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25.01.2012

08:18 Uhr

Japans Handelsdefizit

Niedergang einer Industrienation

VonMartin Kölling

Japan hat 2011 mehr Waren ein- als ausgeführt. Die Regierung begründet das mit den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis im vergangenen Frühjahr. Doch in Wahrheit hat der Niedergang schon viel früher begonnen.

Japan verbucht erstmals seit 1980 Handelsdefizit

Video: Japan verbucht erstmals seit 1980 Handelsdefizit

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TokioJapan hat für das vergangene Jahr erstmals seit 31 Jahren ein Handelsdefizit ausgewiesen. Wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte, beläuft sich das Defizit für das gesamte Jahr 2011 auf 2,49 Billionen Yen (rund 25 Milliarden Euro).

Die Exporte seien um 2,7 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich für die negative Bilanz seien unter anderem der starke Yen und hohe Energiekosten sowie die Folgen des Megaerdbebens und des Tsunami vom 11. März 2011, erklärte das Finanzministerium. Die Importe sind dagegen um zwölf Prozent angewachsen.

Für den Export vorgesehene Autos im Hafen von Tokio: Erfolge der Vergangenheit. dpa

Für den Export vorgesehene Autos im Hafen von Tokio: Erfolge der Vergangenheit.

Experten werten das Defizit der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft als Wendepunkt der japanischen Geschichte. „Wir werden ab jetzt kontinuierlich ein Handelsbilanzminus erleben“, sagt Hiromichi Shirakawa, Chefvolkswirt der Bank Credit Suisse in Tokio.

In der Exportschwäche spiegelt sich der Niedergang einer Volkswirtschaft wider, der durch das Erdbeben und die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 nicht ausgelöst, wohl aber beschleunigt wurde. Der Walkman-Erfinder Sony, einst Weltmarktführer in der Konsumelektronik und in den 80er-Jahren so erfolgreich wie heute der US-Technologiekonzern Apple, ist ein Sanierungsfall. Hitachi, Japans ehemalige Elektronikikone, stoppt wegen anhaltend hoher Verluste die Produktion von TV-Geräten in Japan. Und der traditionsreiche Werkzeugmaschinenbauer Mori Seiki kündigte an, binnen fünf Jahren 40 Prozent der Produktion ins Ausland zu verlegen. „Diesmal erleben wir eine industrielle Aushöhlung an der Wurzel“, warnt Toshiyuki Shiga, verantwortlich für das operative Geschäft von Nissan und Präsident der Vereinigung japanischer Automobilhersteller. „Nie wieder werden wir den Bau einer Fabrik für Digitalkameras in Japan sehen“, sagt Zenji Miura, Präsident des traditionsreichen Kameraherstellers Pentax.

Kommentare (13)

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Schlaumeier

25.01.2012, 08:42 Uhr

Haushaltsdefizit 49% aktuell in Japan, 40% in den USA. Wachtum fasst NULL. Europa, ebenso Pleite. Vertraut bitte nicht der Presse-Propaganda = alles wird Gut. Hebt euer Geld von den Konten ab, legt es in Edelmetalle an. Nur so seit ihr nicht zu kontrollieren. Gerade das wollen Politik + Banken mit allen Mitteln verhindern. Mit Immobilen ist man bisher nach einem Neustart vom lieben Staat noch immer abgezockt worden. Auch mit jedem Wertpapierdepot - eagl ob Aktien oder Anleihen.

Paradebeispiel

25.01.2012, 09:06 Uhr

War Japan nicht immer das Paradebeispiele dass es kein Problem ist, sich total zu überschulden?

Moped

25.01.2012, 09:20 Uhr

Es ist schon seit Jahren Mode Japan abzuschreiben, der Artikel kaut damit wieder was schon oft geschrieben wurde. Tatsache ist, dass die japanischen Politiker schon seit Jahren planlos agieren, das ist nichts neues und wirkt sich kaum aus. Tatsache ist aber auch, dass in den Japanischen Unternehmen und bei den Fachkräften ein enormes Wissen und auch innovatives Potential liegt, welches nicht unterschätzt werden sollte. Japanische Unternehmen, die Produktion nach Asien verlagern gehen damit einen richtigen Weg, der auch Japan nützen wird. Viele hochwertige Komponenten, auch für Apple, werden nach wie vor in Japan hergestellt. Japan ist in Asien eine wirtschaftliche Großmacht und das wird sie auch bleiben. Der starke Yen bestätigt dies, denn trotz Staatsverschuldung (nur im Inland) ist Japan einer der größten und wenigen Kreditgeber weltweit und setzt sich damit von Europe und den USA deutlich ab.

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