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15.07.2015

08:51 Uhr

Konjunktur China

Einzelhandel stützt Chinas Wirtschaftswachstum

Chinas Wirtschaft ist dank eines starken Binnenkonsums auch im zweiten Quartal des Jahres um sieben Prozent gewachsen. Ökonomen hatten weniger erwartet. Für Unsicherheit sorgt allerdings der jüngste Börsencrash.

Der Einzelhandel stützt Chinas Wirtschaftswachstum. ap

Schlussverkauf in Peking

Der Einzelhandel stützt Chinas Wirtschaftswachstum.

PekingDie chinesische Wirtschaft wächst ungeachtet schwerer Börsenturbulenzen in stabilem Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um sieben Prozent zum Vorjahreszeitraum zu – genauso kräftig wie im ersten Quartal und etwas schneller als von Ökonomen erwartet. Das sei vor allem der steigenden Kauflaune der Verbraucher zu verdanken, teilte das Statistikamt am Mittwoch in Peking mit.

„Wir müssen allerdings feststellen, dass sowohl die inneren als auch die äußeren Konjunkturbedingungen kompliziert bleiben.“ Das weltweite Wachstum sei „uneben und langsam“. Der im Juni begonnene Börsencrash in China – der zeitweise fast vier Billionen Dollar Marktwert vernichtete – löste Sorgen aus, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ins Schlingern gerät.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Immobilienblase

Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

Schattenbanken

Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

Faule Kredite

Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

Überkapazitäten

Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

Internationale Krisen

Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Das robuste Wachstum animierte die chinesischen Anleger nicht zu Käufen: Die Leitindizes der Börsen in Schanghai und Shenzhen fielen um jeweils mehr als vier Prozent. Investoren interessierten sich derzeit eher für Maßnahmen der Politik zur Stabilisierung der Finanzmärkte, sagte Analyst Zhang Qi vom Vermögensverwalter Haitong Securities. „Die Verbindungen zwischen Konjunkturdaten und dem Markt haben sich etwas gelockert.“

Als Konjunkturlok erwies sich der private Konsum. Er steuerte im gesamten ersten Halbjahr 60 Prozent zum Wachstum bei, nachdem es 2014 51,2 Prozent waren. Der Einzelhandelsumsatz legte im Juni um unerwartet kräftige 10,6 Prozent zu. „Das ist ein ermutigendes Signal“, sagte Analyst Andrew Colquhoun von Fitch Ratings.

Auch die Investitionen zogen zuletzt stärker als erwartet an, während die Exporte unter der weltweit schwächelnden Nachfrage leiden. Die Regierung strebt auch für das Gesamtjahr 2015 ein Wachstum von sieben Prozent an – es wäre das schwächste seit einem Vierteljahrhundert. Um die Konjunktur anzuschieben, senkte die Zentralbank zuletzt mehrfach ihren Leitzins.

Den jüngsten Börsencrash verfolgen auch die deutschen Exporteure mit Sorge. „Das ist beunruhigend“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. „Die Hoffnung ist, dass die chinesische Regierung das in den Griff bekommt.“ Der weltgrößte Automarkt China wächst nach einer Prognose des dortigen Branchenverbandes in diesem Jahr auch wegen der Börsenturbulenzen nicht einmal halb so stark wie bislang angenommen. Audi musste in seinem weltweit größten Einzelmarkt im Juni ein Absatzminus von fast sechs Prozent hinnehmen.

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rtr

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