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02.10.2011

12:37 Uhr

Interview mit Bernd Raffelhüschen

„Konjunkturprogramme sind der Dummheit Anfang“

VonDirk Heilmann

Die USA fordern von Deutschland ein Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft in der Eurozone zu stützen. Im Handelsblatt-Interview tritt der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen dieser Forderung entgegen.

Bernd Raffelhüschen (Leiter des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg). dpa

Bernd Raffelhüschen (Leiter des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg).

DüsseldorfHandelsblatt: Herr Professor Raffelhüschen, Deutschland steht unter internationalem Druck, ein Konjunkturprogramm aufzulegen. Was halten Sie davon?
Bernd Raffelhüschen: Warum um alles in der Welt sollen wir jetzt ein Konjunkturprogramm auflegen, da Deutschland sich im Boom befindet und der Staat die höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten hat? Die Idee der Schuldenbremse ist ja, in guten Zeiten Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen, und genau das sollten wir jetzt tun. Mitten in den Boom hinein ein Konjunkturprogramm zu platzieren, wäre reine Verschwendung.

Aber sollten wir nicht für den Fall vorbereitet sein, dass wir in eine Rezession abzurutschen drohen? Das letzte Konjunkturprogramm hat doch ganz gut funktioniert.

Konjunkturprogramme sind nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern der Dummheit Anfang. Sie bewirken sowieso nie das, was man sich vorstellt. Mit dem letzten Konjunkturprogramm haben wir Schulen saniert, für die uns bald die Schüler ausgehen und die Menschen zum Kauf von Autos verlockt, die sie dafür dieses Jahr nicht kaufen.

Was soll denn aus dem Wachstum in der Euro-Zone werden, falls Deutschland als Konjunkturlokomotive ausfällt?
Die Vorstellung, dass Deutschland die Konjunkturlokomotive für Europa sein könnte, ist falsch. Sollen denn die Länder der Euro-Zone, die jetzt in der Rezession stecken, noch mehr Schulden machen, um deutsche Waren kaufen zu können? Und was sollen die Deutschen in Griechenland oder Portugal kaufen? Das Problem dieser Länder ist doch, dass sie kaum interessante Produkte im Angebot haben. Am ehesten könnten wir da helfen, indem wir noch mehr dorthin in den Urlaub führen. Die Probleme dieser Länder liegen in den langfristigen Strukturen. Griechenland hat keine Produktion und keine funktionierende Verwaltung. Das ist aber seit langem klar. Die Krise ist nur so eskaliert, weil wir in Europa zu viel öffentlich über die Probleme geredet haben, statt sie quasi hinter dem Vorhang zu lösen.

Deutschland sollte also an der Schuldenbremse festhalten?
Die Schuldenbremse war absolut richtig.

Kommentare (14)

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ghune

02.10.2011, 12:59 Uhr

Diese zwei drei Sätze nennen Sie "Interview". Bitte mehr Substanz...

no.7

02.10.2011, 13:16 Uhr

Konjunkturprogramm in den Statsbankrott hinein- oder wie ? Es ist lächerlich, zu glauben, die "Schuldenbremse" werde in Deutschland eingehalten. Wir sind jetzt bei über 80% Verschuldung. Kommen milliardenzahlungen wegen der giechischen Pleite, sind wir ganz schnell bei weit über 100%. trotz bester konjunktur konnte schäuble nicht einmal erreichen, daß der Haushalt ausgeglichen ist, ein blamables Ergebnis. Hauptsache noch mehr Milliarden in die Wirtschaft hineinpumpen. Jetzt aber wird es keinen aufschwung auf Pump mehr geben, das ist aus und vorbei. Ansonsten bekommt das angebliche "Stabilitätswunder" die herabstufung und den Marsch in den bankrott. wir bilden uns was ein hier in unserem Export-Wolkenkuckucksheim. Die Seifenblasen werden bald zerplatzen, die tönernen Füße zerbröseln.

Account gelöscht!

02.10.2011, 13:52 Uhr

Ach so, Herr Raffelhüschen, die Schuldenbremse soll also in jedem Fall eingehalten werden. Damit ließe sich natürlich auch jeglicher Sozial- und Rentenabbau rechtfertigen, ganz zu schweigen von den immensen Unkosten, die noch nicht-privatisierte öffentliche Einrichtungen den Ländern verursachen, nicht wahr?
Wie wär's aber mit staatlichen Infrastrukturprogrammen und einer politisch forcierten Lohnerhöhungsinitiative, um den Binnenmarkt zu stärken?
Nein, nein! Das alles ist ganz und garnicht im Sinne ihres neoliberalen Vereins, der INSM.
Nach innen wird fiskalpolitisch gemauert, während Unsummen nach ganz Europa rausgeblasen werden. Nebenbei werden ja auch ihre gleichgesinnten Führungskader auf EU-Ebene gestärkt, die gerade ganz uneigennützig dabei sind, den ganzen selbstzuverantwortenden Schuldensumpf mit unser aller Schotter zuzukippen. Und wenn dann sämtliches europäisches "Fußvolk" ausgebremst worden ist, wird es endlich soweit sein und Strukturanpassungsprogramme a la IWF werden wohlwollend über ganz Europa verhängt. Eben so, wie man es jetzt gerade mit den entmündigten Griechen tut. Das Problem ist, die Verblendeten lassen das scheinbar recht ungern mit sich machen. Was mag da wohl noch an Zorn und verblendete Gewalt auf sie und uns zukommen, Herr Raffelhüschen.

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