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06.07.2015

15:00 Uhr

Konjunktur der Industrie

Deutsche Industrie erhält weniger Aufträge

Die Geschäftszahlen der deutschen Industrie waren im Mai in geringem Maße rückläufig. Dennoch zeichnet sich Belebung im zweiten Quartal ab. Experten sehen in Griechenland allerdings weiterhin einen Unsicherheitsfaktor.

Zwei Mitarbeiter gießen flüssiges Gusseisen im Werk des Autozulieferers Bergmann Automotive in Barsinghausen: Die deutsche Industrie darf auf bessere Zeiten hoffen. dpa

Glühendes Eisen

Zwei Mitarbeiter gießen flüssiges Gusseisen im Werk des Autozulieferers Bergmann Automotive in Barsinghausen: Die deutsche Industrie darf auf bessere Zeiten hoffen.

BerlinDie deutsche Industrie hat im Mai weniger Aufträge erhalten. Die Bestellungen schrumpften um 0,2 Prozent zum Vormonat, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag in Berlin. Ökonomen hatten sogar ein Minus von 0,4 Prozent erwartet. Im April und Mai lag das Auftragsvolumen zusammen um deutliche 2,5 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals. „Die Industriekonjunktur in Deutschland nimmt etwas Fahrt auf“, erklärte das Ministerium deshalb.

Volkswirte sehen das ähnlich. „In der Auftragsentwicklung steckt wieder Dynamik“, sagte Ökonom Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Allerdings bleibt ein großes Fragezeichen, wie sein Kollege Stefan Kipar von der BayernLB betonte: „Man muss abwarten, wie sich der Faktor Griechenland auswirken wird“. Die dortige Krise könnte auch auf andere Euro-Länder durchschlagen und zu weniger Investitionen führen, was wiederum die exportabhängige deutsche Wirtschaft treffen würde.

Das Auslandsgeschäft wuchs im Mai um 0,2 Prozent. Während die Nachfrage aus den Euro-Ländern um 1,5 Prozent abnahm, legte die aus dem Rest der Welt um 1,2 Prozent zu. Die Aufträge aus Deutschland schrumpften um 0,6 Prozent und damit bereits den zweiten Monat in Folge.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Das Volumen an Großaufträgen fiel für einen Mai insgesamt „stark unterdurchschnittlich aus“, betonte das Ministerium. Innerhalb der Industriesparten meldeten nur die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Verpackungen ein Auftragsplus. Es lag bei 1,3 Prozent. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeuge nahm hingegen um 0,8 Prozent ab, die nach Konsumgütern um 1,2 Prozent

Von

rtr

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