Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2015

11:11 Uhr

Kommentar zum Konsumklima

Freudentaumel mit Verfallsdatum

VonAxel Schrinner

Ölpreis und Niedrig-Zins versetzen die Verbraucher zu Recht in Hochstimmung – noch. Deutschland brummt. Doch wenn die Wohlfühl-Groko nicht schnell handelt, droht das Chaos. Denn Deutschland hat ein massives Problem.

Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche – wegen den niedrigen Kreditzinsen und dem niedrigen Ölpreis. Doch die Politik versäumt es, jetzt notwendige Weichen zu stellen. dpa

Konsum in Deutschland

Die Deutschen haben mehr Geld in der Tasche – wegen den niedrigen Kreditzinsen und dem niedrigen Ölpreis. Doch die Politik versäumt es, jetzt notwendige Weichen zu stellen.

Wer hat Angst vorm Grexit? In Deutschland offenbar niemand. Die Verbraucher sind jedenfalls in Hochstimmung. Das von den GfK-Marktforschern monatlich berechnete Konsumklima schnellte am Donnerstag auf den höchsten Wert seit Oktober 2001.

Und der Optimismus ist berechtigt. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit ist das derzeit das Risiko, seinen Job zu verlieren, so gering wie lange nicht mehr. Gleichzeitig setzen die Gewerkschaften in vielen Branchen Lohnsteigerungen durch, die sehr ordentlich sind, insbesondere wenn man sich vor Augen hält, dass es keine Inflation gibt. Mindestlohn und Rentenplus schaffen weitere zusätzliche Kaufkraft.

Überdies ermöglicht der niedrige Ölpreis bei den Verbrauchern Spielräume für andere Käufe. Das an der Tankstelle eingesparte Geld kann anderweitig ausgegeben werden. Größere Anschaffungen können Dank Mini-Kreditzinsen leicht finanziert werden. Kurzum: Derzeit läuft es prima für Deutschland.

Axel Schrinner

Axel Schrinner

Redakteur für Steuer- und Finanzpolitik.

Doch wie lange hält der Boom? Ganz sicher nicht ewig. Kurzfristig können jederzeit geopolitische Risiken den Aufschwung in Deutschland bremsen. Mittelfristig drohen Deutschland wegen der ultralockeren Geldpolitik Überhitzung und Vermögenspreisblasen, deren Platzen oft schwere realwirtschaftliche Folgen haben können.

Langfristig ungelöst ist zudem unsere Demografie-Problem. Letztes Jahr feierte der geburtenstärkste Jahrgang 50. Geburtstag. In etwa 15 Jahre geht er also in Rente. Was dann wird, weiß niemand. Klar ist nur eins: Desto später Einschnitte kommen, desto schmerzhafter werden sie.

Doch davon will in der Wohlfühl-GroKo niemand etwas wissen. Dort werden Feste lieber gefeiert, wie sie fallen: Vielleicht hält der Freudentaumel ja bis zur nächsten Wahl an.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Christoph Kohl

23.04.2015, 11:45 Uhr

Kurze Anmerkung meinerseitts: die Konjunktur unterliegt IMMER Schwankungen, natürlich geht es nicht immer so weiter. Man kann aber auch alles schlecht reden und die Demografie muss dann immer herhalten. Was in 15 Jahren ist, kann keiner seriös vorhersagen. Evtl. brauchen wir ja gar nicht mehr soviele Arbeitnehmer, Stichwort Roboter oder Digitalisierung! Wer weiß, aber im Moment steht Deutschland gut da und dann direkt so etwas rauszuhauen "Doch wenn die Wohlfühl-Groko nicht schnell handelt, dort das Chaos. Denn Deutschland hat ein massives Problem." ist für mich persönlich kein guter Journalismus, sondern Effekthascherei.

Frau Margrit Steer

23.04.2015, 12:01 Uhr

Wir waren in diesem Land schon mal weniger Leute und haben doch alle gut gelebt
Dies Gelabr über die Demografie geht mir etwas auf den Geist.
Außerdem ist die Poliik doch selber Schuld daran.
Wenn man Frauen nur noch zum Arbeiten jagt, muß man sich nicht wundern, wenn sie keine Kinder mehr bekommen

Herr richard roehl

23.04.2015, 12:04 Uhr

Ach ja? Sie glauben also, in den Ländern mit denen wir konkurrieren lebten nur Vollidioten und bei uns sind die genialen Überflieger beheimatet. Sicher wird es weiter Produktivitätsfortschritte geben, aber in den anderen Ländern auch, teilweise sogar grössere, da von niedrigerem Niveau kommend. Diese Länder haben aber nicht den Klotz am Bein, 70% unproduktive Rentner, Sozialhilfeempfänger und Beamte/Pensionäre durchfüttern zu müssen. Also werden wir in ein existenzielles Konkurrenzfähigkeitsproblem hineinlaufen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×