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29.08.2011

12:17 Uhr

Joseph Stiglitz

US-Ökonom fordert von EZB billigeres Geld

VonDorit Marschall, Olaf Storbeck

ExklusivWirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz greift im Interview Europas Wirtschaftspolitik harsch an. Statt sich um Inflation zu sorgen müsse die EZB für Wachstum kämpfen - auch im Interesse der deutschen Exporteure.

Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz verteufelt Euro-Bonds nicht. ap

Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz verteufelt Euro-Bonds nicht.

LindauHandelsblatt: Professor Stiglitz, sind Europas Regierungen auf dem richtigen Weg, um ihre Probleme zu lösen?
Joseph Stiglitz: Mein Eindruck ist, dass auf dem EU-Gipfel im Juli ein Beschluss gefasst wurde, den Krisenstaaten entschlossen zu helfen. Viele Details wurden zwar offengelassen, aber unter dem Strich war es eine gute Einigung. Etwas entsetzt bin ich jetzt, dass Finnland die Einigung möglicherweise entgleisen lassen kann. Mit einem vernünftigen Kompromiss ist es in Europa nicht getan - er muss ja noch durch die Parlamente gebracht werden. Das kann schwer werden..

Handelsblatt: Braucht Europa einen Plan B für eine Zeit nach dem Euro?
Stiglitz: Es wäre extrem schwierig und teuer, die Währungsunion wieder aufzulösen - auch und gerade für Deutschland. Trotzdem sollte man sich Gedanken darüber machen, wie sich der wirtschaftliche Schaden so gering wie möglich halten ließe, falls die Euro-Zone zerfällt. Vermutlich wäre es unter dem Strich besser, wenn Deutschland die Währungsunion verließe, als Griechenland aus der Union zu werfen. Eine neue griechische Währung würde massiv abwerten und die Rückzahlung der in Euro denominierten Schulden noch schwieriger machen..

Handelsblatt: Für wie hoch halten Sie denn das Risiko, dass der Euro zerbricht?
Stiglitz: Das hängt allein von den Entscheidungen der politischen Führung in Europa ab. Das Überleben des Euros ist mehr eine politische als eine ökonomische Frage. Ich glaube, dass die Politiker entschlossen sind, den Euro zu retten. Aber der politische Entscheidungsfindungsprozess in Europa macht mir Sorgen - eben weil es sehr kompliziert ist, eine gemeinsame Linie zu finden..

Handelsblatt: Schmälert die Europäische Zentralbank (EZB) Ihre Sorgen? Sind Sie mit der europäischen Geldpolitik zufrieden?
Stiglitz: Ich denke, die EZB sollte ihre beiden Zinserhöhungen rückgängig machen. Inflation ist wirklich nicht das drängendste Problem in Europa, der Kontinent befindet sich klar in einem wirtschaftlichen Abschwung. Dafür sprechen auch die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland. Hinzu kommt, dass die Geldpolitik der EZB nicht im Gleichschritt mit der US-Notenbank ist. Die Fed hat angekündigt, die Zinsen zwei Jahre lang bei null zu lassen. Die derzeitige Geldpolitik der EZB treibt den Euro in die Höhe und schadet damit auch deutschen Exporteuren..

Kommentare (29)

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atinak

29.08.2011, 12:58 Uhr

Na klar, Euro-Bonds wären prima für die USA, aber eben nicht für Deutschland. Wenigstens hat das HB diesmal keinen Sozialpädagogen, Germanisten oder Sozialwissenschaftler befragt.

der-oekonomiker

29.08.2011, 13:00 Uhr

Schon mein Opa wußte: Grau ist alle Theorie. Aber der war auch immerhin Ritterkreuz-Träger.

Account gelöscht!

29.08.2011, 13:20 Uhr

Stiglitz: „Deutschland scheint noch nicht verstanden zu haben, mit welchen massiven ökonomischen Kosten ein Ende des Euros verbunden wäre. Das wäre auch für die deutsche Wirtschaft eine Katastrophe".
Sie reden jetzt nicht nur von den bisherigen Milliarden, die wir sowieso schon abschreiben müssen, sondern auch noch von den künftigen? Da haben Sie Recht. Das wäre eine Katastrophe für DE, vorausgesetzt, dass sich die Bürger diese Zwangsenteignungen immer und ewig widerstandslos gefallen lassen, gell. Jeder Euro an die PIIG(F)S ist ein verschenkter Euro!

Und zur USA?
Anstatt Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, werden die Billionen lieber im Eigenhandel und an den Börsen verzockt. So möchte man das Armageddon noch a bissl rausschieben. In den letzten 3 Jahren erhielten die US-Bankster/Gangster über 20 Billionen Dollar Steuergelder geschenkt – alles schon wieder im Eigenhandel und an den Börsen verzockt.
Ein neues Konjunkturpaket?? Unter Berücksichtigung, dass nur noch 2-3% der Realwirtschaft übrig geblieben ist, 97% wurden nach China ausgelagert. Was sollen diese Sprüche.

Der immer tiefere Fall der Immobilienpreise. Da liegt das Hauptproblem. Bis Mitte 2007 war dies das Perpetuum-mobile, das das Leben auf Pump finanziert hatte und somit die Weltwirtschaft in Schwung hielt. Jetzt hat es sich ausgepumpt – mit allen Nebenwirkungen!!

"Der beste Weg aus der Krise ... würde dann eine Welle grünen Wirtschaftswachstums auslösen".
Mein Lieber, einfach mal öfter Handelsblatt lesen, da werden Sie geholfen. In China und Indien spielt die Musik bei den grünen Technologien, nicht in der EU oder den USA. Dort werden Solarmodule auf Produktionsanlagen Made in Germany hergestellt, mit einem Bruchteil unserer Löhne. Da ist schon längst der Zug abgefahren.
Und darauf soll der künftige Aufschwung der USA begründet sein? Mein Lieber, gilt auch für Sie, nicht nur für Schäuble: Weniger Drogen nehmen, dann sieht man auch die Realität.

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