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26.01.2010

17:35 Uhr

Keine schnelle Erholung

Großbritannien kriecht aus der Rezession

VonMichael Maisch

Seit Ende 2009 wächst auch die britische Wirtschaft wieder. Das ist die gute Nachricht, doch nach der längsten Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit fehlt der Erholung der Schwung. Der Weg aus der Krise wird für die Insel lang und steinig. Volkswirte warnen sogar, dass die Zahlen noch nach unten revidiert werden könnten.

Englands Premier Gordon Brown: Die Erholung der britischen Wirtschaft fällt nur mäßig aus. Foto: Reuters Quelle: Reuters

Englands Premier Gordon Brown: Die Erholung der britischen Wirtschaft fällt nur mäßig aus. Foto: Reuters

LONDON. Als letztes großes Industrieland in Europa hat auch Großbritannien den Weg aus der Rezession gefunden. Allerdings fiel das Wachstum im vierten Quartal des vergangenen Jahres nur minimal aus und blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Nach anderthalb Jahren Rezession wuchs die britische Wirtschaftsleistung von Oktober bis Dezember 2009 um 0,1 Prozent - Volkswirte hatten 0,4 Prozent Wachstum erwartet. Zu den Enttäuschungen zählte der dominierende Dienstleistungssektor, der nur um 0,1 Prozent wuchs statt der erhofften 0,5 Prozent.

Die längste Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit kostete die Insel insgesamt 6,1 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,8 Prozent, der schärfste Einbruch seit 1949. Bei den Zahlen für das vierte Quartal handelt es sich lediglich um die erste Schätzung der Statistiker, Volkswirte warnen deshalb, dass die Zahlen noch nach unten revidiert werden könnten.

Andere große Industrieländer wie die USA und Frankreich kehrten bereits vor einem halben Jahr in die Wachstumszone zurück. Allerdings kostete die Krise 13 OECD-Staaten noch mehr Wachstum als Großbritannien, darunter Japan und Deutschland. Nach Meinung von Ted Scott von der Fondsgesellschaft F&C gibt es gute Gründe dafür, dass Großbritannien länger in der Rezession verharrte als andere Länder. "Die Wirtschaftskrise war vor allem eine Krise des Finanzsystems, und da ist Großbritannien besonders anfällig." In den Boomjahren machten Finanzdienstleistungen mehr als zehn Prozent der britischen Wirtschaftsleistung aus. Inzwischen sei der Anteil auf rund sieben Prozent gefallen, schätzt die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman.

"Die Wachstumszahlen für das vierte Quartal sind ein schwerer Rückschlag für alle die auf eine schwungvolle Erholung hofften", warnte Volkswirt Jonathan Loynes von Capital Economics. Das sieht F&C-Volkswirt Scott ähnlich. Er geht davon aus, dass die Erholung nur schleppend verlaufen werde, und die britische Wirtschaft auf Jahre hinaus ihrem bisherigen Trendwachstum von 2,5 bis drei Prozent hinterherhinken wird.

Die Mehrheit der Volkswirte sagt für die Insel in diesem Jahr einen Anstieg des BIP von rund zwei Prozent voraus. "Nach den schwächer als erwarteten Daten für das dritte und vierte Quartal 2009 wird das nur schwer zu erreichen sein", warnt Scott.

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