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22.01.2009

11:59 Uhr

Konjunktur

Abwärtsstrudel erfasst Asien mit voller Wucht

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die asiatischen Volkswirtschaften voll erfasst. Grund ist vor allem das schwächelnde China. Das Wachstum der Volksrepublik leidet stärker als erwartet unter dem globalen Abschwung und zieht damit die Exportindustrien von Taiwan, Südkorea und Japan mit in den Abwärtsstrudel.

Experten fürchten weitere negative Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Foto: dpa Quelle: dpa

Experten fürchten weitere negative Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Foto: dpa

HB PEKING. Im Gesamtjahr wurden aber noch neun Prozent erreicht, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Peking mitteilte. Das Wachstum in China ist damit auf den niedrigsten Stand seit 2001 gerutscht. Erstmals seit 2003 ist der Anstieg auch nicht mehr zweistellig. Experten rechnen in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum in China zwischen fünf und 7,5 Prozent.

"Die internationale Finanzkrise verschärft sich und breitet sich aus, während die negativen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft anhalten", sagte Statistikchef Ma Jiantang. Der deutlich schwächere Konjunktur in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde dämpft die Hoffnungen, dass zumindest China angesichts der Krise in den USA, Europa und Japan der Weltwirtschaft noch auf die Sprünge helfen kann. Der fallende Bedarf der chinesischen Wirtschaft für Teile und Materialien trifft bereits spürbar Exportindustrien in anderen asiatische Volkswirtschaften wie Taiwan, Südkorea und Japan.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Südkoreas schrumpfte nach Berechnungen der Zentralbank in Seoul im im Schlussquartal 2008 im Vergleich zum dritten Quartal des vergangenen Jahres um 5,6 Prozent und somit so stark wie seit der Asienkrise vor mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Im Jahresvergleich fiel das BIP in den Monaten Oktober bis Dezember angesichts sinkender Exporte, nachlassender Binnennachfrage und schrumpfender Sachinvestitionen um 3,4 Prozent, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Im Gesamtjahr 2008 legte Südkoreas Wirtschaft im Vergleich zu 2007 (plus fünf Prozent) um 2,5 Prozent zu.

Auch der Außenhandel Japans ist im Dezember regelrecht eingebrochen. Sowohl die Exporte als auch die Importe mussten deutliche Rückgänge hinnehmen, wie die japanische Regierung am Donnerstag mitteilte. So sanken die Ausfuhren auf Jahressicht mit einem Rekordwert von 35,0 Prozent, während die Einfuhren um 21,5 Prozent nachgaben. Damit wurden bereits pessimistische Markterwartungen von minus 30,1 Prozent (Exporte) und minus 16,5 Prozent (Importe) nochmals übertroffen. Die Handelsbilanz wies im Dezember den dritten Monat in Folge ein Defizit auf. Das Minus stand bei 320,7 Mrd. Yen (rund 2,75 Mrd. Euro). Im Gesamtjahr 2008 wies die Handelsbilanz zwar - wie für die Exportnation Japan üblich - einen Überschuss aus. Allerdings ging das Plus im Jahresvergleich um 80 Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang seit 27 Jahren.

Die japanische Zentralbank müht sich indes den Unternehmen zu helfen. Den Leitzins ließ sie zwar unverändert bei 0,1 Prozentpunkten. Der geldpolitische Rat der Bank von Japan (BoJ) beschloss am Freitag aber zugleich, Finanzinstituten kurzfristige Inhaberschuldverschreibungen von Unternehmen im Volumen von drei Billionen Yen (26 Mrd. Euro) abzukaufen.

In China fielen durch die Krise die Importe im letzten Quartal sogar um 8,8 Prozent, während die Exporte nur noch um 4,3 Prozent zulegten. Das Handelsvolumen wuchs im Gesamtjahr immerhin noch um 17,8 Prozent auf 2561 Mrd. $. Die Exporte stiegen um 17,2 Prozent auf 1428 Mrd. $. Die Importe legten um 18,5 Prozent auf 1133 Mrd. $ zu. Der Handelsüberschuss wuchs damit um 32,8 Mrd. auf 295,5 Mrd. $.

Chinas Industrieproduktion stieg im ganzen Jahr um 12,9 Prozent. Das sind 5,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im letzten Quartal verlangsamte sich der Zuwachs auf nur noch 6,4 Prozent - so wenig wie seit Beginn der Erhebungen 1994 nicht mehr. Mio. von Arbeitern haben bereits ihre Arbeit verloren. Rund ein Fünftel aller Wanderarbeiter, die zum Neujahrsfest am Wochenende in ihre Heimatdörfer heimkehren, seien von Fabrikschließungen oder der Einstellung der Produktion betroffen, schätzte das Statistikamt.

Das berichtete Wachstum von neun Prozent erscheint dem China-Ökonom Ben Simpfendorfer von der Royal Bank of Scotland noch "leicht übertrieben". Er hatte für das letzte Quartal statt der offiziellen 6,8 Prozent nur einen Anstieg um 5,4 Prozent erwartet. Er bleibt unverändert bei seiner Prognose von fünf Prozent für 2009. Wie schwer es wird, die heimische Nachfrage zu stärken, zeigt der langsamere Anstieg der Einzelhandelsumsätze, die 2008 um 21,6 Prozent zulegten.

"Das Verkaufswachstum wird in diesem Jahr weiter zurückgehen", sagte Wang Xiaoguang vom Forschungsinstitut der Entwicklungs- und Reformkommission. Es könne "eine lange Zeit dauern", bis das vier Billion Yuan (mehr als 400 Mrd. Euro) große Konjunkturprogramm der Regierung seine Wirkung zeige. Der geringere Zuwachs der Nachfrage ließ auch die Inflation fallen. Der Verbraucherpreisindex stieg im Dezember nur noch um 1,2 Prozent. Im Gesamtjahr wuchs der Index um 5,9 Prozent und lag damit deutlich unter den Werten noch zum Jahresanfang.

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