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18.12.2014

14:48 Uhr

Kieler Wirtschaftsforscher

IfW warnt vor Überhitzung der deutschen Wirtschaft

Forscher des Kieler IfW-Instituts warnen vor einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft. Die Folge wären den Ökonomen zufolge starke Preissteigerungen und Verwerfungen auf dem Geld- und Kapitalmarkt.

Das IfW-Institut fordert den Staat auf, seine Ausgaben kritisch zu überprüfen. dpa - picture-alliance

Das IfW-Institut fordert den Staat auf, seine Ausgaben kritisch zu überprüfen.

BerlinDas Kieler IfW-Institut warnt davor, dass die derzeit nur mäßig wachsende deutsche Wirtschaft 2016 oder 2017 heißlaufen könnte. „Auf mittlere Sicht besteht die Gefahr einer Überhitzung“, erklärten die Ökonomen am Donnerstag. „Deshalb gibt es auch keinen Anlass für Konjunkturpakete“, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths der Nachrichtenagentur Reuters. Vielmehr müsse die große Koalition aufpassen, „dass sie durch die Finanzpolitik nicht selbst zur Überhitzung beiträgt“. Die Kieler Experten gehen davon aus, dass sich das Wachstum der Wirtschaft von 1,5 Prozent in diesem Jahr stetig beschleunigt. Für 2015 rechnet das Institut mit plus 1,7 Prozent und für 2016 mit 1,9 Prozent.

Von Überhitzung sprechen Ökonomen, wenn eine Wirtschaft über ihre Kapazitätsgrenzen wächst und damit mehr als üblich ausgelastet ist. Es kommt dann meist zu starken Preissteigerungen und Verwerfungen auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Zudem überschätzen Firmen die Nachfrage und investieren zu viel.

Für und Wider staatlicher Konjunkturprogramme

Weltweite Krisen...

... und sozialpolitische Weichenstellungen der Bundesregierung haben nach Einschätzung von Ökonomen die deutsche Wirtschaft ausgebremst. Auf der IWF-Jahrestagung ist die weltweit lahmende Konjunktur eines der wichtigsten Themen. Soll der Staat bei uns oder anderswo mehr investieren, um gegenzusteuern?

Pro: Mehr Aufträge

Mehr öffentliches Geld etwa für die Sanierung maroder Straßen, den Ausbau moderner Datennetze oder die Energiewende würden Bauwirtschaft und Handwerk Aufträge verschaffen. Das sichert auch Arbeitsplätze.

Pro: Mehr Konsum

Der Staat könnte Steuern und Abgaben senken, damit Haushalte und Unternehmen mehr konsumieren und investieren.

Pro: Mögliche Initialzündung

Idealerweise wird ein staatlicher Investitionsschub zur Initialzündung für die gesamte Konjunktur und bringt den Wachstumsmotor in Schwung.

Contra: „Konjunkturelle Strohfeuer“

Ein Mehr an staatlichen Investitionen ist keine Gewähr für dauerhaftes Wachstum. Kritiker sprechen von „konjunkturellen Strohfeuern“.

Contra: Staat holt Geld an anderer Stelle

Gibt der Staat an einer Stelle mehr Geld aus, muss er dies an anderer Stelle wieder reinholen. Schließlich will die Bundesregierung schon 2015 möglichst keine neuen Schulden machen.

Contra: Steigende Kreditzinsen

Staatliche Konjunkturprogramme können sogar nach hinten losgehen: Die Aussicht auf einen Anstieg des Staatsdefizits könnte die Kreditzinsen steigen lassen und so private Investitionen vermindern.

Kooths betonte, der Staat müsse seine Ausgaben kritisch prüfen. „Wer mehr investieren möchte, darf das nicht über Schulden finanzieren.“ Dies müsse über Umschichtungen im Haushalt geschehen oder über die Beteiligung der Privatwirtschaft bei der Finanzierung. Wichtig sei hierbei, dass „Private bei den Investitionen auch das Risiko mittragen“.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Herr Josef Schmidt

18.12.2014, 15:13 Uhr

Deutschland schrammt an Rezession vorbei mit Wirtschaftswachstum um die 0,1% im letzten Quartal und irgendwelche Experte reden schon von Überhitzung der Wirtschaft.

Ebenfalls die Propaganda mit dem Konsumboom in Deutschland. Die Kauflaune der Deutschen ist ungebrochen.

Ist das Einnahmesoll mit Propagandameldungen diese Woche noch nicht erreicht ?

Herr Egon Olsen

18.12.2014, 15:40 Uhr

Das Schlimme daran ist, dass die Typen dafür ein Honorar beziehen, dass einem schwindelig wird.

Herr Stephan Fehlmann

18.12.2014, 15:44 Uhr

Man hat erst vor Kurzem noch vor einer Rezession gewarnt, und einige Tage später warnt man schon wieder vor einer Ueberhitzung. Vor was warnt man uns als Nächstes? Was wollen all die Oekonomen und sogenannten Wirtschaftsweisen uns noch alles erzählen.? Das ist ja grauenhaft!

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