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09.11.2011

14:18 Uhr

Kommentar

Professorengeschwätz? Diesmal nicht

VonDorit Marschall

Das nahezu 500 Seiten dicke Gutachten der Wirtschaftsweisen, das Angela Merkel heute erhalten hat, sollte sie lesen. Sie sollte das Buch nicht als Ratschläge aus dem Elfenbeinturm abtun. Diesmal nicht.

Dorit Heß, Handelsblatt-Redakteurin. Pablo Castagnola

Dorit Heß, Handelsblatt-Redakteurin.

FrankfurtDie Ökonomenzunft mussten in der Krise zwar harsche Kritik einstecken, weil kaum einer von ihnen die Probleme kommen sah und weil ihre Konjunkturprognosen rückblickend mit der Realität wenig zu tun hatten. Die Wirtschaftsweisen haben ihre Lehre gezogen - und alternative Wachstumsszenarien aufgestellt, und eindeutig vor der erheblichen Unsicherheit ihrer Vorhersagen gewarnt. Denn: Vorhersehbar ist der Fortgang der Krise nicht. Es ist lediglich machbar, Szenarien aufzuzeigen, zu begründen und zu erläutern, welches wie wahrscheinlich ist.

Vor allem aber eine Kernbotschaft haben die Ratsmitglieder nach Berlin gebracht: ein klares Bekenntnis für Europa. Und eine klare Vorstellung, welche Rolle Deutschland dabei spielen soll. Das Land müsse „europäisch handeln“.

Auch wenn der Ton der Volkswirte diplomatisch und ihre Forderung nicht klar adressiert ist: Diese Botschaft geht eindeutig an die Adresse der Bundesregierung - und kann kaum anders verstanden werden als eine Klage, dass die Bundesregierung nicht verantwortungsvoll genug im Sinne Europas handelt. Wie ernst es den Ökonomen damit ist, demonstriert allein der Titel, den sie für ihr Gutachten gewählt haben: „Verantwortung für Europa wahrnehmen“.

Das erinnert stark an die Worte, die Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei der Verabschiedung von EZB-Präsident Trichet vor einigen Wochen in Frankfurt für die anwesenden hochrangigen Politiker fand: Es handele sich in Wahrheit „um eine Krise der Handlungsfähigkeit der politischen Organe›, hatte der Sozialdemokrat gewettert. Und noch drastischer formuliert: „Für die weitere Zukunft Europas ist das eine viel größere Bedrohung als die Überschuldung einiger Euro-Länder.“

Ein Altkanzler und Wissenschaftler können solche Kritik freilich leicht vorbringen - sie sind nicht eingebunden in langwierige Abstimmungsprozesse und müssen keine verfassungsrechtlichen Fragen beantworten. Ihre Forderung nach einem klar erkennbaren Kurs bleibt dennoch richtig.

Spätestens seit 2008 ist bekannt, was für dramatische Folgen es für die Realwirtschaft haben kann, wenn die Unternehmen verunsichert sind und sie keine Planungssicherheit haben. In den letzten Wochen hat sich angedeutet, dass einige Firmen geplante Investitionen zurückstellen - und erst einmal abwarten. Dieser für den einzelnen nachvollziehbaren Schritt ergibt einen riskanten Weg für die Gesamtwirtschaft. Ausgang ungewiss.

Kommentare (8)

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DrFriedrichHumboldt

09.11.2011, 15:22 Uhr

Wieviel europäischer soll eigentlich Deutschland noch handeln - sich total vergessen?? Solidarität ist keine Einfahrtstrasse und die Politiker können leicht das Wort Solidarität benutzen, wenn es das Geld des einfachen Mannes und der einfachen Frau ist und die Klomentatura abgehebt lebt. Um es klar zu sagen, der Traum vom Weltgeld für die Hochfinanz mit Zwischenstation Euro ist erst einmal aus!

Das Volk hat die Nase voll! Wir wollen kein ungedecktes Kreditgeld aus dem Nichts, das inflationiert wird und schwindet, sondern wieder Warengeld, gedeckt mit Gold und einem Waren- und Arbeitskorb, das das Volk wieder belohnt und umsorgt.

Account gelöscht!

09.11.2011, 15:23 Uhr

Frau Heß, was die Professoren um Prof. Hankel zum Euro vor 10 Jahren sagten, war kein Geschätz. Auf die Idee kommen Sie - wie die anderen Mitglieder dieser Journaille - aber leider nicht. Früher hätten Sie gut für die "Aktuelle Kamera" recherchieren können. Sie hätten mit Sicherheit einen Blechorden bekommen. Ganz verdient! Im Ernst!

Michel

09.11.2011, 15:25 Uhr

Man muss immer wieder feststellen, dass die Gedanken der Herren Henkels und Hankels klug und klar sind und wirkliche Lösungen sind statt dem delusionären Festhalten an einer verirrten politischen Ideologie um jeden wirtschaftlichen und finanziellen Preis.

Europa wird finanziell und wirtschaftlich wieder schnell gesunden, wenn wirtschaftspolitischer Realismus, wieder einkehrt, der Krebs der betrügerischen Wertschöpfung aus dem Nichts, die anarchisch sich auswirkende Deregulation der Bankenwelt und die Geschäfte mit vollkommen virtuellen 'Finanzprodukten' beseitigt wird und man endlich zurückfindet zu einem soliden System, in dem die Finanzwelt wieder der Wirtschaft und diese dem Volk und seinen Zukunftsinteressen dient und nicht umgekehrt! Dann sind wir von diesem Krebs geheilt!

Wissen um diese Inhalte einer neuen Ordnungspolitik sind bereits 50% des Weges, der nächste Schritt ist dessen Umsetzung!!

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