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03.06.2011

15:52 Uhr

Job-Krise spitzt sich zu

Nächster Nackenschlag für die US-Wirtschaft

Die schlechten Nachrichten für die US-Wirtschaft nehmen kein Ende: Nicht genug, dass Moody's droht, die Bonität der größten Volkswirtschaft der Welt infrage zu stellen, jetzt spitzt sich auch noch die Jobkrise zu.

Stellenangebote in einem US-Jobcenter. Quelle: ap

Stellenangebote in einem US-Jobcenter.

WashingtonDie Rückschläge für die US-Wirtschaft häufen sich. Entgegen allen Erwartungen ist die Arbeitslosigkeit im Mai erstmals seit Monaten wieder angestiegen. Zudem wurden wesentlich weniger neue Jobs geschaffen als zuvor.

Erst Stunden zuvor gab es einen anderen Warnschuss: Nach der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) droht nun auch Moody's mit einer möglichen Überprüfung oder gar Herabstufung der US-Bonität - falls es in den nächsten Wochen keine Fortschritte bei der Erhöhung der Schuldenobergrenze geben sollte. US-Präsident Barack Obama gerät unter immer stärkeren Druck.

Die Arbeitslosenquote stieg im Mai auf 9,1 Prozent - der höchste Wert in diesem Jahr. Im Vormonat lag sie bei 9,0 Prozent. Wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte wurden im Mai lediglich 54.000 neue Jobs geschaffen - der geringste Zuwachs seit acht Monaten. Noch im April waren es revidierte 232.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft.

Die neuen Zahlen wurden von Experten überwiegend als enttäuschend gewertet. "Das signalisiert einen deutlichen Rückgang der Dynamik", sagte ein Analyst der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Er äußerte die Hoffnung, dass es sich lediglich um eine "vorübergehende Delle" handelt. Noch bis März war die Beschäftigungslosigkeit vier Monate lang hintereinander gesunken, wenn auch nur leicht. Insgesamt seien 13,9 Millionen Amerikaner ohne Arbeit, hieß es. Am höchsten Lag die Arbeitslosenquote bei Teenagern (24,2 Prozent). Obama hat den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seit Amtsantritt zur wichtigsten Aufgabe erklärt.

Möglichkeiten im Kampf gegen den Zahlungsausfall

Aussetzen bestimmter Papiere

Seit dem 6. Mai hat das Finanzministerium bereits den Verkauf der sogenannten Slugs - State and Local Government Series Securities - gestoppt. Diese Papiere werden den Bundesstaaten und Kommunen zur Anlage angeboten, erhöhen aber die Schulden des Bundeshaushalts. Wird das Programm gestoppt, erhöht das den Finanzspielraum des Ministeriums. In den vergangenen 20 Jahren wurde das Programm bereits sechs Mal ausgesetzt, damit die USA die Schuldenobergrenze nicht reißen.

Aussetzen von Einmalzahlungen in Rentenfonds

Das Finanzministerium stoppt Einzahlungen in verschiedene Fonds für Pensionen und die Absicherung von Berufsunfähigkeit der Beschäftigten im Staatsdienst. Damit könnte es je nach Dauer zwölf oder 72 Milliarden Dollar freimachen.

Einfrieren eines Investmentfonds

Das Finanzministerium wird ab diesem Montag einen Fonds für Beschäftigte im Staatsdienst, den G-Fonds, auf Eis legen. Die darin enthaltenen Mittel von 130 Milliarden Dollar werden bis auf weiteres nicht mehr neu angelegt. Damit erhöht sich der Spielraum zur Aufnahme neuer Kredite um diesen Betrag.

Anzapfen von Fonds zur Währungsstabilisierung

Die Regierung könnte den selten genutzten 50 Milliarden Dollar schweren Fonds zur Stabilisierung der Währungskurse anzapfen, um die Aufnahme neuer Schulden zu verhindern. Der Fonds wurde in den 1930er Jahren während der Großen Depression

geschaffen.

Verkauf von Vermögenswerten

Die Regierung könnte Teile von Unternehmen verkaufen, die sie im Rahmen des 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Programmes gerettet hat. Allerdings hat Finanzminister Timothy Geithner bereits angedeutet, dies sei möglicherweise keine gangbare Lösung, weil der Steuerzahler bei einem Blitz-Verkauf Verluste erleiden könnte.

 

Schwer wiegt auch der Warnschuss von Moody's: Die Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar (9,94 Billionen Euro) läuft Anfang August aus. Bisher haben sich Regierung und Opposition noch nicht auf eine Erhöhung einigen können. Sollte es keinen Durchbruch geben, droht den USA Zahlungsunfähigkeit - mit unabsehbaren Risiken.

Allerdings sprach Moody's am Donnerstag (Ortszeit) von einem lediglich "sehr geringen, aber steigenden Risiko eines kurzfristigen Zahlungsausfalls". Ausdrücklich heißt es: "Für den Fall, dass das Schuldenlimit erhöht und Zahlungsunfähigkeit vermieden wird, wird das "AAA" Rating beibehalten".

Ein schlechteres Rating kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen. Dies könnte das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Kommentare (5)

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no.7

03.06.2011, 16:03 Uhr

bis die zinsen für us-anleihen drastisch ansteigen, ist nur mehr eine zeitfrage. Obama kann die "Bekämpfung" der arbeitslosigkeit als "oberste aufgabe" erklären, solange er will. Nutzen wird dies gar nichts. sollen doch die Banken und versicherungen und die wallstreet in USA die arbeitslosen einstellen, die haben ja auch massiv abkassiert. das land der spieler und gaukler hat ausgegaukelt- so wie man damals über die bankrotte UdSSR lachte, so können wir jetzt über die schuldenjunkies in USA lachen. warum nicht ? - da könnt ihr lange warten, freunde, auf eure "jobs". jetzt hats ausgejobt.

keeper

03.06.2011, 16:46 Uhr

"...wenn gleichzeitig drastische Einsparungen beschlossen werden. "

aktuelle US-Neuverschuldung: 1600 MRD USD/ p.a. - und trotzdem Arbeitsplatzabbau.

... und wenn der Staat jetzt noch einspart,
dann wird sich -wohl oder übel- die Abwärtsspirale noch schneller drehen.

weniger Ausgaben -> weniger Nachfrage -> weniger Produktion -> weniger Jobs -> weniger Einkommen ==> noch weniger Ausgaben ==> noch weniger, noch weniger ..... usw.
"Gesundsparen" funktioniert in den USA ebensowenig wie in Griechenland.
... und so, wie die Exporte nach Griechenland einbrechen, so brechen dann auch die Exporte nach USA ein.
Griechenland ist für China und Deutschland ja verkraftbar - aber fallen die USA aus,
dann schepperts auch in der Exportindustrie - mit den entsprechenden Rückkopplungen auf die jeweiligen Binnenmärkte.

Und da dies alle Beteiligten wissen,
werden eben Zugeständnisse gemacht und über den Kauf diverser Schrottpapiere den Schuldnerstaaten weiterhin der Konsum finanziert.

Solange es irgend möglich geht.

Account gelöscht!

03.06.2011, 18:21 Uhr

Die Amis müssen halt mal ihre Militärausgaben drastisch kürzen, nur da werden die Reps dagegen sein.

Die Amis müssten aufhören ihre Arbeitsplätze nach China (wie auch wir) zu verlagern, dann gibt es Arbeit und Einkommensteuern, sowie Unternehmen die Steuern bezahlen können. Aber auch hier werden die Reps dagegen sein.

Die Amis könnten bei der Schuldenlage die Steuern auf besonders große Vermögen erhöhen und Luxussteuern auf besonders Energieintensive Fahrzeuge einführen. Aber auch hier werden die Reps dagegen sein.

Wären aber halt alles Massnahmen mit denen man den Staat wieder flott machen könnte und einige andere Probleme auch gelöst bekäme - nur es ist wie bei uns, die Konservativen sind dagegen, weil ihre Klientel ist dagegen. Also weiter runter in der lustigen Abwärtsspirale.

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