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28.04.2011

11:33 Uhr

Konjunktur

Arbeitslosenzahl sinkt erstmals unter drei Millionen

Die deutsche Wirtschaft brummt: Erstmals seit 1992 sind saisonbereinigt nur noch weniger als drei Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Für 2011 erwarten Konjunkturforscher nun sogar ein Rekordwachstum von drei Prozent.

Arbeitsministerin von der Leyen kann sich freuen: Nur noch knapp drei Millionen Menschen sind in Deutschland wegen der guten Wirtschaftslage arbeitslos. Quelle: dpa

Arbeitsministerin von der Leyen kann sich freuen: Nur noch knapp drei Millionen Menschen sind in Deutschland wegen der guten Wirtschaftslage arbeitslos.

Nürnberg/BerlinDie Frühjahrsbelebung und der stabile Wirtschaftsaufschwung haben im April zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl geführt. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, waren 3,078 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Das waren 132.000 weniger als im Vormonat und 321.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent - ein Jahr zuvor betrug sie noch 8,1 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl um 37.000 auf 2,970 Millionen zurück. Die saisonbereinigte Zahl lag damit erstmals seit Juni 1992 unter drei Millionen. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang um 30.000 gerechnet.

„Das ist eine recht starke Zahl vom deutschen Arbeitsmarkt. Die gute Entwicklung geht sicherlich im laufenden Jahr weiter, und auch für das kommende Jahr rechnen wir mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit“, sagte Volkswirt Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte: "Mit dem konjunkturellen Aufschwung hat sich auch die stabile, positive Arbeitsmarktentwicklung fortgesetzt." Norbert Braems, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim sieht die weitere Konjunkturentwicklung optimistisch: "Deutschland ist in Europa die stärkste Konjunkturlok, andere Länder werden davon profitieren." Auch Andreas Scheuerle von der Deka-Bank schätzt die Lage positiv ein: "Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Das sind ganz hervorragende Zahlen. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir weiter mit einer positiven Entwicklung, die guten Nachrichten dürften so schnell nicht abreißen."

Allerdings war der Frühjahrsrückgang in diesem April schwächer als im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür ist, dass die Osterfeiertage nach dem Stichtag lagen und viele Firmen neue Mitarbeiter erst nach den Ferien einstellen. Unbereinigt erhöhte sich die Erwerbstätigkeit mit der beginnenden Frühjahrsbelebung um 141 000 auf 40,51 Millionen - ein Plus von 554 000 binnen Jahresfrist. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Februar bei 27,93 Millionen, das ist ein Zuwachs von knapp 700 000 im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen um 457 000, die der Teilzeitstellen um 239 000 zu.  Derweil ging die Kurzarbeit weiter zurück. Nach den jüngsten Daten bezogen im Februar 151 000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Das waren 14 000 weniger als im Vormonat und 678 000 weniger als vor einem Jahr.  

Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt geht Hand in Hand mit einem anhaltenden Aufschwung der deutschen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2011 um 0,9 Prozent zu, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem Konjunkturbarometer am Donnerstag in Berlin berechnete. Im zweiten Quartal erwartet das DIW ebenfalls einen kräftigen Anstieg um 0,6 Prozent. Die Werte sind preis- und saisonbereinigt. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr würde dies ein Wachstum von starken 3,0 Prozent bedeuten.

Im ersten Quartal habe der Bau aufgrund des günstigen Wetters "ungewöhnlich kräftig" zugelegt, sagte DIW-Konjunkturexperte Vladimir Kuzin. Auch im zweiten Quartal dürfte die Industrie ordentlich wachsen. "Angesichts der guten Auftragslage stehen für die deutsche Konjunktur die Signale auf Grün", sagte Kuzin weiter.

Risiken berge das weltwirtschaftliche Umfeld. Die stark gestiegenen Ölpreise dürften das globale Wachstum etwas dämpfen. "Vor allem aber werden die Finanzmärkte wieder nervöser", erklärte Ferdinand Fichtner, Leiter Konjunkturpolitik am DIW. Die Schuldenkrise einiger Euroländer, die Katastrophen in Japan und die dramatische Situation der US-Staatsfinanzen beunruhigten. "Verschärfen sich die Probleme, könnte auch die Realwirtschaft wieder in Bedrängnis kommen", sagte Fichtner.

Kommentare (29)

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marco

28.04.2011, 10:19 Uhr

Und morgen kommt der Weihnachtsmann!

Man nehme eine Vollzeitstelle und ersetze diese durch 3 Teilzeitstellen auf 400 EUR Basis!

Dazu folgendes Zitat des Statistischen Landesamts Baden- Württemberg:

"Im Zeitraum von 2000 bis 2010 ist in Baden-Württemberg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigten um rund 184 000 (+35 Prozent) und die der Personen, die ausschließlich einem Minijob ausübten, um über 92 000 (+15 Prozent) angestiegen. Gleichzeitig ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um über 99 000 (-3 Prozent) zurück. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit mitteilt, erhöhte sich damit der Anteil der angestellten Arbeitnehmer, die einen Teilzeit- oder Minijob ausübten, innerhalb der letzten zehn Jahre von 26 auf 31 Prozent. Zur Jahresmitte 2010 waren im Südwesten knapp 4,6 Millionen angestellte Arbeitnehmer tätig, davon arbeiteten rund 717 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Teilzeit, gut 696 000 Personen hatten ausschließlich einen Minijob mit einer Verdienstgrenze von bis zu 400 Euro monatlich und rund 3,2 Millionen sozialversicherungspflichtige Männer und Frauen waren in Vollzeit tätig."

Account gelöscht!

28.04.2011, 10:27 Uhr

Und wenn man dann noch untersucht, wieviel der Teilzeitler und Minijobber unterstützend ALG II, Wohngeld etc. bekommen, wissen sie, wie toll der Arbeitsmarkt die Sozilakassen entlastet.

Detonator

28.04.2011, 10:28 Uhr

Dieser kreditfinanzierte XXL-Aufschwung ist lächerlich, ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis die Megablase endgültig platzt!

Liebe HB-Redaktion, Journalisten sollten sich nicht mit einer Sache gemein machen, vor allem sollten sie Sachverhalte gründlich recherchieren und nicht einfach irgendwelche „positive“ Regierungspropaganda ungeprüft veröffentlichen.

3 Millionen Arbeitslose plus 4 Millionen Hartz IV Bezieher (ebenfalls 2/3 arbeitssuchend) ergibt summa summarum = 7 Millionen Beschäftigungslose.
Oder hat man die Hartz IV Bezieher bereits auf dem 1. Arbeitsmarkt abgeschrieben???
Das hieß übrigens früher mal Arbeistlosenhilfe und war für die Betroffenen keine Falle in die Perspektivlosigkeit.
Mein Haß und meine Wut auf von der Leyen und Konsorten wächst von Tag zu Tag.
Irgendwann ist auch bei mir endgültig Schluß mit lustig und dann knallt es gewaltig, ihr werdet es erleben.

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