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25.10.2013

11:55 Uhr

Japan

Preisanstieg könnte Deflation beenden

Bereits zum vierten Mal in Folge sind in Japan die Verbraucherpreise gestiegen. Japanische Ökonomen sind zuversichtlich und glauben an ein Ende der Deflation. Nun müssen die Löhne mit den Preisen steigen.

Die japanische Flagge weht im Hafen von Tokio. Ein Ende der Deflation ist in Sicht, doch vielen Japanern behagt das nicht wirklich. Sie wollen ihr Vermögen halten - und spekulieren hochriskant. dpa

Die japanische Flagge weht im Hafen von Tokio. Ein Ende der Deflation ist in Sicht, doch vielen Japanern behagt das nicht wirklich. Sie wollen ihr Vermögen halten - und spekulieren hochriskant.

TokioJapan kommt im Kampf gegen die Deflation voran. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte die Regierung am Freitag mit. Das ist bereits der vierte Anstieg in Folge. Im August hatte es mit 0,8 Prozent den stärksten Preisschub seit fast fünf Jahren gegeben. Die Lebensmittelpreise werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt.

„Das Ende der Deflation rückt näher“, sagte der Chefvolkswirt des Forschungsinstituts Norinchukin, Takeshi Minami. „Die Konjunkturerholung stützt die Nachfrage, was nicht nur die Preise für Energie steigen lässt, sondern auch die für dauerhafte Güter.“ Wirtschaftsminister Akira Amari blieb zurückhaltender. „Es ist etwas merkwürdig zu sagen, die Dinge sind in Ordnung, nur weil die Preise anziehen“, sagte er Reportern. „Wir müssen sicherstellen, dass nun die Löhne mit den Preisen steigen, um ein gesundes Wirtschaftswachstum zu bekommen.“

Was Japans Notenbank beschlossen hat:

Neue Messlatte für die Geldpolitik

Die Notenbanker verabschieden sich ein Stück weit vom Leitzins als maßgeblicher Kenngröße für die Geldpolitik. Neuer Orientierungspunkt ist die Geldbasis, also die Geldmenge M0: Diese setzt sich aus dem im Umlauf befindlichen Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammen. Sie soll nun um jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigen und sich damit bis Ende 2014 ungefähr verdoppeln.

Ankauf länger laufender Anleihen

Die Bank von Japan will künftig Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 40 Jahren kaufen und damit die gesamte Zinskurve widerspiegeln. Unter ihrem Wertpapierkaufprogramm waren es bisher nur drei Jahre.

Die durchschnittliche Laufzeit aller von der Notenbank gehaltenen Papiere soll auf sieben Jahre steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, verschmolz die Notenbank das Wertpapierkaufprogramm mit einem bislang unabhängigen Programm zur Liquiditätsversorgung.

Das Volumen

Die Währungshüter wollen den Bestand an Staatsanleihen um jährlich 50 Billionen Yen (gut 400 Milliarden Euro) erhöhen. Der unbefristete Ankauf von Staatsanleihen, bislang für 2014 geplant, wird dazu vorgezogen.

Ankauf risikoreicher Papiere

Zusätzlich will die Notenbank mehr risikoreiche Papiere kaufen: Jährlich sollen die Bestände an börsengehandelten Indexfonds (ETFs) um eine Billion Yen (acht Milliarden Euro) und die Bestände an Immobilienfonds (REITs) um 30 Milliarden Yen (245 Millionen Euro) steigen.

Aussetzen der Banknotenregel

Nach dieser Vorgabe darf die Notenbank nicht mehr Staatsanleihen in der Bilanz halten, als Banknoten im Umlauf sind. Das gilt nun vorerst nicht mehr.

Japan kämpft seit 15 Jahren gegen einen Preisverfall auf breiter Front. Da Waren und Dienstleistungen immer günstiger wurden, hielten sich Verbraucher in der Hoffnung auf weiter fallende Preise zurück. Das kostete die Wirtschaft Umsatz und Gewinn. Ministerpräsident Shinzo Abe will diese Entwicklung mit billigem Notenbankgeld und Konjunkturhilfen stoppen. Die Notenbank strebt innerhalb von zwei Jahren eine Teuerungsrate von zwei Prozent an.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

25.10.2013, 14:59 Uhr

Gilt die Erkenntnis von Prof. Ludwig Erhard für Japan nicht?
Zitat: "Inflation ist Betrug am Bürger"
Von einer Wirtschaftszeitung erwarte ich im Artikel die Wahrheit, zumindest in einem einzigen Satz!

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