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19.10.2016

07:25 Uhr

Konjunktur-Daten

Chinas Wirtschaftswachstum ist nicht gesund

VonStephan Scheuer

Die Volksrepublik wächst nach Plan. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte wie erwartet um 6,7 Prozent zu. Der Immobilienmarkt machte die Einbrüche im Außenhandel wett. Doch der Boom stößt an Grenzen.

Aktuelle Konjunkturdaten

„China ist für deutsche Wirtschaft enorm wichtig“

Aktuelle Konjunkturdaten: „China ist für deutsche Wirtschaft enorm wichtig“

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PekingChinas oberster Statistiker Sheng Laiyun gibt sich äußerlich gelassen. „Wir sollten das nicht überbewerten“, sagte der Sprecher des Nationalen Statistikamtes am Mittwoch. Ja, es gebe Sorgen um ein Überhitzen des Immobilienmarktens. Und ja, dank der großen Preissteigerungen stehe die zweitgrößte Volkswirtschaft auch im dritten Quartal des Jahres gut da. Mit 6,7 Prozent Zuwachs im Jahresvergleich habe das Wachstum schließlich etwa so hoch wie in den beiden Quartalen zuvor gelegen.

Doch wenn Chinas Chefstatistiker beruhigen will, horchen die Fachleute auf. „Der Immobiliensektor hat im dritten Quartal acht Prozent zum Wirtschaftswachstum beigesteuert“, sagte Sheng. Damit habe der Sektor den Einbruch des Außenhandels um 7,8 Prozent mehr als ausgleichen können. Besonders die Ausfuhren von Exportweltmeister China schwächeln. In US-Dollar gerechnet waren die Exporte im September um 10 Prozent eingebrochen.

Doch die steigenden Mieten und das Geschäft mit Immobilien gehen den reichen Metropolen an der Ostküste bereits zu weit. Während im Westen Chinas ganze Stadtviertel leer stehen, können sich viele Angestellte in Peking kaum noch die Mieten leisten. Deshalb will die Stadt mit neuen Regeln das Geschäft bremsen. Ähnliche Pläne haben Tianjin, Shenzhen, Guangzhou und 15 weitere Städte angekündigt.

Die Ansagen zeigen bereits Effekte – allerdings nicht unbedingt die, die die Stadtverwaltungen beabsichtigt haben. Denn die Nachfrage nach Krediten wuchs stark an, da Investoren noch schnell vor der Umsetzung der neuen Regeln ihre Immobiliengeschäfte abwickeln wollten, sagte der Ökonom Shen Jianguang vom japanischen Finanzhaus Mizuho. „Unserer Meinung nach sollte die Regierung sehr vorsichtig sein, wenn sie Luft aus der Blase lässt. Sonst könnte sie einen Zusammenbruch des Marktes auslösen.“

Der Traum vom Eigenheim ist sehr wichtig für viele Chinesen. Eine eigene Wohnung gilt als eine der besten Geldanlage in Chinas Metropolen. Sie soll als Alterssicherung dienen und vor den rasanten Mietsteigerungen schützen. Als China 2009 auf die Finanzkrise mit einem gewaltigen Konjunkturpaket reagierten, entwickelten sich die Immobilienpreise in den Großstädten rasant. Nun soll der Boom eingedämmt werden, bevor es zum Crash kommt.

Doch das wird Chinas Wachstum runterziehen, meinte Commerzbank-Analyst Zhou Hao. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilien-Marktes Chinas Wirtschaftswachstum während der folgenden Quartale belasten wird“, schrieb Zhou in einer Analyse.

Kommentare (6)

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Herr Peter Noack

19.10.2016, 11:14 Uhr

Immer der gleiche Fehler!!!

Die einseitige Betrachtung der relativen Zahlen muss zu Fehlurteilen führen. Das Wachstum in China ist immer noch fast vier mal so hoch wie in den USA mit anualiaierten 1,8 Prozent.
Man kann also leicht ausrechnen, wann China die USA überholt.
Übrigens: Hat China durch die niedrigen Öl- und Rohstoffpreise gar nixhts gespart bei Unrternehenm Staat und Bürgern? Muss China mehr exportieren, um diese Rohstoffimporte zu bezahlen? Was steht darüber im Beitrag? So objektiv ist der Bericht also.

Herr Tom Schmidt

19.10.2016, 11:15 Uhr

Gehen wir doch einen Schritt zurück: selbst in unserem offenen System, sind wir kaum in der Lage Statistikfälschungen als solche zu erkennen und danach zu handeln. Siehe Griechenland. (und Realwirtschaftliche Daten werden bei uns auch nicht veröffentlicht)

Das übertragen wir dann auf China. Ein System ohne Pressefreiheit bei dem Propaganda ganz normal ist und abweichende Meinungen unterdrückt werden. Zudem kommt der kulturelle Aspekt, wenn die Regierung 6 % veröffentlicht, heisst das "wir haben uns für Euch angestrengt, seid dankbar".

Dementsprechend werden immer die gwwünschten Wachstumszahlen erreicht, trotz heftiger Schwankungen der Einzelposten... ja wer hat denn mit etwas anderem gerechnet? Ganz ehrlich: Wer überhaupt erwartet, dass die chin. Statistik irgendetwas aussagt, ist nicht ganz richtig im Kopf. Wenn man wissen will, wie der chin. Export läuft, muss man die Importe der anderen ansehen! China hat das zuletzt so schlecht gefälscht, dass es jetzt nicht mehr geht!

Das Problem ist nur, dass China realwirtschaftlich nur ein Bruchteil von dem ist, was man denkt. Und die anderen Volkswirtschaften ja auch fälschen (oder gibt es wieder Zahlen zur US-Verschuldung?). Das will man aber nicht aussprechen, weil man sich dann sehr bösen Konsequenzen stellen muss und vor allem derjenige, der es als erstes sagt, vom Rest als Krisengrund an die Wand genagelt wird!

Herr Tom Schmidt

19.10.2016, 11:46 Uhr

@Noack

in der Krise 2009 hat China neue Kredite in Höhe der halben chin. Wirtschaftsleistung in Umlauf gebracht (was als Wirtschaftsleistung verbucht wurde).

vor 1,5 Jahren vermeldet China, dass der Export weltweit schwächelte, nur die EU hätte soviel eingekauft, dass der chin. Gesamtexport (!) um 20% gestiegen sei. Gleichzeitig hat Herr Draghi QE wegen der Stagnation eingeführt und die europ. Häfen verzeichneten kaum Zugewinn.

Vor einiger Zeit berichtete das Handelsblatt, dass über den chin. Export die Abschottung des chin. Kapitalmarktes durch fingierte (bzw. überhöhte Rechnungen) im großen Stil umgangen wurde...

Wenn Sie die Auswirkungen solcher Effekte nur überschlagsmässig quantifizieren... kein Mensch weiss, ob China überhaupt wächst! Die Wachstumszahlen können Sie in die Tonne treten (zugegebenermassen die westlichen auch... niemand trackt, wann die jeweiligen Gelddruckaktionen der Zentralbanken in den Bilanzen der Volkswirtschaft wirksam werden)

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