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01.02.2007

08:25 Uhr

Keine wirtschaftspolitische Orientierung

Experten zweifeln an Langfrist-Prognosen

Politiker sollten ihre Ziele nicht an Schätzungen orientieren, wie schnell die Wirtschaft langfristig zulegen kann. Diese Forderung ergibt sich aus Sicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) aus einer von ihm vorgelegten Studie.

HB DÜSSELDORF. In der Studie heißt es, dass die üblichen Berechnungen des möglichen Wirtschaftswachstums „mit erheblichen methodischen Problemen und so gravierenden Unsicherheiten behaftet sind, dass sie als wirtschaftspolitische Orientierung ungeeignet sind“.

Unter dem Begriff Produktionspotenzial verstehen Volkswirte die langfristige Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes bei normaler Auslastung vorhandener Faktoren. Für Politiker gilt diese Zahl als wichtige Planungsgröße. Schwierig sind solche Schätzungen, weil anhand von Daten der Vergangenheit die Entwicklung der Zukunft projiziert werden muss.

Diese Schwierigkeiten lassen sich aus Sicht des IMK nicht mildern. „Angesichts der ungelösten Schwierigkeiten, ein belastbares Wachstumspotenzial empirisch zu ermitteln, muss die Wirtschaftspolitik lernen, ihre Ziele ohne eine solche Größe zu erreichen“, schlussfolgert das Institut. Stattdessen sollte sie sich an Indikatoren wie der Lohnstückkostenentwicklung orientieren, die verlässlicher aufzeigen, ob etwa der Preisstabilität Gefahren drohen oder nicht.

Einig sind sich Ökonomen zwar in der Analyse, künftige Wachstumsmöglichkeiten seien schwer schätzbar. Der Schlussfolgerung des IMK widerspricht etwa Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft aber entschieden. Auch die Entwicklung der Lohnstückkosten sei mit Unsicherheiten behaftet. Risikoärmer sei es, sich auf einen Datenmix zu stützen und die Annahmen bei Prognosen offen zu legen.

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