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27.11.2014

14:58 Uhr

Kaum Preissteigerung

Inflation auf niedrigstem Stand seit 2010

Vor allem bei Sprit und Energie können Verbraucher sparen – die Inflationsrate liegt mit 0,6 Prozent so niedrig wie lange nicht mehr. Was den Durchschnittsdeutschen freut, ist für Währungshüter Anlass zur Sorge.

Das freut die Konsumenten: Wenn die Verbraucherpreise weniger stark steigen, bleibt mehr Geld für die Weihnachtseinkäufe. Gesamtwirtschaftlich ist das aber problematisch. dpa

Das freut die Konsumenten: Wenn die Verbraucherpreise weniger stark steigen, bleibt mehr Geld für die Weihnachtseinkäufe. Gesamtwirtschaftlich ist das aber problematisch.

WiesbadenSinkende Energiepreise haben die Teuerung in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit Februar 2010 gedrückt. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im November lediglich 0,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Einen niedrigeren Wert gab es zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent. Gegenüber dem Vormonat blieb die Rate unverändert, wie die Wiesbadener Behörde am Donnerstag mitteilte.

Sprit und Haushaltsenergie verbilligten sich im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 2,5 Prozent. Hintergrund sind die seit Monaten sinkenden Rohölpreise, die sich auf dem Markt für Ölprodukte niederschlagen.

Am Donnerstag rutschte der Preis für Heizöl erstmals seit mehr als vier Jahren sogar unter die Marke von 70 Euro für 100 Liter. Das Internet-Portal des Messtechnik-Herstellers Tecson ermittelte einen bundesweiten Durchschnittspreis von 69,20 Euro und damit den tiefsten Stand seit November 2010. Bei anderen Heizöl-Portalen wie easyoil wurde diese Marke bereits zuvor unterschritten oder der Preis liegt wie bei Comoil noch knapp darüber.

Inflationsrisiken

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Der Preisauftrieb bei Lebensmitteln kam im November nach Daten der Wiesbadener Statistiker zum Erliegen. Gegenüber dem Vorjahr stagnierten die Nahrungsmittelpreise. Hingegen mussten die Verbraucher für Wohnungsmieten 1,4 Prozent mehr zahlen als im November 2013. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,4 Prozent. Volkswirte der BayernLB führten dies auch auf den zum Jahreswechsel startenden Mindestlohn zurück.

Die insgesamt geringe Teuerung stärkt die Kaufkraft der Verbraucher. Bei Währungshütern schürt sie hingegen die Angst vor einer Deflation, einer Spirale aus rückläufigen Preisen und schrumpfender Wirtschaft. Die Europäische Zentralbank strebt eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent an.

Dieses Ziel verfehlt sie jedoch seit Anfang 2013. Deshalb hat die Notenbank ihre Geldpolitik zuletzt in mehreren Schritten noch weiter gelockert. Ökonomen der Commerzbank rechnen nach den Daten aus Wiesbaden damit, dass die Inflationsrate im Euroraum im November bei nur noch 0,2 Prozent liegen dürfte. Im Oktober waren es noch 0,4 Prozent.

Von

dpa

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