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10.02.2015

11:48 Uhr

Inflationsrate sinkt

In China wächst die Angst vor einer Deflation

Die Inflation in China fällt überraschend auf ein Fünjahrestief. Die Verbraucherpreise steigen nicht mehr so stark an wie in den vergangenen Jahren. Droht dem Reich der Mitte nun eine Deflation?

In China steigen die Preise so langsam wie seit fünf Jahren nicht mehr. Damit steigt in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Gefahr einer Deflation – einer konjunkturschädlichen Spirale aus fallenden Preisen. Reuters

Lebensmittelgeschäft in Peking.

In China steigen die Preise so langsam wie seit fünf Jahren nicht mehr. Damit steigt in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Gefahr einer Deflation – einer konjunkturschädlichen Spirale aus fallenden Preisen.

PekingIn China steigen die Preise so langsam wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten im Januar durchschnittlich nur noch 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, geht aus den am Dienstag veröffentlichten Daten der Regierung hervor.

Diese strebt eine Teuerungsrate von rund drei Prozent an. Damit steigt auch in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Gefahr einer Deflation – einer konjunkturschädlichen Spirale aus fallenden Preisen. Die Produzenten senkten zu Jahresbeginn sogar ihre Verkaufspreise um überraschend deutliche 4,3 Prozent.

„Die Entwicklung bestätigt, dass sich die Konjunktur im Januar eingetrübt hat“, sagte HSBC-Analystin Julia Wang. „Der verlangsamte Preisanstieg wird die Gewinnmargen der Firmen weiter belasten.“ Das wiederum kann Investitionen und Neueinstellungen dämpfen.

Von der Inflation zur Deflation

Was bedeutet Inflation?

Als Inflation wird die Preissteigerung binnen eines Jahres bezeichnet. Sie liegt in Deutschland im Januar nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bei minus 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen sind. Das liegt unter anderem am dramatisch gefallenen Ölpreis, der sich seit dem Sommer mehr als halbiert hat.

Wann spricht man von einer Deflation?

Hierzu reicht ein Preisrutsch von einem Monat auf den anderen nicht aus. Dazu muss sich die Inflationsrate klar ins Negative umkehren – und das für längere Zeit.

Was passiert bei einer Deflation?

Bei einer Deflation verschieben Verbraucher in der Regel ihre Anschaffungen in der Hoffnung auf niedrigere Preise. Unternehmen verringern ihre Produktion, um sich der sinkenden Nachfrage anzupassen, was Entlassungen und niedrigere Löhne zur Folge haben kann. Das bremst die Nachfrage dann noch mehr und die Preise sinken weiter – es droht ein Teufelskreis aus fallenden Preisen, Löhnen, Ausgaben und Investitionen, aus dem schwierig herauszukommen ist.

Hat eine Deflationsphase zwangsläufig negative Folgen?

Nicht unbedingt. Ob die Verbraucher tatsächlich Einkäufe zurückstellen, muss sich in der jeweiligen Situation zeigen. Denn zunächst sind niedrigere Preise aus ihrer Sicht durchaus positiv. Wenn sie weiter konsumieren, profitiert auch die Wirtschaft. Erst mit sogenannten Zweitrundeneffekten – wenn also auch die Löhne fallen – kann es gefährlich werden.

Wie ist die Lage in Europa?

In der Eurozone sind die Lebenshaltungskosten im Dezember erstmals seit Oktober 2009 zurückgegangen. In Deutschland hatte die Inflationsrate im Dezember noch bei einem kleinen Plus von 0,2 Prozent gelegen. Allerdings hat die Europäische Zentralbank (EZB) als Zielwert eine Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent ausgegeben. Dieser scheint momentan in weiter Ferne.

China leidet bereits unter einem Abschwung am Immobilienmarkt und mangelnder Auslastung der Fabriken. Ein- und Ausfuhren sanken im Januar unerwartet kräftig. Bereits 2014 war das Bruttoinlandsprodukt mit 7,4 Prozent so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, für 2015 werden sogar nur rund sieben Prozent erwartet.

Neben der schwächelnden Nachfrage drücken auch sinkende Rohstoffpreise die Teuerungsrate und die Erzeugerpreise, erklärte das Statistikamt.

„Besonders die Produzentenpreise haben uns geschockt“, sagte Zhu Qibing vom Wertpapierhandelshaus Minzu Securities in Peking. Er rechnet nun damit, dass die Zentralbank einschreiten und im März oder April ihren Leitzins senken wird. Zuletzt hatte sie das im November getan, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen.

Einige Experten halten die Sorgen vor einer Deflation allerdings für übertrieben. Sie verweisen darauf, dass das chinesische Neujahresfest diesmal erst auf den 19. Februar fällt und nicht wie 2014 in den Januar. Vor dem Fest sitzt das Geld bei den Verbrauchern lockerer, was die Preise hochtreibt.

Von

rtr

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