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24.05.2016

09:35 Uhr

Konjunktur

Der deutschen Wirtschaft geht es gut

Investitionen, kauflustige Verbraucher, milder Winter: Die deutsche Wirtschaft hatte einen guten Jahresstart. Auch die Flüchtlinge haben daran ihren Anteil. Der DIHK hebt seine Wachstumsprognose an.

Die deutsche Wirtschaft ist angetrieben von steigenden Investitionen der Unternehmen, kauflustigen Verbrauchern und dem milden Winter schwungvoll ins Jahr 2016 gestartet. dpa

Shoppen in der Hamburger Innenstadt

Die deutsche Wirtschaft ist angetrieben von steigenden Investitionen der Unternehmen, kauflustigen Verbrauchern und dem milden Winter schwungvoll ins Jahr 2016 gestartet.

WiesbadenDie deutsche Wirtschaft ist angetrieben von steigenden Investitionen der Unternehmen, kauflustigen Verbrauchern und dem milden Winter schwungvoll ins Jahr 2016 gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit eine erste Schätzung. Es war das stärkste Plus seit zwei Jahren. Im vierten Quartal 2015 war die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gewachsen.

Impulse kamen zum Jahresanfang vor allem aus dem Inland. Begünstigt durch den milden Winter zogen die Investitionen in der Bauwirtschaft kräftig um 2,3 Prozent an. Die Unternehmen investierten mehr in Ausrüstungen (plus 1,9 Prozent) - zum Beispiel Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Angekurbelt wurde die Konjunktur auch von der Kauflust der Verbraucher und den Ausgaben des Staates für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge.

Die Exporte legten trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur nach vorläufigen Berechnungen um 1 Prozent zu. Da die Importe aber noch stärker stiegen, dämpfte der Außenhandel unter dem Strich das Wirtschaftswachstum.

Auch im Vorjahresvergleich wuchs die deutsche Wirtschaft: Das preisbereinigte BIP stieg um 1,3 Prozent – kalenderbereinigt um 1,6 Prozent, weil es einen Arbeitstag weniger gab als ein Jahr zuvor.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) blickt etwas optimistischer auf die Konjunktur. Er erhöhte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,3 auf 1,5 Prozent. „Bau und Konsum tragen die Konjunktur durchs Jahr“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag. Sein Verband bleibt aber vorsichtiger als die Bundesregierung: Diese rechnet mit einem Plus von 1,7 Prozent, was dem Ergebnis von 2015 entsprechen würde.

Der DIHK stützt seine Schätzung auf eine Umfrage unter 24.000 Unternehmen. Diese bewerten ihre Geschäftslage im Frühjahr nicht mehr ganz so gut wie zu Jahresbeginn: 43 Prozent statt zuvor 46 Prozent bezeichnen sie als gut, neun statt acht Prozent als schlecht. „Im langfristigen Vergleich bleibt die Stimmung aber gut, vor allem dank der Entlastung durch den niedrigen Ölpreis und attraktiver Finanzierungsbedingungen“, hieß es. Gleichzeitig blicken die Firmen optimistischer nach vorn. „Gerade Handel und konsumnahe Dienstleister sind zuversichtlich“, erklärte der DIHK.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Dagegen trübten sich die Exporterwartungen ein. „Derzeit fehlen weltweit die Wachstumstreibe“, erklärte die Kammer. „Die Weltwirtschaft ist durch politische Krisen und Rezessionen in einigen Ländern geprägt.“ Sonderfaktoren wie der vergleichsweise schwache Euro-Kurs und die Entlastung durch den niedrigen Ölpreis stützten hingegen die globale Nachfrage.

Für die kommenden Monate planen die Betriebe mit stabilen Investitionsbudgets. Sie wollen zudem mehr Mitarbeiter einstellen, vor allem der Handel, viele Dienstleister und die Baubranche. Insgesamt wollen 18 Prozent der befragten Unternehmen ihr Personal ausweiten und 70 Prozent ihren aktuellen Beschäftigungsstand halten, während zwölf Prozent mit weniger Mitarbeitern planen.

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