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07.01.2013

19:24 Uhr

Irland

Mit Botox und Kerrygold zurück an die Kapitalmärkte

In diesem Jahr will Irland komplett an die Kapitalmärkte zurückkehren. Doch der Konsum auf der grünen Insel hält sich in Grenzen. Ministerpräsident Kenny ist auf die Exportschlager des Landes angewiesen.

In Irland stellt der US-Hersteller Allergan Botox für ganz Europa her. dpa - picture-alliance

In Irland stellt der US-Hersteller Allergan Botox für ganz Europa her.

DublinIrland will wieder im vollen Umfang an die Kapitalmärkte zurückkehren. Allerdings hängt das Vorhaben von Ministerpräsident Enda Kenny zum Großteil von der Auslandsnachfrage nach Produkten wie Botox und Butter ab. Die Exporte sind der Wachstumsmotor der Grünen Insel und hätten „tiefgreifende Folgen“ für die Fähigkeit, die Schulden abzutragen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) mitteilte.

Der IWF hat seine Wachstumsprognose für die irische Wirtschaft im Dezember um 0,3 Prozentpunkte gesenkt und rechnet nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,1 Prozent im laufenden und 2,2 Prozent im kommenden Jahr.

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Steuerziel übertroffen

Irlands Defizit 2012 geringer

Ab Ende 2013 will sich Irland wieder komplett selbst refinanzieren. Es sieht gut aus.

„Es gibt Wachstumsrisiken, da unsere Handelspartner ihre eigenen Probleme haben“, sagt Fergal O'Leary, Analyst bei Glas Securities in Dublin. „Irland war unter den Staaten der Euro-Peripherie dahingehend einzigartig gewesen, dass die Exporte solide geblieben sind, während die Binnennachfrage schrumpfte.“ Kenny beabsichtigt, dass sich Irland als erstes der Länder Europas, die internationale Hilfen erhielten, wieder vollständig an den Kapitalmärkten refinanziert. Portugal und Griechenland haben in den vergangenen drei Jahren ebenfalls Hilfspakete von IWF und Europäischer Union erhalten.

Ohne die Exporte aus Irland von US-Unternehmen wie Allergan würde das Land Probleme haben, seine Schulden in Grenzen zu halten. Das würde die Rückkehr an die Kapitalmärkte erschweren, mit der Dublin im vergangenen Jahr begonnen hat. Im Juli 2012 hat Irland Anleihen im Umfang von 4,2 Milliarden Euro begeben – es war die erste Bondemission des Landes seit September 2010.

Irlands Reformen

Ausgangslage

Irland war als erstes Land der Euro-Zone in die Finanzkrise geraten und hatte sich nur mit einem internationalen Hilfspaket aus dem Strudel befreien können. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, aber einiges bleibt noch zu tun.

Umgesetzte Maßnahmen

• Senkung der Steuerfreibeträge bei Erbschaften, seit 2009
• Mineralölsteuererhöhungen für Diesel um 5 Cent/Liter, seit 2009 sowie um 4 Cent Benzin und um weitere 2 Cent Diesel, seit 2010
• Übergangsweise Einführung einer Flugverkehrssteuer von 3 Euro pro Fluggast, seit 01.03.2011
• Einführung Kohlenstoffemissionssteuer mit 15 Euro pro Tonne (Dez. 2009) Erhöhung auf 20 Euro ab Mai 2012
• Anpassung der Steuergrenzbeträge, maximalen Einkommensteuersatz von 41% ab 32.800 statt 36.400 Euro
• Senkung Einkommensteuerfreibeträge von 1.830 auf 1.650 Euro, ab 2011
• Anhebung der MwSt. von 21 auf 23%, ab 2012
• Erhöhung Kapitalertragssteuer von 20 auf 30%, ab 2012
• Aufhebung Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungen
• Besteuerung der Boni von Bankangestellten, deren Bank vom irischen Staat gerettet wurde, mit 90%
• Kürzung von Pensionen
• Restrukturierung maroder Banken sogar über Zeitplan (Fusionen, Erneuerung des Managements)
• Senkung der Gehälter im öffentlichen Dienst (5% der ersten 30.000 Euro, 7,5% Teil bis 40.000 Euro und 10% Teil bis 55.000 Euro)
• Erhöhung Tabaksteuer um 25 Cent für 20 Zigaretten, ab 06.12.2011

Geplante Maßnahmen

• Einführung Trinkwasserabgabe i. H. v. etwa 250 bis 400 Euro pro Haushalt, bis 2014
• Staatsdefizit von 2011 bis 2014 um 15 Mrd. Euro senken – 10 Mrd. Euro Ausgabensenkungen/5 Mrd. Euro Einnahmenerhöhungen
• Immobiliensteuer derzeit 100 Euro pro Wohneinheit – geplant Grundsteuer
• Streichung von 6.000 Stellen im öffentlichen Dienst in 2012, Einsparungen von (400 Mio. Euro p.a.)
• Erhöhung des Renteneintrittsalters in 2014 auf 66 Jahre, in 2021 auf 67 Jahre und in 2028 auf 68 Jahr
• Erhöhung der Studiengebühren

Irische Anleihen wiesen im vergangenen Jahr hinter portugiesischen Papieren die zweitbeste Entwicklung im Euroraum auf. Die Rendite der 2020 fälligen Benchmark-Anleihe ist von 14 Prozent im Juli 2011 auf nun etwa 4,22 Prozent gesunken. Die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Irlands mit Hilfe von fünfjährigen Kreditausfallversicherungen (CDS) fielen von 1194 Basispunkten am 19. Juli 2011 auf mittlerweile 205 Basispunkte, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts im Jahr 2008 hat die irische Regierung die Banken des Landes stützen müssen, was die Staatsverschuldung in die Höhe trieb. Die Staatsschulden dürften nach Einschätzung des IWF 2013 mit 122 Prozent des BIP ihren Höhepunkt erreichen. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr der Boomphase des „keltischen Tigers“ 2007 hatte die Verschuldung lediglich 25 Prozent betragen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.01.2013, 17:30 Uhr

Mit Viagra rein und mit Botox raus. Stay classy mit Kerrygold!

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