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08.06.2015

12:16 Uhr

Kommentar

Exportboom mit Schattenseiten

VonHans Christian Müller-Dröge

Es liegt nicht nur am billigen Euro: Die deutschen Exporte steigen weiter, auch die in die Euro-Zone. Das schiebt die ganze Ökonomie an, verschlimmert aber ein Problem: Das der hohen Leistungsbilanzüberschüsse.

Für die deutschen Exporteure ist der Schub, den der günstige Euro bringt, erst einmal erfreulich – und damit auch für die gesamte Volkswirtschaft. dpa

Lange Schatten am Brandenburger Tor

Für die deutschen Exporteure ist der Schub, den der günstige Euro bringt, erst einmal erfreulich – und damit auch für die gesamte Volkswirtschaft.

Deutschlands Exporteure machen weiter gute Geschäfte: Waren im Wert von 2,3 Millionen Euro wurden im April ins Ausland verkauft – pro Minute! Im ganzen Monat waren es über 100 Milliarden. Für einen April – in dem ferienbedingt immer wenig gearbeitet wird – ist das ein absoluter Rekord.

Tatsächlich zieht die Nachfrage nach Made-In-Germany wieder an. Zwar wachsen die Exporte in die Euro-Zone am langsamsten – doch sie wachsen, eindeutig und deutlich, mit rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Weil der Euro-Wechselkurs im Währungsraum keine Rolle spielt, ist das besonders erfreulich - zeigt es doch, dass es nicht allein Währungseffekte sind, denen der Aufschwung im Außenhandel zu verdanken ist. Und es waren zuletzt vor allem die ehemaligen Krisenländer Portugal und Spanien, die besonders viel aus Deutschland kauften.

Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.

Hans-Christian Müller-Dröge

Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.

Die Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone lagen zuletzt sogar mehr als sieben Prozent über Vorjahresniveau. Dabei sind es nicht mehr die großen Schwellenländer, die mehr aus Deutschland importierten. Tatsächlich kaufen Länder wie die Türkei, Brasilien und natürlich Russland heute deutlich weniger aus Deutschland als noch 2013. Und auch die Geschäfte mit Indien stagnieren. Es boomt in anderen Regionen: Ungarn und Polen steigern ihre Importe aus Deutschland besonders stark, ebenso die Koreaner, Briten und Amerikaner. Hier schlägt der Währungseffekt voll durch – der Euro hat gegenüber all diesen Währungen an Wert verloren.

Für die deutschen Exporteure ist der Schub, den der günstige Euro bringt, erst einmal erfreulich – und damit auch für die gesamte Volkswirtschaft. Doch wenn Exporte aus Deutschland billiger werden und Importe nach Deutschland teurer, verschlimmert das ein Problem – das der hohen Leistungsbilanzüberschüsse.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Wer mehr ex- als importiert, erbringt Leistungen, für die er erst einmal keine Gegenleistung bekommt – er verleiht also Geld und verzichtet auf Importe. Wer dauerhaft mehr ex- als importiert, verleiht immer mehr Geld ins Ausland. Seitdem die deutsche Leistungsbilanz 2002 endgültig ins Positive drehte, wurden fast zwei Billionen Euro verliehen.

Der Vorteil: Diesen immensen Kapitalstock kann Deutschland irgendwann aufzehren. Der Nachteil: Wie bei jeder Kapitalanlage kommt es darauf an, ob das Geld seinen Wert behält und möglichst ordentlich verzinst wird. Ob das klappt, darauf hat Deutschland letztlich kaum einen Einfluss. Ein Warnschuss war die Finanzkrise – während dieser ging viel Kapital verloren. Vielleicht ist es an der Zeit, die ausstehenden Gegenleistungen bald einmal einzufordern.

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