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21.06.2011

11:21 Uhr

Kommentar

Warum Amerika darf, was Griechenland verwehrt bleibt

VonNorbert Häring

Beide sind überschuldet, aber Amerika ist groß, Griechenland klein. Ein Zahlungsausfall wäre in beiden Fällen eine Katastrophe, aber im Gegensatz zu Athen hat Washington ein probates Mittel gegen die Zahlungsunfähigkeit.

Barack Obama verspricht bei einem Townhall-Meeting in Annandale, Virginia, die Staatsschulden zu reduzieren. Quelle: dpa

Barack Obama verspricht bei einem Townhall-Meeting in Annandale, Virginia, die Staatsschulden zu reduzieren.

FrankfurtGriechenland und die USA haben ziemlich ähnliche Probleme, nicht nur in der Richtung, sondern auch in der Intensität. Die US-Regierung ist mit knapp einer Jahreswirtschaftsleistung verschuldet, der Griechische Staat etwas höher. Dafür dürfte das Haushaltsdefizit der USA in diesem Jahr nur wenig unter zehn Prozent fallen, Griechenland scheint hier schon etwas weiter.

Beide Länder haben ein hohes Defizit im Außenhandel, wenn auch derzeit das griechische noch höher ist. Beide Länder sind weitgehend deindustrialisiert. Zwischen 1990 und 2010 ist die Beschäftigung in der US-Industrie um ein Drittel auf 11,5 Millionen gefallen. Waren 1960 noch drei von zehn Arbeitnehmern in der Industrie beschäftigt, ist es heute nur noch jeder zehnte. Bei diesem Rückgang kann nicht einmal Griechenland mithalten.

Warum also haben die Rating-Agenturen Griechenland schon auf tiefsten Ramsch-Status gesetzt, während sie bei den USA erst prüfen, ob sie der wirtschaftlichen Führungsmacht vielleicht irgendwann die Top-Bonität entziehen sollten?

Der wichtigste Unterschied ist, dass der Dollar die Weltleitwährung ist, und sich die USA daher in eigener Währung und sehr günstig verschulden können. Weil die USA so günstig Kredit im Ausland bekommen, sind ihre Nettoeinnahmen aus Kapitalanlagen immer noch positiv, obwohl die USA per Saldo hoch im Ausland verschuldet sind. Weil sie in eigener Währung im Ausland verschuldet sind, eine Währung, die sie selbst drucken können, haben sie es jederzeit in der Hand, ihre Auslandsschuld zu entwerten.

Ganz anders Griechenland. Als Mitglied er Währungsunion kann das Land keine eigene Währung drucken. Es kann nicht einmal abwerten, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit seiner Exportindustrie wieder herzustellen. Während die USA extrem günstig von den Kapitalmärkten Kredit bekommen, bekommt diesen Griechenland nur zu prohibitiv hohen Zinsen.

Aufgrund dieser Unterschiede können die USA ganz ungeniert weiter eine Politik der Nachfragestimulierung über Staatsausgaben und lockere Geldpolitik verfolgen, während Griechenland einer extrem restriktiven Finanzierungsbedingungen ausgesetzt ist und mit einem harten Sparkurs in der Finanzpolitik die Rezession noch verschlimmern muss, ein Kurs, der letztlich in den Konkurs oder die dauerhafte Abhängigkeit von Hilfszahlungen führen wird.

Staatsverschuldung

Kommentare (7)

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Joerg

21.06.2011, 14:23 Uhr

Es ist verwunderlich, dass Geld drucken können als besondere Leistung gilt und das Rating eines Landes beeinflusst. In der Vergangenheit ist solch eine Politik noch nie gut gegangen siehe z.B. Zimbabwe u.A...
Die Angelegenheit erinnert ein wenig an das Märchen "Des Kaiser's neue Kleider" und die Frage ist, wann jemand kommt und die Wahrheit sagt .....
Die Ratingagenturen wahrscheinlich nicht, die haben auch die letzte Finanzkrise nicht richtig beurteilt und nutzen jede Gelegenheit Europa negativ ins Rampenlicht zu zerren (um von Anderen abzulenken?)
Unverständlich, dass sie so viel Gehör finden.
Im Vergleich zu einer Sanierung von Griechenland, haben wir in Europa in den letzten Jahren schon sehr sehr viel mehr geleistet. (Aufbau nach dem Krieg, EU, Integration und Aufbau der südlichen und östlichen Nachbarn inkl. einer maroden DDR und europaweit Aufbau, Aufbau, Aufbau...in allen Bereichen.) Und jetzt will man uns einreden , dass das kleine Griechenland zum Stolperstein fuer das alles werden kann?
Ein bisschen mehr Mut Damen und Herren Politiker und Banker. Den selbsternannten Gurus in den Ratingagenturen und sonstigen Katastrophenpropheten in den Allerwertesten treten und den gesunden Menschenverstand einschalten. Wenn Sie die Rueckzahlung und einen Zins von ca. 6-8% garantieren, kaufen alle gern wieder Staatsanleihen von
Griechenland und von yx sowieso und der Spuk ist im Nu vorbei.
Und natuerlich Griechenland mit EU Hilfe und Know How zuegig sanieren.
Wie man Geruechte und Ängste bekämpft, hat unsere Bundeskanzlerin übrigens während der letzten Finanzkrise vorgemacht, als sie die Rückzahlung der Einlagen bei den Banken garantierte...geht doch!

Euronatiker

21.06.2011, 15:42 Uhr

Für mich ist eine USA Pleite nur noch eine Frage der Zeit. Wenn sich der Euro erst einmal erholt hat, wird das unschöne Auswirkungen auf den Kurs des Dollar haben. Noch schauen die Meisten auf Europa und Griechenland. Ist diese Hürde überwunden wird die Aufmerksamkeit wieder auf die Staatsverschuldung der USA fallen. Weltmacht und Weltwährung hin oder her, wir sollten nicht vergessen welche Stellung China bereits jetzt einnimmt. Der Osten wird in Zukunft den Ton angeben. Da wird eine gemeinsame Währung wie der Euro ein wichtiges Mittel zum Erhalt der EU beitragen. Griechenland bekommt Hilfe, aber die USA stehen am Ende alleine da!

Account gelöscht!

21.06.2011, 19:56 Uhr

Die Verschuldung der USA per GDP ist weniger als halb so groß wie die Griechenlands und niedriger wie Deutschland
http://www.slideshare.net/genauer/public-dept
da gibt es einen interessanten Kommentar auf CIA world factbook, warum das so vergleichbar ist.

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