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19.04.2012

13:28 Uhr

IWF-Kapitalmarktchef

„Ein starkes Deutschland ist im Interesse der Euro-Zone“

VonMarkus Ziener

Die Weltkonjunktur läuft besser, doch der Internationale Währungsfonds sorgt sich, dass der Reformeifer nachlassen könnte. José Viñals, Chef der Kapitalmarktabteilung, bemängelt fehlende Strategien in den USA und Japan.

Jose Vinals (l) leitet die Geld- und Kapitalmarktabteilung beim Internationalen Währungsfonds. Reuters

Jose Vinals (l) leitet die Geld- und Kapitalmarktabteilung beim Internationalen Währungsfonds.

Handelsblatt: Im Januar sagten Sie, die Weltwirtschaft befinde sich in einer Gefahrenzone. Gilt das auch noch ein Vierteljahr später?

Jose Vinals: Leider ja, wir bewegen uns noch immer in einer Gefahrenzone. Allerdings: Zum Jahreswechsel befanden wir uns in einer Situation, die leicht zu einer weiteren Vertiefung der Finanzkrise hätte führen können. Zum Glück aber sind seitdem wichtige Maßnahmen sowohl in der Eurozone wie auf Ebene der Nationalstaaten ergriffen worden. National durch die Griechenland-Vereinbarungen und durch die Regierungswechsel in Italien und Spanien – die auch politische Neuausrichtungen mit sich brachten. In Irland und Portugal sehen wir zudem deutliche Fortschritten bei der Umsetzung der Reformen. Auf europäischer Ebene stehen ganz klar das entschlossene Handeln der Europäischen Zentralbank, der Fiskalpakt und die Verstärkung der Firewall, die monetäre Brandmauer, im Vordergrund.

Und jetzt kommt das Aber...

Ja, denn eine wirklich dauerhafte Finanzstabilität ist noch nicht gesichert, das ganze Gerüst ist noch immer sehr zerbrechlich. Das lässt sich alleine schon an der Volatilität der Finanzmärkte ablesen. Außerdem gibt es noch immer Märkte, die noch immer nicht offen sind, oder aber noch weit weg sind von einer Balance. Nicht zu vergessen: Die Situation vieler Banken ist weiterhin zerbrechlich. Diese Institute hätten erhebliche Probleme, wenn sie nicht von der EZB finanziert würden.

Und wie sieht es außerhalb der Eurozone aus?

In Japan und den USA gibt es noch immer enorme fiskale Herausforderungen, auf die man noch keine Antworten gefunden hat. In Europa hat man ernsthaft damit begonnen, diese Herausforderungen anzunehmen. In den USA und Japan warten wir noch darauf.

Was genau meinen Sie damit?

Europa hat den Fiskalpakt. Und es gibt nationale fiskale Anpassungsstrategien, mit denen auch mittel- und langfristige Lösungen für das Defizit gesucht werden. Das ist sehr wichtig. In den USA aber warten wir noch immer auf eine parteiübergreifende Vereinbarung, die einen Weg zur Defizitreduzierung aufzeigt. In Japan liegen zwar ein paar Vorschläge auf dem Tisch, aber noch keine klar definierte Strategie. Hier liegen die Länder noch zurück. Sie vertrauen auf die Tatsache, dass es eine große Nachfrage nach ihren Staatsanleihen gibt. Da jedoch die US-Schatzanleihen einer der Eckpfeiler des Finanzsystems sind, kommt es darauf an, dass das Vertrauen in die US-Bonds erhalten bleibt. Die Atempause, die wir derzeit erleben, muss deshalb zum Abbau des Defizitproblems genutzt werden.

Mit einer solchen Aussage bewegt sich der Fonds aber auf einem schmalen Grat: Einerseits plädiert der IWF offen für keynesianische Nachfragepolitik, andererseits fordert er Sparmaßnahmen.

Wir sagen nur: Die Regierungen müssen an die Märkte klare Signale darüber aussenden, wo sie hinwollen und dass sie diesen Weg mit Überzeugung gehen. Wenn sie das tun, dann könnte der Weg leichter sein. Wenn die Märkte indes im dunkeln gelassen werden - wie das bei Japan und den USA der Fall ist – und es keinen mittel- und langfristigen Plan gibt, dann ist das die gefährlichste Sache, die sie tun können. Keine mittelfristige Strategie zu haben ist sehr riskant. Nach allem, was wir hinter uns haben, können wir uns einen weiteren Unfall auf einem der großen Schuldenmärkte außerhalb der EU nicht erlauben. 

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.04.2012, 13:41 Uhr

Es sollte heissen "Freibier für alle, der Dümmste zahlt die Rechnung!".

Profit

19.04.2012, 13:53 Uhr

Das Ziel muß die Desintegration Europas sein. Dazu gehört auch die Abschaffung des Euros. Mit dem Euro ist ein Klumpenrisiko entstanden, das alle Mitglieder in den Abgrund reißen wird. Bei der Risikobewältigung jedweder Art separiert man Risiken. Das ist bei der Feuerwehr so und sollte auch bei der Finanzkrise so sein. Das Euro-Risiko ist ab einem bestimmten Zeitpunkt von niemandem mehr beherrschbar. Das größte Risiko lautet dabei: Die Politik will die Fehler von Maastricht nicht einsehen und läuft Träumen weiter hinterher bis zum Desaster. Der große Schnitt muß her: Der Euro muß aufgelöst werden. Als deutscher Bürger sage ich: Ich empfinde mich nicht als Europäer und fühle keine Solidarität z.B. mit Griechenland. Folglich habe ich auch keine Lust für diesen Euro-Quatsch Steuererhöhungen (Solidaritätszuschlag II) zu akzeptieren, damit Ausbeutungsmechanismen anderer europäischer Staaten unterstützt werden können. Der Euro und die EU zerstören im Übrigen die Deutsche Demokratie. Schwarz-Rot-Gold ist so aktuell wie nie!

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