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19.01.2016

11:57 Uhr

IWF mit neuer Prognose

China und die anderen Krisen – Globales Wachstum fällt zurück

Die Weltwirtschaft lahmt. In den Schwellenländern läuft es nicht rund. In der größten Volkswirtschaft drückt der starke Dollar, die zweitgrößte steckt im Umbruch. Doch laut IWF es gibt auch einen Musterschüler.

... für die Weltwirtschaft. Während die USA und Deutschland boomen, flacht das Wachstum in den Schwellenländern merklich ab. dpa

Licht und Schatten

... für die Weltwirtschaft. Während die USA und Deutschland boomen, flacht das Wachstum in den Schwellenländern merklich ab.

LondonDie Weltwirtschaft verliert nach der neuen Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds weiter an Schwung. „Die Wachstumserwartungen scheinen stetig zu sinken“, sagte der Chefökonom des IWF, Maury Obstfeld.

Die Schwellen- und Entwicklungsländer, bisher Motor der Weltkonjunktur, lahmen, der niedrige Ölpreis und das Ende der Politik des ultrabilligen Geldes bei der US-Zentralbank Federal Reserve seien zusätzliche Risiken. „Die USA stehen vor Herausforderungen durch die Stärke des Dollar“, sagte Obstfeld. „Das hat einen Effekt auf die Handelsbilanz.“

Sollten die großen Herausforderungen nicht erfolgreich bewältigt werden, „könnte das globale Wachstum entgleisen", warnte der Fonds am Dienstag. Er verwies auf den schwierigen Umbau der chinesischen Wirtschaft, den Ausstieg der USA aus der ultra-lockeren Geldpolitik, den Ölpreis-Verfall und die konjunkturelle Schwäche der Schwellenländer, die es zu bewältigen gelte. Seine Prognosen nahm der IWF auf breiter Front zurück – allerdings nicht für Deutschland.

Wie reagiert der IWF auf einen Zahlungsverzug?

Zahlungsverzug tritt sofort ein

Zahlungsaufforderung durch Stab des Internationalen Währungsfonds (IWF); betreffender Staat hat keinen Zugriff mehr auf IWF-Mittel.

Quelle: IMF Financial Operations 2014, S. 139

Zwei Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Leitung kontaktiert zuständigen IWF-Gouverneur, drängt auf sofortige Zahlung.

Ein Monat nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor setzt Exekutivausschuss von Zahlungsverzug in Kenntnis.

Sechs Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor benachrichtigt betreffenden Staat, dass ohne sofortige Zahlung eine Beschwerde beim Exekutivausschuss eingereicht wird.

Zwei Monate nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor leitet Beschwerde an Exekutivausschuss.

Drei Monate nach Zahlungsverzug

Beschwerde wird im Exekutivausschuss behandelt; Zugriff des betreffenden Staates auf allgemeine Mittel des IWF wird beschränkt. Bei Verzug von Verpflichtungen bezgl. Sonderziehungsrechten (SZR) wird Recht auf Nutzung von SZR ausgesetzt.

Im Jahr 2015 sei die Weltwirtschaft nur um 3,1 Prozent gewachsen, heißt es in dem am Dienstag in London vorgelegten Bericht. Für das laufende Jahr sieht der IWF ein Wachstum von 3,4 Prozent. 2017 könnte es um 3,6 Prozent nach oben gehen, unter anderem, weil es bis dahin in den stotternden Volkswirtschaften der großen Schwellenländer Russland und Brasilien wieder etwas besser laufen könnte. Der IWF hat damit seine Prognose vom Herbst um 0,2 Punkte nach unten korrigiert.

Die Euro-Länder sind aus IWF-Sicht aber nicht mehr die Sorgenkinder. Hier wird mit Zuwächsen von jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017 gerechnet. Das gleiche Tempo wird Deutschland vorausgesagt. Hier hat der IWF seine Prognosen für dieses Jahr um 0,1 Punkte und für nächstes Jahr sogar um 0,2 Punkte aufgestockt. Dies liegt etwas unterhalb anderer europäischer Länder wie Spanien und Großbritannien. Insgesamt werde das Wachstum in Europa derzeit eher vom Konsum getragen, die niedrige Inflation drücke auf die Preise bei den Exporteuren, was vor allem Deutschland belastet.

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Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos hat zugesagt, weiter mit dem IWF beim Hilfsprogramm zusammenzuarbeiten. Im Interview spricht er zudem über Schuldenerleichterungen, mehr Reformtempo und das Verhältnis zu Deutschland.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warnte davor, das aktuelle Wachstum in Deutschland für die Zukunft als gesichert anzusehen. Raten von 1,7 oder 1,8 Prozent seien zwar ganz ordentlich, aber auch nicht übermäßig hoch, sagte der SPD-Chef am Dienstag in Berlin. „Trotzdem muss man, glaube ich, ein bisschen vorsichtig sein." Die konjunkturelle Abkühlung in China und die Probleme in Lateinamerika würden auf Dauer nicht an Deutschland vorbeigehen.

Eine der großen Gefahren sei, „dass wir uns sicher fühlen, dass diese wirtschaftliche Entwicklung immer so weitergeht“. Nötig sei, dass sich die deutsche Wirtschaft modernisiere. Dem stünden allerdings die derzeit viel zu niedrigen Investitionen gegenüber. Das müsse anders werden. So müsse Deutschland sich das Ziel setzen, Anfang der 2020er-Jahre die beste digitale Infrastruktur in der Welt zu haben, um seine wirtschaftliche Position abzusichern.

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