Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2012

15:53 Uhr

Kommentar

EZB schöpft Hoffnung

VonDirk Heilmann

Mario Draghis Strategie geht bisher auf. Statt den Druck von der Politik zu nehmen, hilft er lieber den Banken so viel wie möglich. Doch die kommenden Monate werden noch schwer.

Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann Pablo Castagnola

Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann

Entgegen der Forderungen vieler Ökonomen, auch des vom Handelsblatt ins Leben gerufenen EZB-Schattenrates, hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen heute nicht weiter gesenkt. Der Grund dafür ist ein zartes Pflänzchen Hoffnung, das die EZB auf dem konjunkturellen Feld ausgemacht hat. Von "zaghaften Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaftsaktivität auf einem niedrigen Niveau" sprach EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz in Frankfurt.

Damit hat er durchaus Recht, auch wenn die Euro-Zone seit Herbst in der Rezession stecken dürfte. In den Kernländern Deutschland und Frankreich gab es zuletzt einige positive Konjunkturindikatoren, gerade auch Stimmungsindikatoren. Insofern ist es vertretbar, dass die EZB noch abwartet, um zu sehen, wie ihre jüngsten Leitzinssenkungen und vor allem wie die Geldschwemme wirkt, mit der sie die Märkte beglückt hat.

Wenn sich im Februar die Lage weiter entspannt haben sollte, könnte der Rat die Leitzinsen wieder für längere Zeit auf dem Niveau von einem Prozent lassen, wenn nicht, gibt es noch etwas Spielraum nach unten. Die Inflation jedenfalls ist vorerst keine Gefahr - noch nicht einmal in Deutschland, wo der Arbeitsmarkt in einem guten Zustand ist, zeichnen sich inflationstreibende Lohnerhöhungen ab.

Insgesamt hat Draghi auch heute den Eindruck bestätigt, dass es ihm gut gelingt, die EZB zu führen. Die Gratwanderung, den Banken so viel wie möglich zu helfen, ohne den Druck von der Politik zu weiteren Refomen zu nehmen, klappt bisher. Die erfolgreich verlaufenen Auktionen von Staatspapieren seit Jahresbeginn sind ein gutes Zeichen. Doch die kommenden Monate werden noch schwer, und Draghi wird sein ganzes Geschick benötigen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vriegel

12.01.2012, 16:44 Uhr

"Insofern ist es vertretbar, dass die EZB noch abwartet, um zu sehen, wie ihre jüngsten Leitzinssenkungen und vor allem wie die Geldschwemme wirkt, mit der sie die Märkte beglückt hat"

Ich würde eher sagen es wäre unvertretbar gewesen weiter mit Kanonen zu schiessen, bevor man mal nachsieht, ob man schon getroffen hat. Sowieso muss sich erst mal der Rauch verziehen.. Gerade WEIL die kommenden Monate noch viel schwerer werden...

Realo

12.01.2012, 16:58 Uhr

Ich kann das hier alles nicht mehr lesen. Mir kommt die Galle hoch bei dieser Schönschreiberei.

Herr Heilmann trägt seinen Teil zur Volksverdumung bei. Herzlichen Glückwunsch.

Solange die grundsätzliche Frage nicht geklärt ist, ob es überhaupt erlaubt sein darf, Geld quasi aus dem Nichts zu schöpfen und hunderte von Milliarden, die durch nichts gedeckt sind, in die Realwelt zu pumpen, ist überhaupt nichts erklärt und auch nichts gerettet.

Account gelöscht!

14.01.2012, 08:50 Uhr

Momentan sieht es nicht danach aus, als ob das munter produzierte Zentralbankgeld in merklichem Umfang nachfragewirksam ist. Mal abgesehen von so irritierenden Erscheinungen wie die jüngste Auktion von deutschen Staatsanleihen zu negativen Renditen. Die Finanzintermediäre horten viel Geld und mißtrauen sich untereinander.

Falls sich das in naher Zukunft ändern sollte, darf man gespannt sein, wie sich dann die monetäre getriebene Inflation entwickelt und wie die Zentralbank dann das Geld wieder einsammeln will.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×