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07.04.2006

09:37 Uhr

Kapitalflucht

Deutsche Firmen segeln im russischen Aufwind

VonMarkus Ziener

Russland hat nach Einschätzung der deutschen Wirtschaft sein Image als Investitionsstandort verbessert. Erstmals seit dem Ende der Sowjetunion sei es gelungen, die Kapitalflucht zu stoppen. Auch Deutschland profitiert von dieser Entwicklung.

Importe aus Russland nach Deutschland und Deutsche Exporte nach Russland. Für eine größere Ansicht der Graphik klicken Sie bitte auf das Pluszeichen.

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BERLIN. Russland hat nach Einschätzung der deutschen Wirtschaft sein Image als Investitionsstandort verbessert. Erstmals seit dem Ende der Sowjetunion sei es gelungen, die Kapitalflucht zu stoppen. „Wir erleben eine überaus dynamische Wirtschaftsentwicklung“, sagte Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Der Motor hierfür sei der private Konsum. Der sei in Russland inzwischen höher als in Brasilien, Indien und China.

Deutschland profitiert von dieser Entwicklung mit einem 2005 um 25 Prozent gesteigerten Handelsumsatz auf 39 Mrd. Euro. Russland avancierte damit zum am schnellsten wachsende Markt für deutsche Produkte. Auch bei den Investitionen nimmt Deutschland eine Spitzenstellung ein. Statistisch ist diese sogar noch verzerrt, da sich hinter den hohen Zahlen der Investoren aus Luxemburg und den Niederlanden auch häufig deutsches Kapital verberge.

Das Wachstum in Russland werde jedoch nicht nur positiv genutzt, hieß es gleichwohl aus dem Ost-Ausschuss. So dränge die russische Regierung zwar verstärkt auf eine vorzeitige Rückzahlung seiner Schulden beim Pariser Club. Doch nicht nur vielen Finanzministern der Gläubigerländer komme der Geldsegen zu schnell und wecke nur Begehrlichkeiten. Vor allem fehlten die Milliarden, um sie in die Modernisierung der russischen Industrie zu investieren.

Konkret geht es um zehn Milliarden der noch ausstehenden 25,2 Mrd. Euro, die Russland dem Pariser Club schuldet. Darunter sind auch sechs Mrd. Euro, die von der deutschen Regierung in Anleihen umgewandelt wurden. Die russische Regierung hat für die Begleichung der alten Sowjetschulden einen Sonderfonds eingerichtet, dem Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport zufließen.

Als „bedenklich“ stuft der Ost-Ausschuss das durch die Jukos-Enteignung erschütterte Anlegervertrauen ein, die rückläufige Bevölkerungsentwicklung und die langsame Reform des Bankenwesens. Hier sind nach den Worten des Deutsche Bank-Vorstandes Tessen von Heydebreck zwar Veränderungen geschehen. Doch gilt etwa das festgelegte Mindestkapital für Banken von fünf Mill. Euro als viel zu niedrig.

Dass die Wahrnehmung Russlands im Westen dennoch vielfach negativ sei, treffe „die russische Befindlichkeit tief“, sagte Mangold. Dies gelte mehr noch für die USA als für Deutschland. Unstrittig sei indes, dass hierzu auch der Gasstreit mit der Ukraine beigetragen habe. „Die Dramaturgie war nicht gut gemacht“, räumte Burckard Bergmann, Chef von Eon-Ruhrgas, ein. In der Sache jedoch gebe es Moskau wenig vorzuwerfen. Dort sei man angesichts der ukrainischen Entnahmen aus dem Transitgas „ohnmächtig“ gewesen.

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