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25.01.2011

12:27 Uhr

Konjunktur

BDI dämpft Aufschwungsjubel

Das Konsumklima ist so gut wie seit Oktober 2007 nicht mehr, Deutschland importiert soviel wie seit 1952 - doch der BDI mahnt zur Vorsicht. Die Schulden in der Eurozone könnten zum Konjunktur-Killer werden, warnt der Verband.

Wegen der Unruhe an den Finanzmärkten ist beim Aufschwung Vorsicht angesagt, meint BDI-Chef Keitel. Quelle: dpa

Wegen der Unruhe an den Finanzmärkten ist beim Aufschwung Vorsicht angesagt, meint BDI-Chef Keitel.

BerlinTrotz optimistischer Konjunkturprognosen warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor Risiken für den Aufschwung. „Die Wirtschaft erholt sich, aber das finanzielle Umfeld ist nicht nachhaltig“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel am Dienstag in Berlin angesichts der Schuldenkrise in Europa. „Von gesunden Verhältnissen an den Finanzmärkten kann keine Rede sein. "Die Schuldenkrise mache deutlich, dass die Finanzmärkte endlich einen soliden Ordnungsrahmen bekommen müssten. „Die Finanzseite darf uns nicht die Ernte verhageln“, sagte Keitel

Der BDI sagt für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,5 Prozent voraus. Er ist damit etwas optimistischer als die Bundesregierung, die mit plus 2,3 Prozent rechnet. „Das klingt gut, ist ein Grund zur Freude - und doch noch kein selbsttragendes Wachstum“, warnte Keitel. Neben der mangelnden Solidität der öffentlichen Haushalte zähle auch die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten zu den Risiken für den Aufschwung.

Der BDI-Präsident beklagte außerdem zu geringe Investitionen in Deutschland. Sie seien das „Schmiermittel der Volkswirtschaft im schärfer werdenden weltweiten Wettbewerb“. Doch seit der
Wiedervereinigung sei die Nettoinvestitionsquote drastisch gesunken - von 9,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf nur noch 1,8 Prozent. „Deutschland steht kurz davor, von seiner Substanz zu leben“, sagte Keitel. „Wir brauchen dringend Investitionen - in Bildung, Forschung, Infrastruktur und für eine CO2-arme und ressourceneffiziente Volkswirtschaft.“

Die Politik müsse Investitionen rentabler machen - „durch vernünftige Unternehmenssteuern, wettbewerbsfähige Energiekosten, gute Bedingungen für Forschung und Entwicklung, sinkende Bürokratiekosten“. Der Staat müsse intelligent sparen und so höhere öffentliche Investitionen ermöglichen.

Auch die neusten Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen machen keine Hoffnung: Die Arbeitslosigkeit bleibt einer ILO-Studie zufolge trotz der anziehenden Wirtschaft weltweit hoch. Auch im laufenden Jahr sei nicht damit zu rechnen, dass sich die Lage an den Arbeitsmärkten spürbar entspanne. 203,3 Millionen Menschen dürften ohne Job sein
- das entspreche einer Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent.

„Die schwache Entwicklung auf den Arbeitsmärkten steht dabei in scharfem Kontrast zu anderen Indikatoren wie Wirtschaftswachstum, Börsen, Welthandel und privatem Konsum, die
alle wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht haben“, schrieben die Experten in ihrem im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels in Davos veröffentlichten Bericht. Die Wirtschaft ziehe um 4,2 Prozent
an. Damit ist die ILO etwas pessimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF), der 4,4 Prozent Zuwachs erwartet.

Von

dpa

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