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23.04.2012

10:59 Uhr

Interview

„Europa braucht jetzt eine Wachstumsstrategie“

US-Ökonom Barry Eichengreen sieht Europas Kampf gegen die Krise gescheitert. Der Ex-IWF-Berater kritisiert das Handeln des Währungsfonds in der Schuldenkrise - und fordert Deutschland auf, die Nachfrage zu steigern.

Barry Eichengreen ist einer der besten Europakenner unter den US-Ökonomen - und ein Verfechter des Euros. Standford University Pressefoto

Barry Eichengreen ist einer der besten Europakenner unter den US-Ökonomen - und ein Verfechter des Euros.

Handelsblatt: Herr Eichengreen, der IWF hat neue Mittel für den Kampf gegen die Schuldenkrise bekommen. Trauen Sie ihm zu, sie im Sinne aller Mitglieder einzusetzen?

Barry Eichengreen: Ich mache mir Sorgen über die Rolle des IWF in Europa. Zu Beginn der Krise hat er alles abgesegnet, was die Europäische Kommission, die Zentralbank und die Regierungen wollten. Er hat damals eine Umstrukturierung der Schulden in Griechenland zu leichthin abgetan und damit seinen Ruf beschädigt. Erst in letzter Zeit hat der Fonds mehr Unabhängigkeit von der europäischen Meinung bewiesen.

Wollte die US-Regierung deshalb keine neuen Mittel für den IWF bereitstellen?

Nein. Der Grund dafür ist die tiefe Spaltung in der amerikanischen Politik. Alle Zahlungen an internationale Organisationen, alles was als Hilfe ans Ausland gilt, ist derzeit gegen die Republikanische Partei nicht durchsetzbar. Das ist ein schrecklicher Zustand, weil die USA somit nicht Teil der Lösung der Schuldenkrise sein können. 

Die Europäer scheinen die Krise ja auch allein ganz gut in den Griff zu bekommen.

Das sehe ich anders.

Warum?

Die südeuropäischen Länder rutschen immer tiefer in die Rezession. Ohne Wachstum wird Europa die Probleme nicht lösen können, denn je tiefer die Rezession wird, desto weniger wird die Konsolidierung der Haushalte vorankommen. In Spanien sinken die Immobilienpreise weiter, und das wird neue Löcher in die Bankbilanzen reißen. Damit werden die Banken neues Kapital benötigen, und das kann der Staat nicht mehr bereitstellen. Es ist ein Teufelskreis. Auch in Italien wird die Rezession tiefer, und die politische Unterstützung für Strukturreformen sinkt.

Kommentare (9)

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beo

23.04.2012, 11:14 Uhr

Der Ami hat nichts verstanden. Was exportieren die PIIGS nach Deutschland um von gesteigerter Nachfrage zu profitieren? Nichts. ..Die PIIGS muessen abwerten (EUR Ausstieg) und ihre Industrie neu aufbauen. Den Leuten im Sueden eine rosige Zukunft zu versprechen, ist eine erneute Luege...

Account gelöscht!

23.04.2012, 11:18 Uhr

Ist es wirklich so, daß Geld alle Wunden heilt? Reicht eine Billion $ an zusätzlichen "Heilmitteln"? Oder sind 2 oder 3 Billionen nicht vielleicht besser? Ab wann wird dieses Medikament sich als wertlos erweisen?
Es wird, denn die Akteure an der Wertschöpfung, die, die Höhe des BIP bestimmen, somit für die Staatseinnahmen stehen, können nicht weggespart werden. Gerne kann bei Merkel nachgefragt werden, wie viel Bananen oder Rohstoffe es für wertloses Geld gibt.

An der Bautätigkeit erkennt man prosperierende Wirtschaften; sagt man. Nur wenn dann, um den Eindruck zu wahren, wie in Spanien auf Halde gebaut wird, oder lediglich ein Umzug von Schwedt nach München stattfindet, sitzt man einem tödlichen Irrtum auf. An der mangelhaften Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsgebildes Stadt ändert es nichts. Im Gegenteil: es entstehen neue Kosten. Wenn jemand von Schwedt nach München zieht, steigen seine Lebenshaltungskosten und damit der erforderliche Lohn. In Einzelbetrachtung ist das eine Lappalie, in der Masse allerdings eine Zeitbombe.
Eigentümer von Grund und und Boden ist grundsätzlich der Staat, denn über Bodenschätze verfügt nur er. Zusätzlich hat er die Lufthoheit. Und welche Bodennutzung gestattet ist, vergibt er als Lizenz an den Grundbesitzer. So ist die rechtlich einwandfreie Abgrenzung zwischen Eigentum und Besitz. Mithin trägt der Staat, diese Bundesregierung, Verantwortung und Schuld am derzeitigen Desaster.
Der Staat bleibt aufgefordert, die Funktionsfähigkeit der Städte wiederherzustellen, indem die unterschiedlichen Flächennutzungen –Arbeiten-Versorgen-Wohnen- nicht nebeneinander, sondern übereinander erfolgen.

http://www.bps-niedenstein.de/

Daemlack

23.04.2012, 11:21 Uhr

Eichengreen fordert nichts Anderes als den gesamten deutschen Wohlstand für ein "politisches Projekt". So wird es auch kommen. Und die deutschen Euroapologeten trommeln dazu.
Diese EU soll einfach nur auseinanderfallen. Ein Konstrukt, das wie eine Zecke am deutschen Steuerzahler hängt, ist einfach nur erbärmlich. Noch widerlicher ist allerdings, daß die politische Klasse in Deutschland die deutschen Steuerzahler gnadenlos für ein "politisches Projekt" enteignet, weil sie den unverzeihlichen politischen Fehler begehen, der Vision von den "Vereinigten Staaten von Europa" nachzuhängen - als einzige in Europa wohlgemerkt.
Es soll sich im übrigen niemand im Ausland wundern, wenn die Deutschen dereinst wieder radikal wählen, wenn der phlegmatische Michel durch die Durchhalteparolen kapiert, daß ihm alles genommen wird. Die Zukunft wird spannend - oder geht jämmerlich in der EUSSR auf und dann unter!

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