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30.08.2013

03:10 Uhr

Kampf gegen Deflation

Preise in Japan ziehen stärker an als erwartet

Große Hoffnungen hat Japan auf die Wirtschaftspolitik des neuen Ministerpräsidenten Abe gesetzt. Auf deren Wirksamkeit deuten nun mehrere Konjunkturdaten hin. Doch es gibt auch einen Haken.

Der Shopping-Trip in Tokio ist im Juli teurer geworden. Reuters

Der Shopping-Trip in Tokio ist im Juli teurer geworden.

TokioDie japanischen Verbraucherpreise haben den schnellsten Anstieg seit fast fünf Jahren hingelegt. Sie zogen im Juli in der Kernrate - also ohne Berücksichtigung von Nahrungsmittelpreisen - um 0,7 Prozent an, wie aus der am Freitag veröffentlichten Statistik der Regierung hervorging. Volkswirte hatten 0,6 Prozent erwartet. Der Anstieg im Juni betrug 0,4 Prozent.

Das zunehmende Tempo bei der Preisentwicklung kommt dem Wirtschaftsprogramm des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zupass: Er hat dem Preisrückgang auf breiter Front den Kampf angesagt.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Allerdings beruht die jüngste Steigerung der Verbraucherpreise weniger auf einer starken Nachfrage als vielmehr auf den Import- und Energiekosten. Die Entwicklung des Yen-Kurses und die Schließung fast sämtlicher japanischer Kernkraftwerke nach der Atomkatastrophe von 2011 haben zu dieser Preissteigerung beigetragen. Ohne Nahrungsmittel- und Energiedaten fielen die Preise im Juli sogar um 0,1 Prozent.

"Da gibt es kein Vertun: Das Notenbank-Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent bleibt weiterhin meilenweit entfernt. Das ist viel zu hoch", sagte der Ökonom Tsuyoshi Ueno vom NLI Research Institute in Tokio der Nachrichtenagentur Bloomberg, bevor der Bericht veröffentlicht war.

Weitere Konjunkturdaten stützen die Hoffnung auf eine Erholung der japanischen Wirtschaft. So ist die japanische Industrieproduktion erstmals seit zwei Monaten wieder gestiegen. Wie die Regierung am Freitag auf vorläufiger Basis bekanntgab, erhöhte sich der Ausstoß im Juli im Vergleich zum Vormonat um saisonbereinigt 3,2 Prozent. Im Vormonat hatte in der Statistik noch ein Minus von 3,1 Prozent gestanden.

Zugleich sank die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit Oktober 2008. Saisonbereinigt betrug sie im Juli 3,8 (Juni: 3,9) Prozent, wie die Statistik der Regierung zeigte. Experten hatten im Schnitt mit einer unveränderten Quote gerechnet.

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