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13.04.2011

15:47 Uhr

IWF-Bericht

Globale Finanzmärkte von neuen Schocks bedroht

VonMarkus Ziener

Trotz globaler Erholung ist das Weltfinanzsystem laut IWF noch nicht über den Berg. Europäische Banken könnten schon bald einer "Wand von Fälligkeiten" gegenüberstehen. Auch die Landesbanken sieht der Fonds kritisch.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Quelle: dapd

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.

WashingtonMit dem positiven Ausblick für die Weltwirtschaft hat sich auch der Zustand des globalen Finanzsystems stabilisiert. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben dabei nicht nur die besseren makroökonomischen Daten geholfen, sondern auch die flankierenden Maßnahmen durch die Regierungen. Allerdings, so der Fonds in seinem neuesten Finanzstabilitätsbericht (GFSR), bleibt das System auch weiterhin anfällig. Ganz besonders in der Kritik des IWF sind dabei die deutschen Landesbanken.

Gemeinsam mit vielen anderen europäischen Banken sind nach Meinung des IWF die deutschen Landesbanken gefährdet. Sie seien verwundbar, sollte es neue Schocks geben. Diese Banken seien "gefangen in einem Mahlstrom untereinander verknüpfter Belastungen", wie es im GFSR heißt. Während das US-Bankensystem dafür gelobt wird, dass die Rekapitalisierung Früchte trage, sieht der Fonds Europa hier als Nachzügler. Die Banken in Kontinentaleuropa seien noch immer hochgradig von staatlichen oder halbstaatlichen Kapitalzufuhren ("wholesale funding") abhängig. In Ländern wie Großbritannien oder Japan sei die Situation hingegen besser.

Kritisch merkt der IWF zudem an, dass sich eine Reihe europäischer Banken zu einem Großteil über die Aufnahme von ausländischen Währungen finanziere. Hier sieht der Fonds das Risiko, dass Broker ihre Geldpositionen schnell wieder auflösen oder verschieben könnten - und die Banken dadurch Risiken eingingen. In dem IWF-Report heißt es dazu wörtlich, dass diese europäischen Banken einer "Wand von Fälligkeiten" gegenüberstünden. Nach Einschätzung der Fonds-Experten werden in den nächsten zwei Jahren rund 3,6 Bill. Dollar an Verbindlichkeiten fällig.

Die Refinanzierung vieler Banken werde daurch zu einem drängenden Problem, wobei der IWF hier die irischen und deutschen Banken an erster Stelle nennt. Diese hätten 40 bis 50 Prozent aller Fälligkeiten zu schultern. Da eine beträchtliche Zahl europäischer Banken - darunter die spanischen Sparkassen und ebenfalls wieder die deutschen Landesbanken - den Zugang zu den kostengünstigen Kapitalmärkten verloren hätten, müssten sich diese nun unter anderem über die EZB finanzieren. Immerhin konstatiert der IWF aber, dass die Verantwortlichen u.a. in Deutschland, Irland und Spanien die Gefahren erkannt hätten und spürbare Anstrengungen unternähmen, die strukturellen Schwächen auf ihren Kapitalmärkten zu bekämpfen.

Grundsätzlich, so die GFSR-Verfasser, hätte die Verwundbarkeit des Finanzystems in den Industrieländern vor allem mit der weiterhin hohen Verschuldung der Haushalte zu tun. Der IWF rät diesen Ländern dazu, stärker auf Strukturreformen zu achten und darauf, das System "zu säubern". Gemeint ist damit eine größere Marktdisziplin, ein geringerer Grad an Fremdfinanzierung und eine Rückführung staatlicher Bürgschaften.

In den Schwellenländern sehen die Herausforderungen indes anders aus. Dort müssen die Verantwortlichen Lösungen für den Umgang mit der wachsenden Binnennachfrage finden, den steigenden Ausleihungen bei Banken und den großen Kapitalzuflüssen von außen. Hinzu kommen die geopolitischen Risiken in Zusammenhang mit einem steigenden Ölpreis und politischen Unruhen im Mittleren Osten und Nordafrika. Was im Weltwirtschaftsausblick (WEO), der Anfang der Woche veröffentlicht wurde, als Überhitzung bezeichnet wurde, birgt nach Meinung der Autoren des GFSR die Gefahr von Blasenbildungen und Inflationstendenzen. In den kommenden Monaten werde daher die Hauptaufgabe darin bestehen, Banken und Finanzinstitute zu stärken, damit diese die Kapitalzuflüsse besser absorbieren können.

Kommentare (7)

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Scheindemokratie

13.04.2011, 16:26 Uhr

Man muss zugeben, dass die Zeiten ihresgleichen suchen -das FIAT-Geld-System implodiert eben -unter dem Staunen aller sogenannter "Experten", die immer noch nicht begreifen, dass Geld nur abstraktes Gut ist und es keine gute Idee bzw. letztlich Betrug ist, wesentlich mehr Geld als Güter zu produzieren. Naja wahrscheinlich war das der einzige Weg, den Kapitalismus und die Grenzen, die er den Produktivkräften auferlegt, wenigstens für eine zeitlang zu überwinden. Zu allem Übel kommt aber auch noch das Scheitern der neoliberalen Globalisierung, die den Banken und Großunternehmen einen rechtsfreien Raum beschert hat, den sie weidlich ausgebeutet haben und nun verbrannte Erde zurück lassen.

Nichtsdestotrotz sucht dieser Betrug am eigenen Volk, den sich diese "Regierung" leistet seinesgleichen. 50 Jahre erfolgreiche Währungsstabilitätskultur, werden in Monaten das Klo hinunter gespült! Wenn der weniger intellektuell veranlagte Bürger merkt, wie Schäuble und Merkel ihm das Fell über die Ohren ziehen und das ganze Vermögen der Deutschen für sinnlose "Rettungs"- und Vertuschungsmaßnahmen sowie Insolvenzverschleppungen im Ausland verscherbeln, bleibt zu wünschen, dass sich ein ordentliches Gericht ihrer annimmt.

Hoffentlich waren sie wenigstens so clever, das Geheimprojekt "Phönix" zu initiieren (Druck neuer DM Banknoten), um Ostern, Weihnachten oder spätestens im Schatten der kollabierenden US-Bundesstaaten auf DM-Neu umstellen zu können. Selbst die Franzosen sollten langsam begreifen, dass Deutschland ja gerne am Euro festhalten möchte aber Selbstaufgabe doch ein bisschen viel verlangt ist.

aruba

13.04.2011, 16:36 Uhr

Guten Tag,.... Diesem korrupten " Sozialisten " und Praesidenten-Anwaerter auf den Elysée glaube ich nicht eimal seinen Namen. Und dafuer habe Ich gute Gruende. Besten Dank

Luzifer

13.04.2011, 16:58 Uhr

Ich habe den Eindruck, Solidarität erfährt gerade eine neue Definition: Alle leben über ihre Verhältnisse - und Deutschland zahlt !

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