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08.10.2013

19:06 Uhr

Jens Weidmann

„Bankenaufsicht nicht auf Dauer bei EZB ansiedeln“

Bundesbank-Präsident Weidmann bleibt in der Schulden-Krise der Mahner: Notenbanken dürften nicht überfordert werden und die Bankenaufsicht sollte nicht längerfristig die EZB übernehmen.

Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, verweist auf die Risiken andauernd niedriger Zinsen. dpa

Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, verweist auf die Risiken andauernd niedriger Zinsen.

BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat sich gegen eine dauerhafte Aufsicht der europäischen Kreditwirtschaft durch die Europäische Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Auf einer Tagung in Berlin verwies Weidmann am Dienstag darauf, dass die Bankenkontrolle unter dem Dach EZB wegen möglicher Interessenskonflikte zwischen Aufsicht und geldpolitischem Mandat nicht unproblematisch sei. Zwar würden gewisse Vorkehrungen getroffen, um Interessenskonflikte von vorneherein zu entschärfen. „Auf längere Sicht wäre es aber wünschenswert, die Bankenaufsicht aus der EZB herauszulösen und einer eigenen eigenständigen europäischen Institution zuzuordnen“, sagte Weidmann laut vorab übermitteltem Redemanuskript.

Der Bundesbank-Chef verwies auf die Risiken andauernd niedriger Zinsen. Eine Niedrigzinspolitik auf Dauer sei mit Fehlanreizen verbunden. Nötige Bilanzanpassungen in Unternehmen und Banken könnten verzögert werden. Auch steige die Gefahr, dass Regierungen wichtige Konsolidierungsmaßnahmen und Reformen aufschieben, anstatt sie energisch anzugehen.

Auf einer Veranstaltung des Allianz-Konzerns und der Stiftung Marktwirtschaft warnte Weidmann, den Notenbanken immer mehr Verantwortung zu übertragen: „Was zunächst einmal ein Ausdruck des Vertrauens in die Kompetenz der Notenbanken darstellt, birgt auf Dauer die Gefahr der Überfrachtung.“ Die Geldpolitik wandele auf einem schmalen Grat: „Sie muss aufpassen, dass sie nicht zur Gefangenen der Politik wird.“ So sei die Solvenzsicherung von Banken nicht Aufgabe des Eurosystems. „Die Liquiditätsbereitstellung durch die Notenbanken darf kein Ersatz für möglicherweise notwendig werdende Rekapitalisierungsmaßnahmen der Staaten sein.“

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Nach Überzeugung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird die künftige Bundesregierung an ihrer Euro-Politik festhalten. Er vermute, dass auch eine neue Bundesregierung nicht von dem Reformkurs abweichen werde. Erste Erfolge würden sichtbar, auch in Ländern mit Hilfsprogrammen. Die Eurozone erhole sich langsam von der längsten Rezession ihrer Geschichte. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Jetzt komme es darauf an, Kurs zu halten.

Bundesbank-Chef: Weidmann warnt vor langer Niedrigzinspolitik

Bundesbank-Chef

Weidmann warnt vor langer Niedrigzinspolitik

Jens Weidmann übt Kritik an der Geldpolitik der Notenbanken. Versäumten sie es, die Zügel wieder rechtzeitig anzuziehen, würden sie zur Gefahr für die Preisstabilität – und letztlich auch für sich selbst.

Mit Blick auf die umstrittenen Regeln zur Schließung maroder Banken pochte Schäuble erneut auf eine Änderung der EU-Verträge und bekräftigte sein Nein zum Vorschlag der EU-Kommission. Die Bankenabwicklung müsse auf einer klaren und unstreitigen Grundlage beruhen: „Wir können uns keine Rechtsunsicherheiten leisten.“

Weidmann mahnte Reformen auch in Kernländern der Euro-Gruppe an. Frankreich sei sicher kein Krisenland. Paris müsse aber die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und mehr Ehrgeiz bei der Haushaltskonsolidierung zeigen. Deutschland stehe auch dank der Reformen im vergangenen Jahrzehnt zwar vergleichsweise gut da: „Anlass zur Selbstzufriedenheit besteht aber nicht.“

Von

dpa

Kommentare (9)

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Eddie

08.10.2013, 19:28 Uhr

Weidmann moechte i.S. Medien-Praesenz offensichtlich der Katzenberger Konkurrenz machen. Vielleicht will er ja auch in das "Jungel-Camp" oder „Promi Big Brother“? Jedenfalls scheint er das Scheinwerferlicht fuer sein Ego zu brauchen, daher wohl auch seine staendigen oeffentlichen Mahnungen und Warnungen, ein typischer Bedenkentraeger halt...

hoppala

08.10.2013, 20:07 Uhr

..." ein typischer Bedenkentraeger halt...".
______________________________________________

Was wohl ein Jürgen Stark dazu zu sagen hätte?

_____

08.10.2013, 20:14 Uhr

Eddie the Eagle?....

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