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03.02.2011

10:45 Uhr

Konjunktur

Deutsche Dienstleister verzeichnen großes Auftragsplus

Sowohl in Deutschland als auch in Europa geht es den Dienstleistungsfirmen blendend: Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland ist auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen, in Europa auf ein Fünf-Monats-Hoch. Kopfschmerzen bereiten sollte der EU allerdings die radikalen Unterschiede zwischen einzelnen Ländern.

Den deutschen Dienstleistungsfirmen geht es so gut wie seit sieben Jahren nicht mehr. DAPD

Den deutschen Dienstleistungsfirmen geht es so gut wie seit sieben Jahren nicht mehr.

HB BERLIN. Die deutschen Dienstleister haben ihre Geschäfte im Januar so stark ausgeweitet wie zuletzt bei der Fußball-WM 2006 im eigenen Land. Die Service-Branche beschleunigte damit ihren Aufwärtstrend und verbuchte das stärkste Auftragsplus seit Beginn der Markit-Umfrage im Juni 1997, wie das britische Institut am Donnerstag zu seiner Erhebung unter rund 500 Firmen mitteilte.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Einkaufsmanagerindex stieg um 1,1 auf 60,3 Punkte. „Die beeindruckende Belebung der Binnenkonjunktur beflügelte vor allem auch die Geschäftsaussichten der Serviceunternehmen“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Die Dienstleister blicken so optimistisch nach vorne wie seit rund sieben Jahren nicht mehr.

Besonders rund läuft es derzeit bei Finanzdienstleistern, dem Bereich Vermietung und unternehmensnahen Dienstleistungen sowie bei Transporteuren und Lageristen. Beim gesamten Service-Sektor stiegen wegen des rasanten Neugeschäfts auch die Auftragspolster im Rekordtempo. Um weiteren Kapazitätsengpässen gegenzusteuern, stockten die Firmen ihr Personal den zwölften Monat in Folge auf.

Zuletzt hatte auch die Industrie von glänzender Stimmung berichtet. Der Markit-Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, kletterte auf 61,3 von 60,3 Punkten im Dezember. Demnach wuchs die deutsche Privatwirtschaft im Januar so stark wie zuletzt im Juni 2006, als die Fußball-WM für viel Schwung sorgte. Industrie und Dienstleister hätten gleichermaßen zur beschleunigten Entwicklung beigetragen, betonte Markit. Auch für die gesamte Eurozone gibt es gute Nachrichten: Hier haben Dienstleister das größte Geschäftswachstum binnen fünf Monaten erzielt. Das signalisiert der endgültige Markit Service-Index für Januar, der um 1,7 auf 55,9 Zähler zulegte und damit die Erwartungen übertraf. Der Sektor wächst nunmehr seit 17 Monaten. Für Gegenwind sorgen jedoch mittlerweile steigende Kosten: Da sich Kraftstoffe und Energie verteuerten, stieg der Preisdruck den dritten Monat in Folge und erreichte den höchsten Wert seit Oktober 2008. Die Firmen in Deutschland, Frankreich und Italien gaben den Kostenanstieg nur teilweise an ihre Kunden weiter. In Spanien und Irland mussten die Angebotspreise hingegen erneut reduziert werden. Bei den Aufträgen und Geschäftsaussichten geht es jedoch bei den Dienstleistern der Euro-Zone weiter bergauf: So kletterte das Markit-Barometer für das Neugeschäft auf dem höchsten Stand seit August 2007. Der Index für den Ausblick stieg auf ein 9-Monatshoch. Bis auf Italien verbesserten sich die Perspektiven allerorten, besonders in Deutschland. Erneut offenbarte die Umfrage eine „Zweiklassengesellschaft“ im Dienstleistungssektor: So vermeldeten Deutschland und Frankreich robuste Geschäfts- und Auftragszuwächse. Auch der Stellenaufbau setzte sich in den beiden größten Volkswirtschaften Eurolands fort. In Italien und Spanien hingegen strichen die Firmen weiter Jobs. Italien vermeldete trotz des leichten Auftragszuwachses erstmals seit sechs Monaten wieder leichte Geschäftseinbußen. Die Unterschiede in der Euro-Zone werden laut Markit-Chefökonom Chris Williamson auch den Hütern des Euro Kopfzerbrechen bereiten: „Die EZB muss die sich beschleunigende Inflation mit der Misere in den Ländern der Peripherie austarieren.“

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