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16.04.2014

06:45 Uhr

Konjunktur

China wächst langsamer als die Regierung möchte

Dem chinesischen Wirtschaftswunder geht die Puste aus. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie schon lange nicht mehr – aber es ist nicht so schlimm wie erwartet.

Wachstum verlangsamt sich

Chinas Wirtschaft lahmt

Wachstum verlangsamt sich: Chinas Wirtschaft lahmt

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PekingChinas Wirtschaft ist im ersten Quartal dieses Jahres nur noch um 7,4 Prozent gewachsen. Dies ist das langsamste Wachstum seit 18 Monaten und liegt unter dem selbst gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr. Die Erwartungen von Analysten waren mit 7,3 Prozent allerdings noch schlechter, so dass die Reaktionen eher positiv ausfielen. Das Statistikamt sprach am Mittwoch in Peking davon, dass sich die Wirtschaft „insgesamt stabil“ entwickle. Auch Analysten sahen zumindest im März leichte Verbesserungen.

Sollte es allerdings in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum der heute zweitgrößten Volkswirtschaft seit 24 Jahren. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Wirtschaftsleistung noch um jeweils 7,7 Prozent zugelegt. Ein langsameres Wachstum in China beeinträchtigt auch die globale Konjunktur und die Exporte deutscher Unternehmen ins Reich der Mitte. So fiel der chinesische Außenhandel im ersten Quartal um ein Prozent.

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Vor allem geringere Aktivitäten im Export und Immobiliensektor drückten das Wachstum, wie Chefökonom Louis Kuijs von der Royal Bank of Scotland (RBS) sagte. Das Wachstum im Dienstleistungsbereich sei aber besser als in der Industrie. „Die Wachstumsrisiken bleiben, und die Dynamik der Wachstumspolitik dürfte die Märkte in den nächsten Monaten nervös halten“, sagte Kuijs.

Immobilieninvestitionen legen weniger stark zu

Die heimische Nachfrage entwickelte sich aber nicht schlecht. Der Einzelhandel legte im ersten Quartal um zwölf Prozent zu. Nach Abzug der Inflation waren es immer noch 10,8 Prozent, wie das Statistikamt berichtete. Der überhitzte Immobilienmarkt kühlte sich etwas ab. Die Wohnungs- und Hausverkäufe nahmen im ersten Quartal um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab. Investitionen in Immobilien stiegen nur noch um 16,8 Prozent und damit 2,5 Punkte weniger.

Nach vielen Jahren zweistelligen Wachstums strebt die chinesische Regierung eine nachhaltigere Entwicklung und Umstrukturierung der Wirtschaft an. Dafür sollen auch niedrigere Wachstumsraten als bisher in Kauf genommen werden, solange genug Arbeitsplätze geschaffen werden können. Eine große Gefahr sind aber faule Kredite und mögliche Pleiten in dem ausufernden Schattenbankenwesen.

Regierungschef Li Keqiang hatte vor einer Woche vorübergehende Konjunkturprogramme als Reaktion auf kurzfristige Fluktuationen ausgeschlossen. Allerdings war erst Anfang April ein Mini-Stimulus mit Steuerermäßigungen und Investitionen in Eisenbahn und sozialen Wohnungsbau auf den Weg gebracht worden.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

16.04.2014, 08:41 Uhr

Sieht man sich die Gesamtheit der in der letzten Zeit veröffentlichten Daten an, dann stammen die 7,4 Prozent nicht aus dem Reich der Mitte sondern aus dem Märchenreich.

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16.04.2014, 08:51 Uhr

Dass Analysten seltsam ticken, habe ich in den letzten Jahren gemerkt. Hat jetzt auch das Handelsblatt keinen objektiven Journalismus mehr drauf?

Also die 7,4% Wachstum (chinesische Zahl) liegt über den Erwartungen der Analysten von 7,3%. Deshalb würde alles gut?!

Ich halte beide Zahlen für grob gewürfelt. Die chinesischen sowieso. Die Tendenz mit hohen Abweichungen von den o.g. Zahlen ist das einzig Klare. Es geht abwärts! Ich hätte hier einen kritischeren Bericht des HB's erwartet, der auch die genannten Zahlen mit deutlich erkennbaren Fragezeichen versieht.

Account gelöscht!

16.04.2014, 09:11 Uhr

Wie erklärt sich das geringere Wachstum Chinas? -
"Vor allem geringere Aktivitäten im Export und Immobiliensektor drückten das Wachstum, wie Chefökonom Louis Kuijs von der Royal Bank of Scotland (RBS) sagte."

Angesichts der in China aus dem Boden gestampften Trabantenstädte und ihrer Dimensionen würde man nach hiesigen Maßstäben eher von Wahnsinn als Überhitzung reden. Aber es handelt sich nun einmal um den noch bevölkerungsreichsten Wirtschaftsraum der Welt, der sich in einem rasanten Transformationsprozess von einer Ackerbaugesellschaft in das Industriezeitalter befindet. Trotzdem, wenn das gelingt, dass der Immobilienmarkt sich nur abkühlt und nicht wie eine Blase platzt, können die dafür zuständigen Planer sich auf die Schulter klopfen lassen.

Und dann geht der Außenhandel zurück, vor allem zu Lasten des Exports, während vom Import nicht die Rede ist. Wie ermutigend ist es doch, wenn zu Gunsten der Binnennachfrage die Exportüberschüsse abgebaut werden. Wer immer mehr exportiert als importiert, muss damit rechnen, dass die Geschäftspartner eines Tages nicht mehr zahlen können, die ja zwangsläufig immer mehr importieren als im Gegenzug an Lieferungen von ihnen abgefragt wird. Vielleicht wird in Folge dieser und kommender Lohnrunden das deutsche Wirtschaftsmodell endlich den Chinesen auf ihrem Weg folgen und sich ebenfalls besser ausbalancieren.

Wenn China nunmehr auf diese Ziele einschwenkt, dabei einen verstärkten Akzent auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit der Wirtschaft legt und trotzdem das Wachstumsziel von 7,5 % um nur einen zehntel Prozentpunkt verfehlt, darf man das ungefähr noch als Punktlandung ansehen, so als würde ein Segelboot bei Donner, Sturm und Hagelschlag die Lindauer Hafeneinfahrt nicht ganz mittig treffen. In der Tat, diese Leistung der Chinesen hätte eine andere Schlagzeile verdient!

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