Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.05.2011

09:18 Uhr

Kommentar

Ein Kraftpaket Deutschland ist nicht ohne Risiko

VonNorbert Häring

Die deutsche Wirtschaft liefert rosige Nachrichten. So rosig, dass es schon unheimlich wirkt. Zumal mit dem Kraftpaket Deutschland keiner in der Euro-Zone mithalten kann. Das könnte zum Bumerang werden.

Die ersten drei Monate des Jahres waren wieder einmal ein Superquartal für die deutsche Wirtschaft. Mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, auf ein Jahr hochgerechnet entspricht das sechs Prozent, hat sie die anderen europäischen Länder und voraussichtlich auch fast alle Industrieländer hinter sich gelassen.

Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Unternehmensgewinne sprudeln, die Steuereinnahmen des Staates steigen kräftig. Die gerade erst abgeschlossene Steuerschätzung, die große Steuermehreinnahmen versprach, ist damit zumindest für die nähere Zukunft schon wieder zu konservativ. Denn ein Wachstum von rund 3,5 Prozent ist mit diesem Start in das Jahr leicht erreichbar. Das ist deutlich mehr als die Steuerschätzer angenommen haben. Soweit die guten Nachrichten.

Gleichzeitig beschleicht einen bei diesen Zahlen allerdings auch ein deutliches Unwohlsein. Wird der deutsche Fiskus seine Mehreinnahmen behalten dürfen, oder wird er sie früher oder später in Form von Fiskalhilfen an diejenigen europäischen Staaten wieder abgeben müssen, die mit diesem deutschen Kraftpaket nicht mehr mithalten können? Dann würden wir einen guten Teil der Exporte in diese Länder de facto verschenken.

Noch ist nicht absehbar, wer oder was das wirtschaftliche Auseinanderdriften der Währungsunion aufhalten könnte. Von den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen hat noch keiner ein überzeugendes Konzept präsentiert. Solange das so bleibt, wird sich immer etwas Bitterkeit in die Freude über die guten Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland mischen.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

28franzl

13.05.2011, 09:34 Uhr

Warum kann man sich nicht einfach mal über positive Nachrichten freuen und Optimismus verbreiten. Niemand nähme uns das übel. Von den Amerikanern kann man im Moment nicht viel lernen, aber Bitterkeit käme dort in dieser Situation definitiv nicht auf.

Ondoron

13.05.2011, 09:51 Uhr

Das bedeutet nichts Anderes, als dass Deutschland eine starke Währung benötigt - nicht den Euro. Eine Währung, die durchaus mal aufwerten darf und damit den Wohlstand in Deutschland erhöht.
Der Euro ist die größte Katastrophe für Europa. Diesen Spaltpilz, eingeführt von den eurokratischen Technokraten, wird Europa nicht mehr los. So ist es mit der Hybris überambitionierter politischer Projekte, die am Reissbrett ohne Wahrnehmung des Möglichen und Realistischen entworfen werden: Sie müssen scheitern. Schade nur, dass die Bevölkerung in den europäischen Staaten für diese "politischen Projekte" mit ihrem Wohlstand zahlen muss.
Dass die deutsche Wirtschaft gerade gut läuft, das ist die Beruhigungspille dafür, dass die Deutschen beim Euro noch stillhalten. Wenn die nächste Rezession da ist, dann wird's aber ungemütlich! Vor allem, wenn die Zinsen für die Bunds durch die Decke gehen. Viel Glück im Wolkenkuckucksheim!

Account gelöscht!

13.05.2011, 12:50 Uhr

Momentan läuft die deutsche Wirtschaft gut, bis die Inflation noch etwas steigt und die Leute kaum noch was kaufen können.
Und warum sprudeln die Firmengewinne so und die Arbeitslosigkeit ist gesunken?
Weil Deutschland EU-weit das Ausbeuterland ist und darauf müssen unsere "Eliten" nun wahrlich nicht stolz sein. Dumpinlöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, all das machen die Firmengewinne.
Aber Vorsicht, immer mehr Deutsche wachen auf und dann haben wir auf der Straße Zustände wie derzeit in Griechenland.
Aber vielleicht ist das auch nötig, um die Gier endgültig zu beenden und auch wieder ordentliche Politiker zu bekommen, die zum Wohle des deutschen Volkes handeln und nicht gegen ihr Volk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×