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27.03.2016

09:53 Uhr

Konjunktur

Aufschwung am Arbeitsmarkt flaut ab

Noch läuft es auf dem deutschen Arbeitsmarkt rund. Aber wie lange noch, fragen sich auch Experten. Die Konjunktur sorgt kaum noch für Schub. In der zweiten Jahreshälfte könnte das auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen.

Saisonbedingt rechnen die Volkswirte mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen von 80.000 auf 2,83 Millionen im März. dpa

Bauarbeiter

Saisonbedingt rechnen die Volkswirte mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen von 80.000 auf 2,83 Millionen im März.

NürnbergAuf dem deutschen Arbeitsmarkt zeichnet sich nach Expertenprognosen auch wegen des schwierigeren weltwirtschaftlichen Umfelds eine Abschwächung er bisherigen Dynamik ab. Auch wenn die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt im Vergleich zu 2015 sinken werde, sei in der zweiten Jahreshälfte saisonbereinigt mit einem Anstieg der Erwerbslosenzahlen zu rechnen, sagen Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur voraus. Ein Grund dafür sei auch die erwartete wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge, meinen die Fachleute.

Derzeit sei die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt aber noch weitgehend ungetrübt. Weder die aktuellen Absatzprobleme auf dem russischen und chinesischen Markt, der niedrige Ölpreis noch die Unsicherheit auf den deutschen Finanzmärkten mit Rückgängen beim Leitindex Dax zum Jahresbeginn dürften sich mittelfristig in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen, ist der BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar überzeugt. Langfristig aber eventuell schon.

Er und andere Volkswirte gehen daher zumindest saisonbereinigt von einer Stagnation oder sogar von einem leichteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahreshälfte aus. Dazu dürfte nach ihrer Einschätzung auch die allmählich steigende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge eine Rolle spielen; aber auch das werde wohl erst vom Sommer an in der Arbeitslosenstatistik ablesbar sein. „Das wird aber kein Rieseneffekt sein“, glaubt Kipar.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Für den März gehen die Volkswirte noch von einem saisonbedingten Rückgang der Erwerbslosenzahlen von rund 80.000 auf 2,83 Millionen aus. Dies wären rund 100.000 weniger als vor einem Jahr. Die März-Arbeitslosigkeit wäre damit etwas stärker gesunken als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Ohne die zum Frühjahrsbeginn etwas stärker ausgeprägten saisonalen Sondereffekte hätte auf dem Arbeitsmarkt nach Commerzbank-Prognose Stillstand geherrscht. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag (31. März) veröffentlichen.

Von

dpa

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