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24.08.2013

00:46 Uhr

IWF-Chefin Lagarde

Krisenländer sind weiter auf Zentralbanken angewiesen

Die Zentralbanken in Europa, den USA und Japan müssen sich nach Einschätzung des IWF nicht beim Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beeilen. Lagarde sieht eine Gefahr im Alleingang wirtschaftlich schwacher Länder.

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht beim Ausstieg der Zentralbanken aus der ultralockeren Geldpolitik keine Eile. ap

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht beim Ausstieg der Zentralbanken aus der ultralockeren Geldpolitik keine Eile.

Jackson HoleZentralbanken müssen nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds auch in der nächsten Zukunft wirtschaftlich angeschlagenen Ländern mit niedrigen Zinssätzen helfen. Das sagte die IWF-Direktorin Christine Lagarde am Freitag beim zweitägigen Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole. Eine stimulierende Politik sei insbesondere in den Schlüsselregionen Europa und Japan erforderlich. Sie sehe keine Eile beim Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Jedoch sollten die Notenbanken zusammenarbeiten, um schädliche Auswirkungen beim Zurückfahren der Geldflut zu minimieren, sagte Lagarde bei der Wirtschaftskonferenz. "Die Koordinierung ist noch nicht da, wo sie sein sollte. Sollte jedes Land für sich alleine agieren und damit eine Zusammenarbeit auf globaler Ebene scheitern, könnte das die weltweite Erholung in Gefahr bringen", warnte sie.

Zentralbanken müssten vorsichtige Strategien für ihre Bemühungen entwickeln, die Leitzinsen niedrig zu halten, sagte Lagarde weiter. Jede Abkehr von dieser Linie müsse auf Grundlage der Stärke der jeweiligen Wirtschaft erfolgen. „Unkonventionelle Geldpolitik ist noch immer da notwendig, wo sie angewendet wird, wenn auch länger für einige als andere“, erklärte Lagarde.

Die Finanzausstattung des IWF

Wie finanziert sich der IWF?

Wichtigste Quelle sind die Kapitalanteile (Quoten) der 188 IWF-Staaten. Die machen etwa 366 Milliarden Dollar aus. Schon vor drei Jahren - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - beschlossen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), den IWF aufzuwerten und seine Mittel anzuheben. Die Kasse für Notkredite, also frei verfügbare Finanzmittel, sollte mittelfristig auf 750 Milliarden Dollar verdreifacht werden. Zudem wurde beschlossen, „Sonderziehungsrechte“ - eine Art Kunst-Reservewährung des IWF - um 250 Milliarden Dollar aufzustocken, um Liquiditätsengpässen von Ländern entgegenzuwirken. Bisher sind gut 550 Milliarden Dollar zusammengekommen durch bilaterale Kreditlinien von 38 Mitgliedern.

Warum braucht der IWF mehr Geld?

Der Weltwährungsfonds will mehr „Feuerkraft“ für den Fall, dass sich die europäische Schuldenmisere auf andere Länder ausbreitet. Der IWF hat zwar derzeit rund 380 Milliarden Dollar für neue Kredite in der Kriegskasse, doch das sei zu knapp für globale Notfälle, meint IWF-Chefin Christine Lagarde. „Der Fonds muss in der Lage sein, die Bedürfnisse aller zu erfüllen, die von der Krise betroffen sind.“ Schließlich sei die Weltwirtschaft „fragil“.

Um wieviel Geld geht es?

Im Januar wollte Lagarde bis zu 600 Milliarden Dollar zusätzlich, um andere Länder weltweit effektiv vor einer Ansteckung schützen zu können. Inzwischen spricht sie „nur“ noch von gut 400 Milliarden Dollar, weil mittlerweile einige Schreckensszenarien gebannt worden seien. Damit würde sich die Vergabekapazität für neue Kredite auf mehr als 750 Milliarden Dollar verdoppeln und die gesamte Feuerkraft auf mehr als eine Billion Dollar steigen.

Wieviel Geld wurde bereits zugesagt?

Bis Beginn der Frühjahrstagung am Freitag erhielt der IWF nach eigener Zählung rund 320 Milliarden Dollar an Zusagen. Aus Europa sollen insgesamt bis zu 200 Milliarden Euro kommen. Schon sicher sind 150 Milliarden der Euro-Länder. Davon kämen bis zu 41,5 Milliarden über die Bundesbank aus Deutschland.

An welche Bedingungen sind die Gelder aus Deutschland geknüpft?

Die Bundesbank möchte dafü - in diesem speziellen Fall - die Zustimmung des Bundestages. Hintergrund sind die damit verbundenen Risiken für die Steuerzahler. Wird die Mittelaufstockung beschlossen, soll zeitnah der Haushaltsausschuss informiert und Rückendeckung des Parlaments eingeholt werden. Eine Abstimmung des Bundestages lehnen Union und FDP ab, da die Bundesbank unabhängig sei. Die Notenbanker erwarten ferner, dass auch Nicht-Euro-Länder signifikant mitziehen.

Warum wollen einige Länder keine Kreditzusagen geben?

Ausgerechnet die USA als der mit Abstand größte Anteilseigner stellen sich quer. Der IWF verfüge bereits über „sehr angemessene Kernressourcen“, meint das US-Finanzministerium. Vor den Wahlen im November sieht die amerikanische Regierung ohnehin keinen Weg, mehr Geld für den Rest der Welt locker zu machen. Hinzu kommt, dass aufstrebende Topmächte wie Brasilien mit weiteren Mitteln für den IWF auch ihren Einfluss bei der globalen Finanzfeuerwehr erhöhen wollen. Die Quotenreform, die die Verhältnisse zwischen alten und neuen Mächten neu regeln soll, scheint sich aber zu verzögern.

Was verbirgt sich hinter der „Quotenreform“?

Mit der 2010 beschlossenen Neuordnung, die bis Oktober umgesetzt sein soll, erhalten Länder wie China, Brasilien oder Indien mehr Einfluss, Industrieländer geben dagegen Macht ab. China - zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hinter den USA und vor Japan - verdrängt Deutschland von Platz drei der Anteilseigner. Grundsätzlich soll sich in der Neuverteilung der Stimmrechte und Anteile der 188 IWF-Mitgliedstaaten das gewachsene Gewicht der boomenden Schwellenländer auch beim Währungsfonds widerspiegeln.

Wie sähe eine Neuordnung der Quoten aus?

Die Anteilsquoten bestimmen das Stimmgewicht einzelner Länder und ihren Kapitalbeitrag. Die USA kämen mit der Quotenreform auf einen Stimmanteil von 16,5 Prozent, Deutschland von 5,3 und China von 6,07. Insgesamt sollen die Anteilsquoten bis 2012 verdoppelt werden. Bis Anfang 2013 soll zudem eine neue Quotenformel gefunden werden, um Entwicklungs- und Schwellenländern noch mehr Einfluss zu geben. Im Exekutivdirektorium, dem Top-Beschlussorgan, geben zwei europäische Staaten ihren Sitz zugunsten aufstrebender Mächte ab.

Ihre Äußerungen kamen in einer Zeit, in der die amerikanische Notenbank Fed signalisiert hat, dass sie ihren Kauf von US-Staatsanleihen zurückfahren könnte, sollte sich die US-Wirtschaft weiter erholen. Die Fed-Käufe haben dazu beigetragen, die US-Zinsen nahe Rekordtiefständen zu halten.

Die US-Notenbank Fed kann sich weiter nicht zu einem klaren Signal für ein baldiges Eindämmen der großen Geldschwemme durchringen. Aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der Zinssitzung von Ende Juli ging kein Zeitplan für den Einstieg in den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes hervor. Der zwölfköpfige Offenmarktausschuss (FOMC) um Fed-Chef Ben Bernanke zeigte sich uneins, wann die Konjunkturhilfen zurückgefahren werden sollen.

Kommentare (13)

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manthra

24.08.2013, 01:42 Uhr

" Der zwölfköpfige Offenmarktausschuss (FOMC) um Fed-Chef Ben Bernanke zeigte sich uneins, wann die Konjunkturhilfen zurückgefahren werden sollen" - Diese Kasperl sind alle ÜBERfordert, ÜBERzahlt und gehören aus ihren Anzügen heraus in eine Garnitur von Mc-Donalds, um dort Burger und Co auszuliefern/zu verkaufen. Aber kein Volk stürmt die Residenzen, alle lassen sich verarmen.

Account gelöscht!

24.08.2013, 05:57 Uhr

Klar die franz.Banken habensich ja mit Anleihen aus den Krisenländern vollgesogen.Jede Leitzinsanhebung wäre da tödlich.

Account gelöscht!

24.08.2013, 08:43 Uhr


Eine gesunde Staatenwirtschaft misst sich an der Sicherung und Schaffung gesunder, gerechtgezahlter Arbeitsplätze . Die Produktion millardenchwerer Finanzpapiere ist ganz sicher nicht der Ausweg aus dieser nun festgefahrenen Shitstorm-Krise. Eher das grosse Verderben.

Da hat sich die "Jewish-US-Finanz-Community" um Bernanke/Geithner und Co. fürchterlich verfranzt. Am Ende wird, muss einer die Rechnung begleichen.

Mit grosser Gewissheit schreit der deutsche Michel dreimal Hurra.... bevor er den Reichstag mit seiner neuen 1848er Deutschlandfahne erstürmt..
Merkel GmbH mit fliegenden Rotroecken den Hinterausgang nehmen.

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