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19.09.2013

14:29 Uhr

Japan

Exporteure profitieren von schwachem Yen

Der schwache Yen gibt japanischen Exporteuren Auftrieb. Einen derartigen Anstieg hat es seit drei Jahren nicht mehr gegeben. Trotzdem trübt die Handelsbilanz die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen.

Einige Unternehmen zweifeln daran, ob der exportgetriebene Aufschwung angesichts der Pläne der japanischen Regierung für eine Verdopplung der Umsatzsteuer anhält. AFP

Einige Unternehmen zweifeln daran, ob der exportgetriebene Aufschwung angesichts der Pläne der japanischen Regierung für eine Verdopplung der Umsatzsteuer anhält.

TokioDer schwache Yen und die bessere Weltkonjunktur lassen die japanischen Exporte so kräftig steigen wie seit drei Jahren nicht mehr. Sie legten im August unerwartet um 14,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie die Regierung am Donnerstag in Tokio mitteilte. Doch der Erfolg ist teuer erkauft: Wegen der Kursverluste des Yen steigen die Kosten für die Einfuhr von Energie. Dadurch zahlte Japan den 14. Monat in Folge mehr für Importe als es durch Exporte einnahm. Eine so lange Phase mit einem Defizit in der Handelsbilanz gab es seit 1979/80 nicht mehr.

Das drückt inzwischen die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen. Das Barometer für die Industrie fiel im September um vier auf zwölf Punkte, wie die Reuters-Umfrage ergab. Das ist der niedrigste Wert sei Mai. „Das Geschäftsklima trübt sich angesichts des langsameren Wachstums der Schwellenländer und der steigenden Importkosten ein“, sagte Ökonom Takuya Hoshino vom Dai-ichi Life Research Institute. „Die Exporte dürften weiter an Schwung gewinnen angesichts des schwachen Yen und der Fortschritte in Europa, doch ich kann kein Ende des Handelsdefizits erkennen.“

Das liegt in erster Linie an den Kosten für die gestiegene Einfuhr von fossilen Brennstoffen. Mit denen hält Japan seine Energieversorgung aufrecht, seitdem das Land wegen der Fukushima-Katastrophe im März 2011 Atomkraftwerke abgeschaltet hat. Insgesamt lag das Handelsdefizit im August bei 960,3 Milliarden Yen (rund 7,2 Milliarden Euro). Die Importe legten mit 16 Prozent noch schneller zu als die Exporte.

Japan plant nach Reuters-Informationen nun eine Entlastung der Unternehmen. Regierungschef Shinzo Abe wolle die sogenannten Wiederaufbausteuer früher als bislang vorgesehen auslaufen lassen, hieß es in Regierungskreisen. Die Steuer ist ein Aufschlag von zehn Prozent auf die Unternehmenssteuer und sollte eigentlich erst im März 2015 enden. Sie war nach den Zerstörungen in Japan durch Tsunami und Erdbeben im Frühjahr 2011 eingeführt worden. Abe erwägt zudem, die allgemeinen Unternehmenssteuern zu senken.

Grund für den Exporterfolg war die starke Nachfrage aus den USA. Die Ausfuhren in die weltgrößte Volkswirtschaft erhöhten sich um mehr als ein Fünftel, besonders hoch im Kurs standen dabei Autos. Die Exporte nach China kletterten um knapp 16 Prozent, die in die Europäische Union sogar um 18 Prozent. Dabei hilft der billige Yen, der japanische Waren im Ausland billiger macht.

Einige Unternehmen zweifeln daran, ob der exportgetriebene Aufschwung angesichts der Pläne der Regierung für eine Verdopplung der Umsatzsteuer anhält. „Die Wirtschaft mag sich auf dem Weg der Erholung befinden, aber die Menschen im mittleren und unteren Einkommensbereich schnallen den Gürtel angesichts der Sorgen über eine höhere Umsatzsteuer enger, da ihre Einkommen kaum steigen werden“, sagte der Manager eines Textilunternehmens in der Reuters-Umfrage.

Von

rtr

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