Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2005

11:38 Uhr

Keine Trendwende in Deutschland

Ende der Pleitewelle auch 2005 nicht in Sicht

Bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist die erhoffte Trendwende im vergangenen Jahr ausgeblieben. Nach Angaben vom Verband der Vereine Creditreform stieg die Zahl der Insolvenzen allerdings nur noch um 0,3 Prozent. Bei den Verbrauchern rechnet der Verband zudem mit einem erheblichen Anstieg der Insolvenzen in diesem Jahr.

HB DÜSSELDORF. Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl sagte am Donnerstag in Düsseldorf, er erwarte 2005 angesichts der relativ schwachen Finanzausstattung vor allem der mittelständischen Betriebe keinen Rückgang der Pleiten. „Bei den Verbrauchern ist ohnehin damit nicht zu rechen.“ Zu erwarten seien in Deutschland 38 000 bis 40 000 Firmeninsolvenzen nach 39 600 im vergangenen Jahr. In Europa würden voraussichtlich mit 160 000 etwa 4000 Firmen mehr Pleite gehen. Bei den Verbrauchern werde die Pleitenzahl hier zu Lande im laufenden Jahr bei bis zu 100 000 (2004: 76 100) liegen, in Europa bei 170 000 (140 000).

„Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, dass der Pleitegeier die Wirtschaft weiter in seinen Fängen hat, dann war dies die Insolvenz der Walter Bau AG in Augsburg“, sagte Rödl. 2004 habe sich die Zunahme der Unternehmensinsolvenzen aber immerhin auf 0,3 % verlangsamt. In der EU, Norwegen und der Schweiz seien insgesamt ein Prozent mehr Unternehmen Pleite gegangen als im Jahr zuvor. 2002 habe die Steigerungsrate in Europa noch bei knapp elf Prozent gelegen.

Insgesamt seien 2004 in Deutschland 115 700 Pleiten registriert worden, sagte Rödl. Dies entspreche einer Steigerung von 15,2 %, die vor allem auf die Insolvenzen von Privatpersonen zurückgehe - 25 % mehr Verbraucher und ehemals Selbstständige hätten den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen. Hintergrund des starken Anstiegs ist vor allem das neue Schuldrecht, das Konkurse von Privatpersonen erleichtert. Ursachen seien aber auch die hohe Arbeitslosigkeit sowie eine wachsende Zahl von Scheidungen und Trennungen, die Einzelne in die Überschuldung bringe.

Bei den Unternehmen sei die erhoffte Trendwende 2004 ausgeblieben, sagte Rödl. Mit rund 40 000 Insolvenzen seien in Europa nur in Frankreich mehr Firmen Pleite gegangen als in Deutschland. Der hiesigen Volkswirtschaft seien dadurch Schäden in Höhe von 39,4 Mrd. € entstanden. 605 000 Arbeitnehmer hätten durch die Insolvenz ihres Brötchengebers ihren Arbeitsplatz verloren. Die Zahl sei damit zwar erstmals seit dem Jahr 2000 wieder rückläufig. Ob dies allerdings angesichts der jüngst angemeldeten Insolvenz von Deutschlands viertgrößten Baukonzern Walter Bau so bleibe, müsse bezweifelt werden. Verantwortlich für die weiterhin steigende Zahl der Firmenpleiten seien westdeutsche Unternehmen. In Ostdeutschland sei die Zahl erneut rückläufig gewesen. In Europa habe Großbritannien den größten Rückgang bei den Firmenpleiten verzeichnet, während vor allem Griechenland, aber auch Österreich und die Schweiz deutliche Zuwächse hinnehmen mussten.

Zur Verbesserung der Lage werde es entscheidend auf die finanzielle Stabilisierung der Unternehmen ankommen, sagte Rödl. „So lange die Erträge dürftig, die Eigenkapitaldecke zu kurz, die Forderungsausfälle zu hoch und die Kreditfinanzierung problematisch sind, ist mit einer Konsolidierung an der Pleitenfront nicht zu rechnen.“ Die leicht verbesserten Konjunkturerwartungen für Europa würden nicht ausreichen. „Wir brauchen ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, damit sich die Kurve nach unten entwickelt.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×