Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2013

12:19 Uhr

IWH-Präsidentin Claudia Buch

„Europa drohen japanische Verhältnisse“

VonHans Christian Müller-Dröge, Jens Münchrath

ExklusivDie Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Claudia Buch, fordert mehr Verflechtungen von Unternehmen, um die Wirtschaft in Europa zu stabilisieren. Mehr gemeinsame Finanzpolitik sei keine Lösung.

IWH-Präsidentin Claudia Buch: mehr privatwirtschaftliche Verflechtungen und nicht mehr gemeinsame Finanzpolitik. dpa

IWH-Präsidentin Claudia Buch: mehr privatwirtschaftliche Verflechtungen und nicht mehr gemeinsame Finanzpolitik.

DüsseldorfDie neue Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Claudia Buch, hat sich im Handelsblatt-Interview gegen eine weitere Verlagerung der Finanzpolitik auf die europäische Ebene ausgesprochen. Um die Wirtschaft im Währungsraum stabiler zu machen und konjunkturelle Risiken besser auszugleichen, brauche Europa mehr privatwirtschaftliche Verflechtungen und nicht mehr gemeinsame Finanzpolitik, sagte die Finanzmarktexpertin, die heute mit einem Festakt in ihr neues Amt eingeführt wird.

„Wenn die Unternehmen über die Grenzen hinweg miteinander verflochten sind, werden Konjunkturschocks – die einzelne Staaten treffen, andere aber nicht – besser abgefedert“, so die Wirtschaftsweise. Um das zu fördern, solle es die Politik ausländischen Firmen leichter machen, an der Börse gelistet zu werden. Gleichzeitig rief Buch die Regierungen dazu auf, Übernahmen heimischer Firmen durch Ausländer nicht mehr zu behindern und die eigenen Dienstleistungsmärkte weiter zu öffnen.

Buch warnte davor, dass Europa wegen der vielen faulen Kredite in den Büchern der Banken japanische Verhältnisse drohen könnten. Es bestehe die Gefahr einer Spirale, bei der notleidende Banken notleidende Unternehmen mit immer neuen Krediten am Leben hielten – „in der Hoffnung, dass aus den faulen am Ende wieder gute Kredite werden“, so die 47-Jährige. Um das zu verhindern, müssten wahrscheinlich noch einige europäische Banken von den Regierungen mit neuem Eigenkapital ausgestattet werden.

Außerdem brauche Europa klare Regeln für die Abwicklung von Banken. Mit den jüngst von der EU erdachten Vorgaben, wann und bis zu welchem Betrag die Anteilseigner, Fremdkapitalgeber und Großanleger im Falle einer Bankeninsolvenz haften müssen, zeigte sich Buch grundsätzlich zufrieden. „Entscheidend ist, dass das Risiko künftig wieder kalkulierbar ist.“ Allerdings kritisierte Buch, dass die Regeln erst ab 2018 gelten sollen. „Es hätte schneller gehen müssen.“

Um den Bankenmarkt langfristig zu stabilisieren, fordert Buch, dass die Institute ihre Geschäfte künftig mit mindestens fünf Prozent Eigenkapital unterlegen müssten. Die Ideen des Reformpakets Basel III hält sie daher nicht für ausreichend. Auch zugrundeliegende Konzept, die Eigenkapitalquote in Abhängigkeit vom eigegangen Risiko zu berechnen, lehnte Buch ab: „Wir sollten vor allem Maße wie die Leverage Ratio nutzen, die das Eigenkapital der Bank schlichtweg in Bezug zum gesamten Geschäftsvolumen setzen.“

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

cannerrara

04.07.2013, 12:38 Uhr

Die europäische Träumerei wird sich automatisch erledigen. Der Einheitseuro erwürgt viele Mitgliedsländer. So lange das nicht geändert wird und die Bürger nicht mitbestimmen dürfen, ist der Untergang sicher. Kunstgebilde haben niemals Bestand. Da interessiert die Meinung von Frau Buch niemanden. Blödsinn. 1000 Schreiberlinge verändern nicht die miese Situation in Europa.

Der_ewige_Spekulant

04.07.2013, 12:40 Uhr

"Es bestehe die Gefahr einer Spirale, bei der notleidende Banken notleidende Unternehmen mit immer neuen Krediten am Leben hielten – „in der Hoffnung, dass aus den faulen am Ende wieder gute Kredite werden“, so die 47-Jährige. Um das zu verhindern, müssten wahrscheinlich noch einige europäische Banken von den Regierungen mit neuem Eigenkapital ausgestattet werden."

Das ist der aktuellste Stand der Forschung über (Wirtschafts-)Schocks bei Unternehmen.

Der Rest typischer Bankenlobbyismus.

Diese Frau sieht nicht intelligent aus. Was sie sagt ist nicht intelligent. Und das nochmal zu unterstreichen, was ihr Banken mit auf dem Weg gegeben haben - das ist dumm.

Wenn die Lobby der Banken nicht endlich geschwächt oder gebrochen wird, dann wird das Japan-Szenario in der EU tatsächlich eintreten.

Und außerdem. Wieso sollte eine Bank für Geschäfte mit wenig Risiko (z.B. Immobilien-Finanzierung) genauso viel Kapital hinterlegen, wie für halsbrecherische Geschäfte wie Eigenhandel ?!

Wenn man Derivaten handelt, dann muss man damit rechnen, dass ein Teil des eingesetzten Kapital futsch sein wird.
Bei Immobilien liegt da die Wahrscheinlich in einem prozentualen Bereich, wo die Null vor dem Komma steht.

Account gelöscht!

04.07.2013, 12:47 Uhr

Die Dame ist ein Vollprofi.

Wer hat Deutschland jemals vorgeworfen, Übernahmen im Land zu behindern?

Wie soll eine derartige weitergehende Verpflechtung von Unternehmen untereinander aussehen? Die sind doch in der EU schon alle aufs maximale wirtschaftlich verpflochten - ohne Staatseingriffe.

Keine neuen Ideen, etwas Gelaber und zack da ist sie, die neue Quotenfrau an der Spitze von irgendwo.

Die setzt keine Impulse aber Profilierungsneurosen, jede Wette.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×