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23.01.2009

11:13 Uhr

Konjunktur

Britische Wirtschaft blickt in den Abgrund

Die britische Wirtschaft blickt in einer düstere Zukunft. Nachdem gestern miese Zahlen zu den Aufträgen für die Industrie gemeldet wurden, folgt heute die nächste schlechte Nachricht: Die Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sehen das Vereinigte Königreich erstmals seit 1991 in der Rezession.

Großbritannien ist das erste große europäische Land, das Zahlen für die Konjunkturentwicklung Ende 2008 vorlegt. Foto: Reuters Reuters

Großbritannien ist das erste große europäische Land, das Zahlen für die Konjunkturentwicklung Ende 2008 vorlegt. Foto: Reuters

HB LONDON. Ende 2008 schrumpfte die Wirtschaft um 1,5 Prozent und damit so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Das britische Pfund setzte seine Talfahrt am Freitag fort und fiel zum Dollar auf ein 23-Jahres-Tief. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits im Sommer um 0,6 Prozent geschrumpft war, blieb im Gesamtjahr nur ein mageres Plus von 0,7 Prozent. 2007 war die Wirtschaft noch um drei Prozent gewachsen. Für das laufende Jahr befürchten Experten sogar den stärksten Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg.

Finanzminister Alistair Darling nannte den Quartals-Rückgang deutlich kräftiger als erwartet. Wegen der schwachen Exportmärkte sei die Industrieproduktion stark gesunken, sagte er Sky News. Fachleute hatten nur mit einem BIP-Minus von 1,2 Prozent gerechnet. „Die Wirtschaft ist mit einem mächtigen Knall im vierten Quartal in die Rezession gerutscht“, sagte Howard Archer von Global Insight. Für 2009 rechnet er mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent.

Die Finanzkrise trifft Großbritannien besonders hart. Die Regierung hat mehrere Großbanken teilverstaatlicht und musste bereits ein zweites milliardenschweres Hilfspaket schnüren, um den Finanzsektor vor dem Kollaps zu bewahren. Die Zentralbank des Landes senkte ihren Leitzins seit Oktober von 5,0 auf das historische Tief von 1,5 Prozent. Für kommenden Monat erwarten Experten sogar einen weiteren Schritt nach unten. Die Regierung stemmt sich mit Steuersenkungen und höheren Staatsschulden in Milliardenhöhe gegen den Abschwung.

Neben der Industrie ging auch den Dienstleistern Ende 2008 fast die Puste aus. Der Service-Sektor, auf den drei Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung entfallen, schrumpfte zwischen Oktober und Dezember um einen Prozent zum Vorquartal. Dies war der stärkste Einbruch seit 1979. Die Industrie drosselte ihre Produktion um 4,6 Prozent. Großbritannien ist das erste große europäische Land, das Zahlen für die Konjunkturentwicklung Ende 2008 vorlegt. Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt zwischen Oktober und Dezember den Rückgang der Wirtschaftsleistung auf bis zu zwei Prozent zum Vorquartal geschätzt.

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