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21.01.2010

13:04 Uhr

Ketzerische These

Eliten bestimmen Schicksal der Weltkonjunktur

VonTorsten Riecke

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele Lehrsätze der Ökonomie hinweggefegt. Geblieben ist der Glaube, dass die wirtschaftliche Erholung erst dann nachhaltig ist, wenn der Massenkonsum wieder anspringt. Dem hält der Analyst Ajay Kapur von der Investmentgesellschaft Mirae Asset eine ketzerische These entgegen, die wie eine Häresie gegen die Gesetze der Ökonomie klingt.

Der Analyst Ajay Kapur glaubt, dass die Ausgaben der reichen Eliten das Schicksal der Weltwirtschaft bestimmen. Zentralbild

Der Analyst Ajay Kapur glaubt, dass die Ausgaben der reichen Eliten das Schicksal der Weltwirtschaft bestimmen.

ZÜRICH. Konkret sagt Kapur: Wer glaube, dass hohe Arbeitslosenzahlen den privaten Verbrauch einer Wirtschaft bestimmten, verschwende seine Zeit. Nicht der Massenkonsum, sondern die Ausgaben der reichen Eliten bestimmten das Schicksal der Weltwirtschaft.

Der private Verbrauch gilt in den meisten entwickelten Volkswirt-schaften als eine wichtige Konjunkturstütze. In den USA generieren die Konsumenten sogar gut 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland sind es reichlich 50 Prozent. Wenn es darum geht, die Bedeutung der privaten Ausgaben auf die wirtschaftliche Entwicklung zu untersuchen, konzentrieren sich die meisten Ökonomen auf den Durchschnittsverbraucher.

Kapur hingegen behauptet, dass die Wirtschaft von einer kleinen, aber mächtigen Elite in den ewigen Zyklus von Boom und Bust getrieben wird. Er nennt sie „Plutonisten“ in Anlehnung an den früheren Geldadel der Plutokraten. Besonders ausgeprägt sei die Konsumelite in den USA und Großbritannien. In mehr egalitären Gesellschaften wie der deutschen spielen Plutonisten dagegen eine kleinere Rolle. Das Phänomen von Plutonomien hat es auch in früheren Epochen gegeben, zum Beispiel in Spanien im 16. Jahrhundert und in den Niederlanden im 17. Jahrhundert.

Reiche konsumieren kräftig

Durch die Krise haben Kapurs Thesen aber eine neue Aktualität erlangt. „Die letzte Rezession wurde von den Plutonisten verursacht", schreibt der frühere Analyst der Citigroup. Nach den hohen Verlusten im Finanzsektor hätten die davon besonders stark betroffenen Finanzeliten ihre Ausgaben drastisch zurückgefahren.

Zuvor seien sie die treibende Kraft für den Boom gewesen. Die Reichen reagieren jedoch nicht nur besonders empfindlich auf das Auf und Ab der Konjunktur. Aufgrund ihrer Finanz- und Konsumkraft beeinflussen sie das wirtschaftliche Geschehen auch überproportional. In den USA bringen es die Top Ten in der Einkommensskala auf fast 50 Prozent des Volkseinkommens. Nach Berechnungen von Kapur gibt die Einkommenselite auch beim Konsum den Ton an: die reichsten 20 Prozent der Amerikaner zeichnen demnach für etwa 60 Prozent aller Konsumausgaben verantwortlich.

Kommentare (1)

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Holzauge

21.01.2010, 17:01 Uhr

Na ja, einige haben das schon längst gewußt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, daß Holzauge seine Megayacht auf Kiel legt.

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