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29.07.2011

20:00 Uhr

Kommentar

Warum Deutschland vom Euro-Drama profitiert

VonNorbert Häring

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich zuletzt eingetrübt. Wichtige Konjunkturindikatoren sind zurückgefallen. Dennoch gibt es Grund für Optimismus - dem Euro sei Dank.

Ein-Euro-Münzen liegen auf der Flagge der Europäischen Union (EU). Quelle: dapd

Ein-Euro-Münzen liegen auf der Flagge der Europäischen Union (EU).

FrankfurtDer deutschen Wirtschaft und den deutschen Konzernen geht es prächtig. Die Wirtschaftsleistung wächst in zwei Jahren um rund sieben Prozent, die Gewinne der Dax-Unternehmen erreichen Rekordniveaus. Doch die Aussichten trüben sich ein. Die Ausblicke der großen Unternehmen werden skeptischer, der Optimismus der übrigen nimmt ebenfalls ab, wie der Ifo-Index zum Geschäftsklima zeigt.

Damit drängt sich die Frage auf, ob uns im Herbst oder Winter schon wieder der nächste Abschwung bevorsteht, der dann auch das deutsche Jobwunder beendet. Gründe für Skepsis gibt es genügend. Die Schuldenkrise im Euro-Raum ist noch nicht entschärft. Mit Italien ist nun sogar eines seiner großen Länder von den Finanzmärkten unter Spardruck gesetzt worden. Staatliche Sparprogramme sind immer schlecht für die deutschen Exporteure.

Die Asiatische Entwicklungsbank sagt voraus, dass sich das sehr hohe Wirtschaftswachstum der ostasiatischen Länder abschwächt. Die Lieferungen von Maschinen und Anlagen in diese Boomregion haben einiges zu der starken Entwicklung der deutschen Exportwirtschaft beigetragen.

Und schließlich hängt ein großes Fragezeichen über der weiteren Entwicklung der US-Wirtschaft, an deren Schicksal wir in starkem Maße partizipieren: direkt über Exporte und indirekt über die Finanzmärkte. Schließlich steuert die Regierung in Washington auf die Zahlungsunfähigkeit zu und muss eigentlich kräftig sparen. Sowohl eine Staatspleite als auch ein Sparprogramm wären Gift für die dortige Wirtschaft, die ihr maßvolles Wachstum bisher nur mit starkem Rückenwind von der Finanzpolitik und der Geldpolitik bewerkstelligen konnte.

Im Inland wird es immer schwieriger für expansionswillige deutsche Unternehmen, noch genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, um neue Stellen zu besetzen. Das alles spricht nicht für einen fortgesetzten Aufschwung.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

29.07.2011, 20:20 Uhr

signed 100%. thumbs up!

So_ein_Kaese_wieder_mal

29.07.2011, 20:23 Uhr

Die Gleichsetzung Deutsche Wirtschaft = Deutschland ist leider das Grundübel dieser ständigen Behauptung, Deutschland würde vom Euro (nun sogar vom "Euro-Drama") profitieren. Den Gewinnen, die in der Privatwirtschaft anfallen mögen, stehen horrende Lasten für nachfolgende Generationen gegenüber. Und auf das Drama können wir alle gut verzichten, denke ich.

Buerge-r

29.07.2011, 20:42 Uhr

"..doch viel von dem Kapital, das aus den Partnerländern flieht, drängt nach Deutschland, so dass der deutsche Staat und deutsche Unternehmen extrem billig an Kredite kommen. Sie können Marktanteile zulasten von Konkurrenten in anderen europäischen Ländern gewinnen, in denen die Finanzierungsschwierigkeiten größer sind."

Das heißt also im Umkehrschluß, dass Deutschland die Jahre davor massiv unter dem Euro gelitten hat, da damals das Kapital (zumeist deutsches!) aus Deutschland abgeflossen ist und sich für wenige Zehntelprozentpunkte in mediterranischen Blasen prostituiert, verbrannt und verrannt hat. Tatsache ist also vielmehr, dass Deutschland jetzt nicht profitiert, sondern die Nachteile unter dem es 10 Jahre gelitten hat, sich nun abschwächen und die Lage sich normalisiert.

Genauso ein Unsinn ist das mit den Zinsen. Dass die Zinsen niedrig sind ist doch nicht per se gut. Ziel muss es vielmehr sein, sie auf einem Niveau zu halten, auf dem organisches Wachstum möglich ist. Wohin Zinsdoping führt kann man ja in Amiland besichtigen. Unwirtschaftliche Produktionen werden künstlich aufgeblasen oder am Leben erhalten und notwendige Anpassungprozesse werden verpennt und kummulieren sich so auf. Das Wirtschaftsgefüge wird immer instabiler und bricht irgendwann bei der kleinsten Wirtschaftswindböe zusammen. Alles in allem ein Artikel der Vulgärökonomie!

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