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26.01.2007

10:17 Uhr

Jahreswirtschaftsbericht

Günstiger Arbeitsmarkt stützt Konsum

VonDorit Hess und Donata Riedel

Der private Verbrauch wird 2007 trotz der Mehrwertsteuererhöhung einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum liefern. Die gute Arbeitsmarktentwicklung bildet nach dem Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung die Basis dafür, dass die verfügbaren Einkommen steigen werden.

DÜSSELDORF / BERLIN. Die Bundesregierung erwartet, dass die privaten Konsumausgaben um 0,3 Prozent zulegen. Ursache seien steigende Löhne und Gehälter sowie der Rückgang der Arbeitslosigkeit, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht, der als abgestimmter Regierungsentwurf dem Handelsblatt vorliegt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wird ihn am Mittwoch vorstellen.

Der 136-seitige Bericht „Den Aufschwung für Reformen nutzen“ enthält neben einem ausführlichen Bericht über die Wirtschafts- und Finanzpolitik die Wachstumsprognose der Regierung. Danach wird das Wachstum in diesem Jahr 1,7 Prozent betragen nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Die Zahl der Erwerbstätigen soll um 300 000 auf 39,3 Millionen steigen und die Zahl der Arbeitslosen um 480 000 auf vier Millionen sinken. Nach dem Standard der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gemessen, wird die Arbeitslosenzahl sogar auf 3,1 Millionen Menschen sinken: Das entspricht einer Erwerbslosenquote von 7,3 Prozent.

Die gute Arbeitsmarktentwicklung bildet nach dem Bericht die Basis dafür, dass die verfügbaren Einkommen steigen werden. Die Effektivlöhne je Arbeitnehmer sollen um 1,2 Prozent steigen, außerdem liegen die Sozialbeiträge etwas niedriger als 2006. Insgesamt rechnet die Regierung damit, dass Nettolöhne und Gehälter je Beschäftigten um zwei Prozent zunehmen. Neben der Mehrwertsteuererhöhung belasten allerdings die gestiegenen Energiekosten, die sich in Nachzahlungen für die Wohnnebenkosten niederschlagen werden, die privaten Haushalte. Unterm Strich erwartet die Regierung aber, dass vom Konsum wieder ein leicht positiver Impuls für die Konjunktur ausgeht, wenn auch ein geringerer als 2006.

Stärker als vom Konsum wird das Wachstum in diesem Jahr aber vom Export sowie von den Investitionen getragen. Wie die Forschungsinstitute erwartet auch die Regierung, dass die Preise wegen der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn kräftiger steigen, sich dieser Effekt aber im Jahresverlauf wieder abschwächen wird.

Auch wenn in diesem Jahr die Arbeitnehmereinkommen zulegen dürften, wird sich die Schere zu den Einkünften aus Unternehmen und Vermögen weiter öffnen: Die Gewinnsituation der Unternehmen wird sich abermals deutlich verbessern, erwartet die Regierung. Der Unterschied zwischen dem Zuwachs der Kapitaleinkünfte und dem Zuwachs der Gehälter war seit 1991 nie so groß wie heute. So liegen die Unternehmer- und Vermögenseinkünfte heute bei 170 Prozent des Standes von 1991, die der Arbeitnehmer erreichen etwa 135 Prozent des 1991er-Wertes. Bis 2002 waren beide Einkunftsarten parallel angestiegen. Die Arbeitnehmereinkommen stagnierten seither.

Trotz der am Donnerstag veröffentlichten negativen Konjunkturbarometer – sowohl das Ifo-Geschäftsklima als auch der GfK-Konsumklima-Index sanken – bewertet die Regierung die konjunkturelle Grundtendenz in Deutschland als „spürbar aufwärts gerichtet“. Die Verbraucher teilen diese Einschätzung. Das zeigt die zukunftsgerichtete Konjunkturerwartung: Sie übertraf für Februar den Rekordwert des Vormonats sogar, meldete das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK.

Für den gesunkenen Gesamtindex sorgte vor allem der in dieser Höhe beispiellose Rückgang der Neigung, größere Anschaffungen zu tätigen. Allerdings entsprach dies einer Normalisierung, nachdem der Teilindex vor der Steuererhöhung ein Allzeithoch erreicht hatte.

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