gesellschaft für Konsumforschung).

NürnbergDie Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist aus Sicht von Konsumforschern für Deutschland nicht ohne Gefahr. „Vor dem Hintergrund der noch relativ robusten Konjunktur, die wir haben, ist das Zinsniveau aus meiner Einschätzung zu niedrig. Es liegt für viele Anlagen noch unter der Inflationsrate“, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. „Das ist auf Dauer keine gute Entwicklung, weil die Sparguthaben einer ständigen Entwertung unterliegen.“

„Kurzfristig, wenn man von der Entwertung der Sparguthaben absieht, gibt es positive Effekte, weil die Investitionen stimuliert werden“, schilderte der Konsumspezialist die Folgen der jüngsten Leitzinssenkung auf das Rekordtief von 0,5 Prozent.

Zudem befeuerten die niedrigen Zinsen die Kauflaune, wodurch der private Konsum zu einer stabilen Säule des deutschen Wirtschaftswachstums werde. „Mittel- und langfristig ist das aber eher negativ zu sehen, gerade mit Blick auf die private Altersvorsorge“, warnte Bürkl. „Da wird Kapital entwertet, das später in den Rentnerhaushalten fehlen wird.“

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Aktuell profitiert der Konsum in Deutschland vom herrschenden Zinsniveau, weil die Sparer ihr Geld lieber ausgeben, als es zu schlechten Konditionen bei der Bank anzulegen. So investieren viele in werthaltige Anschaffungen wie Immobilien, was laut Bürkl wiederum das Geschäft von Handwerkern und beispielsweise Küchenherstellern ankurbelt - und damit das Wirtschaftswachstum stützt.

„Aber das wird sicherlich nicht endlos weitergehen, dass der Konsum davon profitieren kann“, betonte Bürkl. Derzeit jedoch gebe es nur wenige sichere Alternativen. „Dafür müsste man ein höheres Risiko eingehen, doch davor scheuen viele Haushalte zurück.“ Obwohl etwa der Dax gerade eine rasante Rally hingelegt habe, zögerten viele Menschen, mit ihrem Ersparten an der Börse zu spekulieren.

„Da sind sehr viele Privatanleger durch das Platzen der Dotcom-Blase doch stark verunsichert. Und bei anderen Anlagen im Ausland - ich erinnere an Lehman Brothers - haben einige schmerzliche Erfahrungen gemacht und viel Geld verloren.“ Entsprechend bleibe vielen Sparern derzeit nichts weiter übrig, als die niedrigen Zinsen zu schlucken. Einen Trost hat Bürkl für sie: „Es ist nicht zu erwarten, dass das Zinsniveau auch für Anlagen noch weiter nach unten geht, weil die Zinsen schon extrem niedrig sind.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

24.05.2013, 07:47 Uhr

Wenn mehr auf Konsum gesetzt wird, statt auf Vermögensbildung, bleibt auch nichts anderes als die Zinsen niedrig zu lassen, weil es weltweit so ist. Sobald diese woanders rauf gehen, und es einigermaßen sicher erscheint, lenkt sich das wieder um, und wieder nix mit Investitionen.
In anderen Ländern ist die Inflation um einiges höher, da sind auch die Zinsen höher. Also im Westen nichts Neues.
Derjenige der sich langfristig etwas mit den niedrigen Zinsen aufbauen will, der muß auch sicher sein, das diese nicht einen Sprung nach oben machen, sonst ist er gleich pleite. Es muß also, oder gerade deswegen, auch Vermögen aufgebaut werden. Aber das wird gerade in der Masse nicht gefördert. Im Gegenteil, eine Wohnung oder Haus zu bauen oder zu kaufen ist mit den ganzen Auflagen, Steuern etc, so teuer wie nie. Da nützt es auch nicht 200 Millarden mit der Gießkanne als Familienförderung rauszuhauen, das geht zwangsläufig auch alles nur in den Konsum, womit sich die Schere zwischen Vermögen und Nicht-Vermögend immer weiter auftut.
Man sollte also eher ein Institut für Vermögensaufbau installieren, anstatt für Konsumförderung.
Zinsen zahlt man für echte Werte und nicht für durchlaufende Posten.

Hagbard_Celine

24.05.2013, 08:15 Uhr

Noch so einer der gerne positive Realzinsen hätte.

Die hatten wir lange Jahre und zwar oberhalb des Wirtschaftswachstums was dazu geführt hat das daß das Geldvermögen und somit die Schulden schneller wuchsen als die Wirtschaft.

Und nun - oh welch Wunder - erleben wir Instabilität im Finanzsystem ausgelöst durch ein Missverhältniss von Verschuldung zur Wirtschaftsleistung.

Die hohe Verschuldung soll abgebaut werden, da sind sich alle einig. Aber das geht nur mit negativen Realzinsen, eine Alternative gibt es nicht.



Account gelöscht!

26.05.2013, 16:36 Uhr

Ich glaube Sie verwechseln Vermögen aufbauen mit Schulden aufbauen...

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