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09.01.2017

12:34 Uhr

Konjunktur

Deutsche Exporteure knacken Bestmarke

Im November haben deutsche Unternehmen Waren im Wert von mehr als 108 Milliarden Euro ins Ausland verkauft – das ist ein neuer Rekord. Die Produktion legte leicht zu. Besonders gefragt waren deutsche Produkte in der EU.

Im November verkauften deutsche Unternehmen Waren im Wert von mehr als 108 Milliarden Euro ins Ausland. dpa

Deutsche Exporteure stellen neuen Rekord auf

Im November verkauften deutsche Unternehmen Waren im Wert von mehr als 108 Milliarden Euro ins Ausland.

BerlinNach längerer Schwächephase melden sich die deutschen Exporteure mit einem Paukenschlag zurück: Euro-Tief und China-Belebung bescherten ihnen im November eine Bestmarke. Sie verkauften Waren im Wert von 108,5 Milliarden ins Ausland und damit so viel wie noch nie in einem Monat. Der alte Rekord vom März 2015 wurde um knapp eine Milliarde Euro übertroffen, erklärte das Statistische Bundesamt am Montag.

„Es macht sich Erleichterung breit“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammerverbandes (DIHK), Volker Treier. „Der schwache Euro kurbelt vor allem das US-Geschäft an, während sich China ebenso wie die Ölförderländer gefangen haben.“ Auch die Nachfrage aus der Euro-Zone legte zu. Verglichen mit dem Vormonat wuchsen die Exporte deshalb mit 3,9 Prozent so kräftig wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr und achtmal so stark wie erwartet.

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Deutschland boomt. Doch statt die Zeit der Hochkonjunktur für Reformen zu nutzen, verharrt das Land 2017 in selbstzufriedener Starre – und ist auf den nächsten Abschwung schlecht vorbereitet. Es gibt ein großes Problem.

Allerdings sehen Experten den Aufschwung im neuen Jahr längst nicht in trockenen Tüchern. „Der zunehmende Protektionismus, der sich vor allem in den Schwellenländern breit macht, legt sich wie Mehltau auf den Welthandel“, sagte Treier. „Dazu kommt jetzt noch Donald Trump.“ Der künftige US-Präsident hat schon vor seinem Amtsantritt am 20. Januar Attacken gegen wichtige Handelspartner wie China geritten. Der Volksrepublik warf er vor, ihre Währung zu manipulieren und sich so Vorteile im Welthandel zu verschaffen. Experten befürchten im schlimmsten Fall einen Handelskrieg mit höheren Zöllen, was die Exportnation Deutschland besonders stark treffen würde.

Dabei war schon 2016 trotz des versöhnlichen Jahresausklangs alles andere als ein gutes Jahr für die erfolgsverwöhnte Branche. Von Januar bis November kletterten die Exporte nur um 0,8 Prozent auf gut 1110 Milliarden Euro, weil beispielsweise die Nachfrage aus Großbritannien nach dem Brexit-Votum merklich zurückging. Der Außenhandelsverband BGA hatte erst kürzlich wegen der schwachen Weltkonjunktur seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von zwei Prozent gekappt und erwartet bestenfalls nur noch ein Mini-Plus.

Allerdings gibt es inzwischen Hinweise auf einen anziehenden Welthandel. „Alle Weltregionen senden Signale, die deutliches Wachstum in Aussicht stellen“, sagte Manfred Hübner, Geschäftsführer der Investmentberatung Sentix, die monatlich etwa 1000 Börsianer nach ihren Konjunkturerwartungen fragt. Das dabei ermittelte Stimmungsbarometer für die Euro-Zone kletterte im Januar um 8,2 auf 18,2 Punkte. „Für 2017 gilt es, sich für einen konjunkturellen Durchstart anzuschnallen“, sagte Hübner.

Ökonomen zu Exportzahlen: „Auf Belebung noch warten“

Stefan Mütze, Helaba

„Das kommt nicht so überraschend, denn die Auftragseingänge hatten sich in den beiden Vormonaten insgesamt gut entwickelt. Die Produktion dürfte deshalb auch im Dezember nochmals zulegen, weil davon noch nicht alles abgearbeitet ist. Die Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und der Ifo-Index hatten das bereits signalisiert.

Die Exporte sind sehr stark gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass viele Aufträge aus dem Ausland hereingekommen sind – vor allem aus dem nicht-europäischen. Der schwache Euro hilft den deutschen Exporteuren im Auslandsgeschäft.“

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

„Die Produktion hat die jüngste Auftragseuphorie enttäuscht. Durch die Aufwärtsrevision des Oktoberwertes bleibt unter dem Strich aber dennoch ein etwas höheres Wachstumsmomentum im vierten Quartal 2016 erhalten. Aufgrund der strukturellen Schwächen in der Industrie dürfte sich dies aber nicht als nachhaltig erweisen.“

Rainer Sartoris, HSBC Trinkaus

„Es gibt einen globalen Aufschwung. Der ist nicht nur durch einzelne Länder beschränkt, sondern breit angelegt. In den USA sieht es beispielsweise ganz gut aus, auch China und die Euro-Zone haben sich gefangen. Davon profitiert natürlich die Exportnation Deutschland.

Die Produktion ist noch nicht so richtig in die Gänge gekommen. Es könnte zwar zu einem leichten Anstieg im Quartal reichen. Aber wenn man sich die guten Stimmungsindikatoren anschaut, so hat man sich doch ein wenig mehr versprochen. Auf eine spürbare Belebung muss man wohl noch ein wenig warten.“

Das halten auch Ökonomen für möglich. „Es gibt einen globalen Aufschwung“, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. „Der ist nicht nur auf einzelne Länder beschränkt, sondern breit angelegt. In den USA sieht es beispielsweise ganz gut aus, auch China und die Euro-Zone haben sich gefangen.“ Dazu kommt, dass der Euro in den vergangenen Wochen noch weiter abgewertet hat, was deutsche Waren in anderen Währungsräumen billiger macht. „Der schwache Euro hilft den deutschen Exporteuren im Auslandsgeschäft“, ist sich Helaba-Vokswirt Stefan Mütze sicher.

Dass Europas größte Volkswirtschaft mit Rückenwind ins Jahr 2017 gestartet ist, signalisieren auch die Importdaten. Sie legten im November um 3,5 Prozent zum Vormonat zu und damit so deutlich wie seit Juni 2014 nicht mehr. Das deutet auf eine robuste Binnennachfrage hin. Die deutschen Firmen fuhren zudem ihre Produktion im November den zweiten Monat in Folge nach oben. Industrie, Baubranche und Energieversorger stellten zusammen 0,4 Prozent mehr her als im Vormonat. „In der Industrie und im Baugewerbe hat sich die Produktion nach einem schwachen Sommerhalbjahr spürbar belebt“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium.

2016 dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach Prognose von Ökonomen um 1,8 Prozent gewachsen sein. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht an diesem Donnerstag seine erste Schätzung. Im laufenden Jahr dürfte das Wachstum auf etwa 1,4 Prozent nachlassen - vor allem deshalb, weil es drei Arbeitstage weniger hat als 2016.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.01.2017, 09:56 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr F. K.

09.01.2017, 10:27 Uhr

Deutschland ist bestens aufgestellt.

Lothar dM

09.01.2017, 14:37 Uhr

Man sollte die Target2 Salden im Auge behalten ... sie sind ein Risikoindikator dafür, ob die Exporte in die EU auch wirklich bezahlt werden. Ansonsten muss der Steuerzahler die Produkt bezahlen!

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